SchweizGegen klerikale Besserwisserei mit „Jesus-Stempel“

Es ist nicht die Aufgabe der Amtskirche, sich ins tagespolitische Geschehen einzumischen und die Gläubigen politisch zu bevormunden, schreibt Martin Grichting, Generalvikar des Bistums Chur, in der „Welt“. „Das wäre nämlich Klerikalismus, und der wird in einer pluralistischen Demokratie zu Recht abgelehnt. Stichworte dafür wären amtskirchliche Stellungnahmen mit ‚Jesus-Stempel‘ zur Angemessenheit der Nutzung der Atomkraft, zur Migrationspolitik oder zur moralischen Qualifizierung genehmer und nicht genehmer Parteien.“

Die Geistlichkeit soll sich vielmehr auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren: den christlichen Glauben zu begründen und zu verkünden, einschließlich der biblischen Weisungen für ein sittliches Leben. Der einzelne Christ als Staatsbürger wiederum sei dafür verantwortlich, dem, was seinem Glauben entspricht, im Rahmen der demokratischen Regeln Gehör zu verschaffen. Dabei hätten die Laien nicht die Funktion eines verlängerten Arms der Hierarchie, im Gegenteil: „Sie sollen nicht von kirchlichen Organisationen her und unter dem Etikett ‚katholisch‘, sondern in eigener Verantwortung als Bürger und Christen politisch wirken. Darin besteht ihre Mündigkeit und ihr unersetzbarer Dienst.“

Christen müssten also, um an einer pluralistischen Gesellschaft teilzuhaben, den Wahrheitsanspruch ihres Glaubens keineswegs aufgeben, sondern sich lediglich loyal gegenüber dem Staat und seinen Gesetzen verhalten. „Dieses Modell dürfte auch auf andere Religionsgemeinschaften anwendbar sein.“

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