Frauendiakonat – sakramental oder nicht?

Gegner des Frauendiakonats verweisen oft auf die Frühgeschichte des Christentums. Was wissen wir heute über die Beteiligung der frühen Christinnen an sakramentalen Handlungen?

Papst Franziskus sieht sich nicht in der Lage, aufgrund der Studien einer von ihm eingesetzten Arbeitskommission positiv zugunsten eines Diakonats der Frau zu entscheiden. Wie der Papst inzwischen wiederholt bekundet hat, hatten sich die Mitglieder des Gremiums in ihrem – bisher nicht veröffentlichten – Abschlussbericht nicht auf eine einmütige Aussage einigen können. So bleibt insbesondere die Frage offen, ob und inwiefern es ein solches sakramentales Amt schon in der frühen Geschichte der Kirche gegeben hat oder ob es nur eine Art Diakonissenamt war, zu dem die betreffenden Frauen nicht „ordiniert“, sondern bloß gesegnet wurden.

Ein gewisser Konsens besteht allerdings darüber, dass Frauen an der durch Untertauchen vollzogenen Taufe weiblicher erwachsener Personen als Assistentinnen beteiligt gewesen waren, ebenso an der Salbung von Kranken. Derartige Diakoninnen scheint es zum Beispiel in Syrien gegeben zu haben, in anderen Regionen jedoch nicht. In der Frühzeit des Christentums hätte es als unschicklich gegolten, wenn Männer bei diesen kultischen Handlungen Körperkontakt zu Frauen aufgenommen, diese berührt hätten.

Was aber heißt „sakramental“ im Sinne einer sakramentalen „Ordination“, „Weihe“ oder „Amtsübertragung“? Da werden möglicherweise Vorstellungen aus einer späteren Zeit theologischer und liturgischer Entwicklung – noch dazu offenkundig mit magischen Beiklängen – an die Frühzeit der allmählichen Ausprägung kultischer Handlungen angelegt, als es ein ausdrückliches Verständnis des Sakramentalen noch gar nicht gab.

Das gilt auch für andere Bereiche der Ämterfrage. Denn so sehr Jesus nach der biblischen Überlieferung Männer in seine unmittelbare Nachfolge berufen hat, so wenig hat er dies im Sinne eines „Priestertums“ getan, das dem jüdischen Kultopferpriestertum oder gar dem heidnischen Opferpriestertum auch nur in einer gewissen Ähnlichkeit entsprochen hätte. Derartigen Opferkult-Vorstellungen hat sich erst die spätere Entwicklung hin zu einem ausgeprägt christlichen Priesterum angenähert. Jedenfalls ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, das heutige theologische Verständnis des Amtspriestertums mit den Berufungen Jesu in seine Nachfolge zu identifizieren. An diesen Unsicherheiten, wie es bei Jesus tatsächlich war, ob er überhaupt an eine Institution wie ein Priestertum gedacht haben mag, entzündet sich auch der Disput über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Frauenordination. Wenn also das männliche Priestertum eine spätere Ausformung ist mit dem Ziel, den Anfang zu institutionalisieren, also Leitungsverantwortung und Autorität klar zu regeln, müsste dies weitere Entwicklungspotentiale gemäß neuen Zeitbedürfnissen nicht ausschließen.

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