Tomáš HalíkIns Geheimnis

Wenn ich das „Ich glaube an Gott“ ausspreche, weiß ich, dass dies viel mehr bedeutet als ein Deklarieren meiner persönlichen Gottesansichten. Die ersten Worte des Glaubensbekenntnisses im griechischen Original und in Latein, der Mutter- und Vatersprache der Kirche, müssten, genau übersetzt, eher so klingen: „Ich glaube auf Gott hin.“ Dies ist eine Richtungsbezeichnung, die Kennzeichnung eines Weges, einer Bewegung: Ich glaube, und mit diesem meinem Glauben gehe ich in das Geheimnis ein, das Gott genannt wird.

Doch wie könnte ich eintreten, wenn mir nicht geöffnet würde, wie könnte ich an das Feuer herantreten und wie mich nicht verlieren im blendenden Licht, wenn er selbst mir nicht entgegenkäme? Ja, der Dreieinige Gott hat sich geoffenbart, er gibt sich hin und öffnet sich. Doch er selbst verbleibt in seinem Wesen für mich gleichzeitig unverständlich und „unmöglich“, trotz aller meiner angeborenen Fähigkeit, ihn zu erkennen und ihn in diesem Leben von „Angesicht zu Angesicht“ zu sehen.

Doch wo ich ihn „wie in einem Spiegel“ kontemplativ erfahren kann – und hier wird meine Erkenntnis wahrlich ganz persönlich, wenn ich mir die langjährige Erfahrung meines Suchens und Glaubensweges vergegenwärtige –, sind es drei Wirklichkeiten: die Welt, das Menschsein Jesu und die Kirche.

Tomáš Halík in: „Nachtgedanken eines Beichtvaters“ (Herder, Freiburg 2017)

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