Leserbriefe

Ungehorsam

Danke für die Buchbesprechung „Am Widerspruch wachsen“ (CIG Nr. 16, S. 4). Die Interpretation der Opferung Isaaks erinnerte mich an den Kirchentag in Dortmund 2019. Dort befasste sich Christian Stückl, Leiter der Oberammergauer Passionsspiele, mit dieser Stelle. Er kam in seiner unnachahmlichen Art zu einer ähnlichen Interpretation: Gott macht Abraham klar, dass Blutopfer in seinem „Anforderungsprofil“ keinen Platz haben.

Andreas Borghoff, Bad Berleburg

Über Jahre habe ich mit diesem Bibeltext gerungen. Immer mehr ist mir dabei aufgegangen: Es geht nicht um einen Gott, der unmündigen Gehorsam will, auch nicht um einen „tumben“ Abraham. Es geht um die ungeheure Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung. In den offenen, noch nicht eingelösten Verheißungen liegt die Versuchbarkeit des Menschen, die Erfüllung selbst in die Hand zu nehmen, Gott „nachhelfen“ zu wollen.

Maria Schmelzer, Jülich

Als Schuldekan habe ich einmal Elternvertreter zu einem Themenabend zum Religionsunterricht eingeladen. Die erste Stellungnahme einer Mutter lautete: „Unsere Tochter kam nach Hause und fragte mich: Was würde wohl der Papa machen, wenn Gott von ihm verlangen würde, dass er eines von uns Kindern opfern soll?“ Es kam zu einer äußerst lebendigen Diskussion.

Pfarrer Konrad Hauser, Freiburg

Tote bestatten

In Ihre Klage über das Fehlen eines Bischofs bei Hans Küngs Begräbnis (vgl. CIG Nr. 17, S. 2) stimme ich traurig ein. Wie viele Impulse hat Küng der katholischen Kirche in Deutschland gegeben, wie hat er mit Vorträgen und verständlich geschriebenen Beiträgen auch die „Laien“ mit dem Geist des Konzils angesteckt! Manche mögen aus theologischen oder persönlichen Gründen Vorbehalte gegen Hans Küng haben, die auch sein Tod nicht aufgehoben hat. Trotzdem: „Tote bestatten“ gehört zu den Werken der Barmherzigkeit.

Pfarrer Hans-Peter Weigel, Nürnberg

Wer den Ablauf der Trauerfeier gesehen hat, muss erschüttert feststellen, wie weit sich Hans Küng von der katholischen Kirche entfernt hat. Daran ändert auch eine Beerdigung im Priestergewand nichts. Es ist nicht einzusehen, warum ein Vertreter des vielgeschmähten Kirchen-Establishments dabei hätte anwesend sein sollen.

Pater Dr. Klaus Obermeier, München

Sterben in den Medien

Ihrem Kommentar „Sterben zur besten Sendezeit“ (CIG Nr. 16, S. 2) stimme ich zu. Schon lange empfinde ich ein Missverhältnis zwischen dem inflationären Sterben in Film und Fernsehen und dem immer weniger sichtbaren realen Tod. In meiner Kindheit starben die Großeltern zu Hause und wurden dort auch aufgebahrt – Konfrontation pur. Natürlich bin ich froh, dass es heute anders ist. Aber das Sterben komplett zu verdrängen, kann auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Josef Lang, Zwettl/Österreich

Die Verantwortlichen in den Medien argumentieren meist mit den hohen Einschaltquoten bei Krimis. Da wird mir dann erst bewusst, dass wohl auch in meiner unmittelbaren Umgebung Menschen leben müssen, die im Angesicht stundenlanger Mordszenen in „Feierabendstimmung“ kommen.

Dr. Arndt Jehmlich, Wangen

Neu sehen lernen

Der Beitrag „Mit Osteraugen sehen“ (CIG Nr. 16, S. 5) weckt in mir die Erinnerung an das Kirchlein Notre Dame de Saint-Gervazy in der Auvergne. Darin befindet sich eine romanische Madonna aus dem 12. Jahrhundert. Vielen war dieser Schatz wohl gar nicht bewusst – bis die Statue gestohlen wurde. Zehn Jahre nach dem Diebstahl entdeckte man sie in Spanien wieder. Unter großer Anteilnahme wurde die Muttergottes in einer feierlichen Prozession an ihren alten Standort gebracht. Und die Menschen sahen ihre Statue mit ganz anderen Augen – mit Osteraugen eben.

Dietlind Fuchs, Idar-Oberstein

Literarische Wohltat

Neben all den strittigen Themen war die Geschichte „Emmanuel, der Anhalter“ (CIG Nr. 15, S. 7) eine Wohltat. Da wird ein Osterbericht aus der Bibel in die Moderne übertragen, gelungen „verheutigt“.

Haben wir nicht alle schon eine ähnliche Erfahrung gemacht? Da kreuzt ein Fremder plötzlich unseren Weg, stellt eine belanglose Frage, und schon entwickelt sich ein Gespräch, das zu existenziellen Themen führt und unser Herz erwärmt. Die Wege trennen sich wieder. Aber es bleibt ein Leuchten zurück, eine Spur von etwas Geheimnisvollem, nicht Fassbarem. Ostern!

Schwester M. Talida Rieder, München

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