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Titselseite Anzeiger für die Seelsorge 7-8/2026

Heft 7-8/2026Missionarische Präsenz

Inhalt

Der Begriff der missionarischen Präsenz beschreibt im gegenwärtigen deutschsprachigen Pastoralraum eine grundlegende Neujustierung des Missionsverständnisses. Im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil und dessen ekklesiologische Weitung wird Mission als ganzheitliches Zeugnis der Kirche inmitten der Welt verstanden, wobei Glaubensverkündigung und gelebte Nächstenliebe untrennbar aufeinander bezogen werden.
Gerade in pluralen und postkolonial sensibilisierten Kontexten gewinnt diese Perspektive besondere Relevanz. Eine Kirche, die ihre eigene Geschichte kritisch reflektiert hat, ist aufgefordert, missionarische Praxis von jedem Anschein kultureller Überwältigung zu lösen. Missionarische Präsenz bedeutet daher weder Rückzug in Sprachlosigkeit noch Rückfall in alte Dominanzformen, sondern die Verbindung von Respekt, Dialogfähigkeit und bekennender Klarheit. Die Liebe Christi gilt universal; sie wird dort glaubwürdig, wo sie gelebt und – wo möglich – auch benannt wird.
Diese Haltung konkretisiert sich im Dialog als Grundform kirchlicher Existenz. Dialog ist dabei nicht bloße Methode, sondern Ausdruck einer spirituellen Grundhaltung der Offenheit und Gastfreundschaft gegenüber dem Anderen. So erweist sich missionarische Präsenz als integratives Konzept einer Kirche inmitten der Welt – offen, solidarisch und dialogisch, als Zeichen der Hoffnung für eine vielfältige Welt.
Ein sommerliches „Lesegeschenk“ steuert der Leiter der Grafikagentur, die den „Anzeiger für die Seelsorge“ monatlich gestaltet, zu diesem Heft bei: In seinem Beitrag „Die Wiederentdeckung der einfachen Dinge“ lädt Stefan Weigand zu einem neuen Blick auf das Leben ein.

Über diese Ausgabe

Schwerpunkt

  • Gratis S. 5-8

    Ein Plädoyer für die Sichtbarkeit derer, die im „Feldlazaret“ schuftenMissionarische Präsenz im deutschsprachigen Pastoralraum

    Die missionarische Sendung der Kirche ereignet sich dort, wo Menschen in ihrer existenziellen Verwundbarkeit Zuspruch und Begleitung erfahren. Im deutschsprachigen Pastoralraum besteht eine historisch gewachsene Spannung zwischen einer stark ausgeprägten diakonalen Praxis und einer teilweise gehemmten expliziten Glaubensartikulation. Dies ist nicht Schwäche, sondern Ergebnis eines notwendigen Ringens mit kolonialen Missionsgeschichten. Doch ein integrales Missionsverständnis vermag diese Spannung nicht durch Reduktion zu lösen, sondern durch eine organische Neuintegration von Verkündigung und Dienst als wechselseitige Aspekte einer evangelisierenden Dynamik.

  • Plus S. 10-14

    Ein Plädoyer für die Ortsgemeinde„Vergesst Taizé!“

    Junge Menschen sind religiös aufgeschlossener als ältere, wie neue Studien belegen. Wo ihre Unbefangenheit geachtet wird, haben sie ihre Offenheit später nicht zu bereuen. Überlegungen zum Versuch „Taizé“.

  • Plus S. 15-18

    Eine heikle AngelegenheitMissionarische Präsenz im schulischen Religionsunterricht

    Als ich eine erste Recherche zum Stichwort Missionarische Präsenz unternahm, stieß ich auf das Buch des früheren Generaloberen der Missionsgesellschaft Bethlehem in Immensee, Josef Amstutz (1927–1999), mit dem Titel: „Missionarische Präsenz. Charles de Foucauld in der Sahara“ (Immensee 1997). Ist es als Lehrperson im Religionsunterricht ähnlich? Bin ich ein Glaubender, eine Glaubende, mitten in der Wüste, unter anders Glaubenden oder nicht Glaubenden – so wie einst Charles de Foucauld?

  • Gratis S. 19-23

    Eine der Perspektiven der Steyler MissionareFormen und Bedeutung einer missionarischen Präsenz in deutschen pastoralen Kontexten

    Die missionarische Präsenz bildet ein Kernprinzip des heutigen Missionsverständnisses auch der Steyler Missionare, die den Veränderungsprozess im Verständnis von Mission mitgetragen und mitvollzogen haben. Missionarische Präsenz beschreibt einen ganzheitlichen und dialogischen Missionsansatz, der sich deutlich von früheren, primär auf Bekehrung ausgerichteten Methoden unterscheidet.

Impulse

Im Blick

  • Plus S. 30-33

    Wie Priester im Netz die Kirche attraktiv machen wollenVon wegen altmodisch

    1985 präsentiert die ARD dem TV-Publikum eine herzergreifende Szene. Richard Chamberlain alias Pater Ralph hört die Dornenvögel singen, als er in den Armen seiner Geliebten und Mutter seines Kindes den Serientod stirbt. Die Serie „Dornenvögel“ betrat damals Neuland, denn sie würzte die Geschichte eines Priesters mit den Ingredienzen Sex und Crime. Die Rekord-Einschaltquoten zeigten, dass Priester als Fernsehhelden unter diesen Bedingungen mehr als serientauglich waren.

  • Plus S. 34-37

    Wegweisender Guardini-Titel„Die Kirche erwacht in der Seele“

    „Die Kirche erwacht in der Seele.“ Der Gedanke Romano Guardinis erhält mit der Individualisierung religiöser Lebenswelten neue Brisanz. Stimmt der Satz ohne das Zutun der Seelsorge? Soziologisch betrachtet ist Kirche kein monologischer Vorgang.

  • Plus S. 38-41

    Eine Art Gegenprogramm zum detaillierten Lebens- und AlltagsmanagementDie Wiederentdeckung der einfachen Dinge

    Unser Alltag wird mehr und mehr von großen und kleinen Aufgaben bevölkert. Wir arbeiten sie ab, und doch macht sich das Gefühl breit, dass man einfach nicht hinterherkommt. Was tun? Eine App auf dem Smartphone installieren, um irgendwie das Leben zu managen? Noch mehr organisieren und Aufgaben festhalten? Stefan Weigand hat das versucht – und auf halbem Weg wieder kehrtgemacht. Stattdessen hat er die einfachen Dinge, die ihn umgeben, neu in den Blick genommen – und lieben gelernt.

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