Das Sakrament FirmungReif

Wann ist ein Mensch reif für den Heiligen Geist, für Christus, für die Kirche - erst mit 16? Seelsorge-Professionelle wollen das Firmalter heraufsetzen. Ein schwerer Fehler.

Wann ist ein Mensch reif für Christus? Wann für die Kirche? Und was ist der richtige Zeitpunkt für die Firmung? Darüber wird unter Seelsorge-Professionellen diskutiert. Aus dem Bistum Passau heißt es, dass das Firmalter womöglich auf sechzehn Jahre heraufgesetzt werden soll, damit sich die Jugendlichen dann bewusst für die Kirche entscheiden können. Wenn sie – wie noch in volkskirchlichen Traditionen – in der fünften oder sechsten Klasse, also mit elf oder zwölf Jahren, gefirmt würden, hätten sie noch nicht die wahre Erkenntnis über die Bedeutung dieses sakramentalen Aktes.

In Deutschland beginnt die Religionsmündigkeit laut Gesetz lange vor der Volljährigkeit – mit vierzehn Jahren. Bereits ab zehn muss ein Kind gehört werden, wenn es in einem anderen Bekenntnis als bis dahin erzogen werden soll. Allerdings äußert sich die Religionsmündigkeit in der Rebellion der Pubertät vielfach als Religionsmüdigkeit. Jugendliche nutzen mit vierzehn die Chance, sich vom Religionsunterricht abzumelden. Da oft auch ihre Eltern vom Christentum nichts mehr wissen wollen, ist das nicht einmal mehr ein Akt des Aufbegehrens gegen die Autorität.

Allerdings spricht die Psychologie dagegen, Kinder möglichst lange zu behüten, vor Schwierigem zu bewahren. Kinder wollen gerade nicht Kinder bleiben, sondern erwachsen werden, was sich spielerisch in der Nachahmung Erwachsener zeigt. Religion ist schwierig. Die Einübung ins Schwierige muss früh beginnen. Glauben ist ein lebenslanger Lernprozess voller Zweifel, nie abgeschlossen. Das ist er erst dann, wenn der Mensch vor das Angesicht Gottes tritt. Aus dem Kinderglauben soll sich ein Erwachsenenglauben entwickeln. Darüber entscheidet die Praxis, nicht die katechismusartige Theorie, das Glaubensleben, nicht ein doziertes Glaubens„wissen“. Der (Heilige) Geist formt im sakramentalen Prozess Sein und Bewusstsein – und nicht eine Kirchen- oder Gemeindeideologie. Aus guten pädagogischen Gründen hatte Papst Pius X. die Frühkommunion vorgeschlagen, damit Kinder schon vorrational eucharistisch mit dem Geheimnis des Glaubens in Berührung kommen. In diesem Sinne wäre eher eine Frühfirmung angezeigt. Warum will man Jugendliche nach der Kommunion im Lauf des Erwachsenwerdens sakramental lange leer „im Regen“, in einer Art „Niemandsland“ stehen lassen? In einer Phase, in der der Initiativgeist, der Wille, Neues zu erfahren, mächtig ist. Mit sechzehn ist die Neugier auf Religion vielfach schon erloschen. Außerdem entscheiden nicht wir uns für die Kirche, sondern der universale Christus hat sich für die Menschen entschieden. Allein daran kann Christsein reifen: als Christwerden von klein auf. Christus ist der Zielpunkt, das Omega. Kirche ist nur ein Instrument, nicht mehr.

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