USAGegen Abtreibung, aber für die Todesstrafe

Mit einer Videobotschaft hat sich der amerikanische Präsident Donald Trump an die mehreren hunderttausend Teilnehmer des jüngsten „Marschs für das Leben“ in Washington gewandt: „Unter meiner Regierung werden wir immer das allererste Recht in der Unabhängigkeitserklärung verteidigen, und das ist das Recht auf Leben.“ Kurz zuvor hatte Trump außerdem angekündigt, dafür sorgen zu wollen, dass Ärzte, Krankenschwestern und weitere Angestellte im Gesundheitswesen besser in ihrer Gewissens- und Glaubensfreiheit geschützt werden, wenn sie sich weigern, an Abtreibungen oder Sterbehilfe teilzunehmen. Sie würden von ihrem Arbeitgeber oft massiv bedrängt, gegen ihre Haltung zu handeln, und müssten bei Widerstand mit Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz rechnen. Eine neue Regierungsstelle für das Gesundheitswesen soll bei derartigen Konflikten tätig werden.

Der „Marsch für das Leben“ findet jährlich seit 1973 statt. Damals hatte der Oberste Gerichtshof in einem Urteil Schwangerschaftsabbrüche zur Privatsache erklärt und unbeschränkt freigegeben. Auffällig ist, dass an dem Protestmarsch zusehends jüngere Leute unter dreißig Jahren teilnehmen. Viele Marschierer erklärten, man stimme vielfach nicht mit den politischen Ansichten von Trump überein, aber er habe sich im Kampf gegen die totale Liberalisierung der Abtreibung, für den Lebensschutz verdient gemacht.

Anders sieht es der katholische Bischof Anthony Taylor von Little Rock im Bundesstaat Arkansas. Er hat sich geweigert, am lokalen „Marsch für das Leben“ teilzunehmen. Der Grund sei, dass die Todesstrafe in Amerika weiter bejaht wird. Geradezu grotesk war als Hauptrednerin bei der Kundgebung der Lebensschützer die Generalstaatsanwältin von Arkansas, Leslie Rutledge, vorgesehen. In einem Brief erklärte der Bischof: Leslie Rutledge habe zwar „gute Anti-Abtreibungs-Referenzen, sie ist aber ansonsten keine geeignete Sprecherin für das Leben“. Sie habe „unermüdlich daran mitgearbeitet, die Hinrichtung von vier Kriminellen sicherzustellen, die keine weitere Bedrohung für die Gesellschaft darstellten“. Sein Bistum, so Taylor, habe lautstark um Gnade für die vier Männer gebeten, „aber wir trafen an jeder Ecke auf Widerstand seitens der Generalstaatsanwältin“.

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