Der neue FirmkursFirmung vernetzt – Die Welt ist nicht genug!

Was macht lebendige Firmvorbereitung aus? Das Autorenteam von „Firmung vernetzt. Die Welt ist nicht genug“ präsentiert einen neuen Firmkurs, der sich ganz und gar an der Lebenswelt der Jugendlichen ausrichtet und einen neuen Ansatz von Firmkatechese verfolgt. Crossmedialität und eine enge Vernetzung von On- und Offlineaktivitäten sind konstituierende Merkmale der neuen Konzeption.

Die Kirche muss auf die Jugendlichen zugehen – und nicht umgekehrt!“ Dieser Ausspruch beschreibt den Wunsch der sieben Autoren des neuen Firmkurses „Firmung vernetzt“, die Kirche für Jugendliche als einen Ort der Heimat erfahrbar zu machen. Lebendige Firmvorbereitung will den Jugendlichen Anknüpfungspunkte zu einer Kirche bieten, die sie für sich entdecken und mitgestalten können. Es ist daher naheliegend, die Kirche dort zu verorten, wo sich die Jugendlichen ohnehin aufhalten, sich mit anderen jungen Menschen treffen und zu Hause fühlen: Im Inter net, in den sozialen Netzwerken, in einem Alltag, den sie (auch) online leben. Eine authentische und zeitgemäße Artikulation von Glaubensfragen im dritten Jahrtausend verlangt darum ein ganz neues Konzept.
Das „Firmteam“ (Thomas Arnold, Benedikt Dolzer, Judith Lurweg, Lucia Pfeiffer, Christian Schröder, Florian Sobetzko und Klaus Vellguth) hatte sich zu Beginn der Arbeit an dem neuen Firmkurs einen mystagogischen Ansatz zum Ziel gesetzt, der konsequent bei den durch das Internet geprägten Erfahrungen und Lebenswelten junger Menschen ansetzt. Das innovative Firmkonzept soll ein Eintauchen in die Welt der Jugendlichen ermöglichen und die Firmlinge darin bestärken, ihren eigenen Glauben zu leben. Neben klassischen und innovativen Formen der Gruppenarbeit berücksichtigt der neue Firmkurs daher insbesondere die Relevanz der Online-Medien für junge Menschen und präsentiert die Firmvorbereitung mit attraktivem, frischen Gesicht.

Ein Firmkurs entsteht

Die Arbeit an dem innovativen Firmprojekt begann mit einem Brainstorming im Frühjahr 2013. Schon bei diesem ersten Zusammentreffen des Autorenteams Anfang März war klar: Hier entsteht etwas herausfordernd Neues, etwas Innovatives. Bei der Zusammenstellung des Teams war dies auch nicht verwunderlich: Es handelt sich um junge Menschen mit außergewöhnlichen Erfahrungen und Visionen. Eine Kombination studierter Theologen, einer gewissen Social-Media- Expertise, technischer Affinität und viel praktischer Erfahrung in der Jugendpastoral erwiesen sich als unschlagbar, um eine Hermeneutik zu entwickeln, die vom Lebensalltag der Jugendlichen ausgeht.
Nach der Aufstellung eines ersten Grobkonzeptes stand zunächst die Ideenfindung an. Zur Erarbeitung und Ausformulierung der entstehenden Bausteine wählten die Autoren ebenfalls eine vernetzende Methode: Ein Online-Wiki, das die Kommentierung und Bearbeitung durch die jeweils anderen Autoren zulässt. Auch wenn im Frühjahr 2014 die ersten E-Mails bereits den Betreff „Endspurt“ enthielten, gab es doch weiterhin viel zu tun: Texte für das begleitende Jugendbuch wurden verfasst und die letzten Überarbeitungswünsche abgeglichen. Im November 2015 erschien schließlich nach umfangreichem „Fine-Tuning“ der neue Firmkurs „Firmung vernetzt. Die Welt ist nicht genug“ als Handreichung für Katecheten und als Jugendbuch.

Sechs Dimensionen der Firmvorbereitung

Im Hintergrund der Arbeit stand durchweg der Wunsch, die Jugendlichen in ihrer Entwicklungsphase der Identitätsfindung ernst zu nehmen. Die einzelnen Bausteine des Firmkurses in milieuspezifisch differenzierten Ansätzen darzustellen, ergab sich als Konsequenz. Thematisiert werden Ängste, Wünsche, Träume, Glaubenserfahrungen und Glaubensfragen. Die ersten vier der sechs Kapitel zu den Themen Identität („Vernetzt mit mir“), mein Glaube („Vernetzt mit Gott“), Jesus Christus („Vernetzt mit Jesus“) und Heiliger Geist („Vernetzt mit dem Heiligen Geist“) finden hier ihren Platz. Darüber hinaus stellt der neue Firmkurs Kirche als ungewöhnlichen Erfahrungsraum abseits von gängigen Klischees dar und charakterisiert im Kapitel „Vernetzt in der Kirche“ zeitgemäße ekklesiologische Visionen. Die Jugendlichen sollen sich im Sakrament der Firmung tatsächlich für eine Kirche entscheiden können, in der sie eine Heimat gefunden haben und die sie mit anderen jungen Christen verbindet: „Firmung vernetzt“.
In den Bausteinen des Firmkurses geht es dabei nicht zuerst um eine kognitive Ausrichtung, sondern vielmehr um ein performatives Erleben. Den Jugendlichen soll nicht bloß ein rudimentäres Glaubenswissen vermittelt werden, sie können vielmehr erfahren, was Glauben heißt und wie der christliche Glaube das Leben junger Menschen bereichert.

Moderne Methodenvielfalt

Die katechetischen Bausteine wurden von den Autoren methodisch- didaktisch vollständig ausgearbeitet und unterteilen sich in eine Einführungsphase, eine Aktionsphase und eine Abschlussphase. Alle benötigten Materialien werden entweder präsentiert oder als Link zu den entsprechenden Inhalten im Netz aufgeführt. Je nach Bedarf vor Ort lassen sich die Bausteine flexibel miteinander kombinieren.
Prägend für den Firmkurs „Firmung vernetzt“ ist eine zeitgemäße Methodenvielfalt, die in einem Glossar zu Anfang des Buches erklärt wird. Sie umfasst die Hospitanz in Sozialprojekten (Compassion), Exposures, Songwriting, Teilnahme an Blogs, Erstellen und Posten von Videos, Geocaching, Digitalcollagen, Instagram, Podcasts, Firm-Flashmob, Speed-Dating, Sportkatechesen, Open Innovation, Transmediales Storytelling, Korrelationsmodule zur ästhetisierten Welt der Mode, Entdeckung heiliger Orte, Entwicklung einer Videokampagne „Meine Kirche ist ...“, Action Painting und Detektivarbeit. Die Bausteine laden Jugendliche dazu ein, eigene Lebensformate zu entdecken und ermutigen sie zu Ansätzen innovativen Ekklesiopreneurships (vgl. „Dicker Fisch“, kapharna:um). Schließlich werden liturgisch geprägte Bausteine mit jugendgemäß gestalteten Liturgien angeboten. Experten für die genannten Methoden sind vor allem die Jugendlichen. Darin zeigt sich ein wesentlicher Aspekt der Firmkonzeption des Kurses „Firmung vernetzt“: die Rolle der Jugendlichen verändert sich – waren sie früher eher (passive) Objekte einer Firmvorbereitung, so werden sie nun zu aktiven Subjekten der Firmkatechese. Ihre Lebens- und Glaubenskompetenz, aber auch ihre Methoden- und Medienkompetenz befähigen sie dazu.

Vernetzung

Der Firmkurs „Firmung vernetzt“ lädt dazu ein, zur Kommunikation auf der Ebene der einzelnen Firmgruppe, der Firmlinge einer Gemeinde oder der Firmlinge eines Pfarrverbandes eine Gruppe in einem sozialen Netzwerk zu bilden. Eine überregionale Vernetzung der Firmlinge und Katecheten ist außerdem über die durch das Autorenteam betreute Homepage www. firmung-vernetzt.de möglich. In den einzelnen Bausteinen besteht jeweils das Angebot, die von der Firmgruppe erarbeiteten Inhalte auf einer Plattform hochzuladen beziehungsweise zu posten, so dass eine Einsicht in die Erfahrungen anderer Gruppen möglich wird. Die Website bietet auch eine Anlaufstelle für die Katecheten und Katechetinnen; jeder Baustein ist hier in einer Kurzübersicht erklärt, die auf Methoden und Materialen, den Mehrwert für die Jugendlichen, crossmediale Angebote und Web-Links eingeht. Das Firmteam will auf der Website aber nicht nur Zusatzmaterial zu den einzelnen Bausteinen anbieten, sondern auch dem steten Wandel der Online-Kommunikationswege Rechnung tragen. Das Buch bietet methodische und katechetische Grundlagen, die Website hilft, die Firmkurse weiterhin spannend und originell zu gestalten.
Ein solches Betreuungsangebot für Katecheten ist elementar, denn es ändert sich gegenüber traditionellen Firmkonzepten nicht nur die Rolle der Jugendlichen, auch die Aufgabe des Katecheten wird in diesem Firmkurs neu definiert. Der Katechet wird zum Moderator eines Glaubensprozesses, der unter den Jugendlichen selbst abläuft. Solch ein Konzept setzt um, was in der Firmung gefeiert wird: Es vertraut darauf, dass der Katechet niemals der Macher des Glaubens ist, sondern dass der Heilige Geist in den Jugendlichen wirkt. Viele Katecheten werden die Begleitung der Jugendlichen auch als Intensivierung ihrer eigenen Spiritualität erleben und durch die Erfahrungen der Jugendlichen dazu angeregt, über den eigenen Glauben nachzudenken.

Ein Blick ins Buch

Zwei ausgewählte Bausteine sollen an dieser Stelle kurz beschrieben werden. Der erste Baustein „Mit Gott auf Sendung“ ist im Kapitel „Vernetzt mit Gott“ zu finden. Die Firmlinge beschäftigen sich mit ihrem Gottesbild und erstellen für ein junges Radiopublikum einen Podcast, in dem sie sich persönlich über Vermutungen und Gedanken zu Gott äußern. Als Vorbild dient das Format „Kirche in 1LIVE“, welches regelmäßig im WDR-Sender 1LIVE ausgestrahlt wird. In der Einführung sind die Jugendlichen eingeladen, sich Gedanken über ihre letzten Erlebnisse mit Gott oder dem Glauben zu machen. Anschließend bringen sie die Situationen, Geschichten oder Gedanken so zu Papier, dass sie in 90 Sekunden Sprechzeit vorgetragen werden können. Es geht hierbei um eine Aktualisierung und persönliche Gestaltung der Botschaft. Für den nächsten Schritt der Aktionsphase, die Aufnahme der Podcasts, sind (semi-)professionelles Equipment und die nachträgliche Bearbeitung unbedingt erforderlich. Nach der wenn möglich unkommentierten Sammlung aller Beiträge, gibt es Möglichkeiten zur weiteren Arbeit, die der Kurs als „echtes Plus“ aufführt: die Nutzung der Podcasts im Gottesdienst, als digitalen Adventskalender, oder bei einem Kreativ-Wettbewerb auf dem Pfarrfest. Auch die Ausschmückung der Podcasts mit echten Radio-Jingles oder eine Aufnahme im Tonstudio kann die Jugendlichen dazu ermutigen, moderne Geschichten von Gott zu erzählen.
Um die Übertragung eines traditionellen Elements in eine zeitgemäße Sprache geht es auch in einem zweiten, ekklesiologischen Baustein. Unter dem Titel „Die WG des Herrn“ werden die Firmlinge eingeladen, das Haus Gottes (neu) zu entdecken – denn Gott sucht stets nach neuen Mitbewohnern und in seiner WG wird schließlich auch mindestens einmal in der Woche gefeiert. Ausgestattet mit einer Sofaecke und einem Küchentisch, Getränken und Snacks wird die Kirche zum Ort des WG-Castings und der Pfarrer lädt ein, sich die eventuelle zukünftige Unterkunft einmal genauer anzuschauen. In einer Führung werden Aspekte wie Altarraum, Heiligenaltäre, Ewiges Licht, Beichtstuhl und Krypta vorgestellt. Als Abschluss der Führung schlägt der Firmkurs einen kurzen Gottesdienst vor. Auch einen humorvollen Einladungstext zu dem WG-Casting hält der Baustein bereit, in dem unter anderem auf die Orgel und das Klavier der WG und den tollen Klang im Wohnzimmer hingewiesen wird.

Ausblick

In welchen Online-Netzwerken Jugendliche sich bewegen, ändert sich deutlich schneller als ein Buch gedruckt werden kann. Als das Autorenteam zu Beginn des Projekts erste Ideen austauschte, aus denen schließlich der Kurs „Firmung vernetzt“ entstand, schien es selbstverständlich, dass Facebook auf Platz eins der Netzwerke junger Menschen steht. Dies hat sich seitdem fundamental verändert und es ist auch jetzt schwer vorstellbar, was nach WhatsApp, Instagram und Snapchat kommen mag ...
„Firmung vernetzt“ wurde nicht geschrieben, um möglichst moderne Internetspielzeuge in die Firmvorbereitung zu integrieren, sondern weil sich das Autorenteam bewusst ist, wie die digitale Revolution auch die Katechese verändert. Der Firmkurs wendet sich an alle, die junge Menschen erreichen wollen, Freude daran haben, mit Jugendlichen in zeitgemäßer Form über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen und bereit sind, dabei auch katechetisches Neuland zu betreten.   

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