Anzeige: Die ignorierten Frauen der Bibel. Was im Gottesdienst nicht gelesen wird. Von Annette Jantzen
Titelseite: Anzeiger für die Seelsorge 6/2026

Heft 6/2026Partnerberatung

Inhalt

Paarbeziehungen stehen in besonderer Weise unter dem Anspruch, Intimität, Verlässlichkeit und personale Anerkennung zu ermöglichen. Zugleich sind sie fragil, krisenanfällig und kulturell wie theologisch vielfältig codiert. Die vorliegende Ausgabe des Anzeiger für die Seelsorge nimmt diese Spannung auf und fragt nach theologischen Deutungsangeboten sowie nach Ressourcen für Beratung und Begleitung von Paaren.

Im Zentrum steht die Einsicht, dass weder biblische Texte noch kirchliche Traditionen einfache Rezepte für gelingende Partnerschaft bereithalten. Vielmehr bewegen sie sich in historisch und kulturell gebundenen Diskursen, formulieren normative Leitlinien, benennen aber zugleich Grenzen, Brüche und Scheitern. Beziehung erscheint damit nicht als statischer Idealzustand, sondern als dynamisches Geschehen, das auf Kommunikation, Verantwortung und Lernprozesse angewiesen ist.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den sozialen und kommunikativen Räumen, in denen Paarbeziehungen wahrgenommen, unterstützt und reflektiert werden. Beratung wird dabei nicht primär als expertengestützte Intervention verstanden, sondern als relationale Praxis, die Anerkennung, Zuhören und das Ernstnehmen konkreter Lebensrealitäten voraussetzt. Theologisch akzentuiert wird eine Perspektive, die Machtasymmetrien kritisch reflektiert, normative Engführungen hinterfragt und den Blick für Vielfalt öffnet, ohne die Spannung zwischen Ideal und Realität aufzulösen.

So laden die Beträge in diesem Heft zu einem Verständnis von Paarbegleitung ein, das auf Präsenz statt Patentlösungen setzt und Beziehung nicht isoliert, sondern eingebettet in soziale, gemeindliche und spirituelle Kontexte denkt.

Über diese Ausgabe

Schwerpunkt

  • Gratis S. 5-9

    Neutestamentliche Perspektiven auf Unterstützung für PaareVon Rezepten und Ressourcen

    Guter Rat ist teuer, wenn die Paarbeziehung in die Krise gerät. Die (populäre) Philosophie hält deshalb innerhalb ihrer kulturellen Muster allgemeingültige Ratschläge fest, die Krisen gar nicht erst aufkommen lassen sollen – und bietet, wenn das doch geschieht, systematische Lösungen an. Ansätze dazu formulieren auch neutestamentliche Texte. Darüber hinaus lassen sie aber auch Kommunikationsräume jenseits der eigenen Familie aufscheinen, in denen gegenseitige Verantwortung für das Wohl der anderen übernommen wurde. Doch trotz alledem schlägt sich auch ein Scheitern von Beziehungen nieder.

  • Plus S. 10-14

    Queere Paare begleiten – Herausforderungen und Chancen kirchlicher BeratungVoneinander lernen

    In den vergangenen Jahren hat sich der kirchliche Blick auf das Leben queerer Menschen deutlich verändert. Die Initiative #OutInChurch hat zu einer größeren Sichtbarkeit der Realität queerer Menschen in und mit der Kirche geführt, der Synodale Weg hat sich mit den Themen der lehramtlichen Bewertung von Homosexualität und dem Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt beschäftigt, die „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ wurde verändert und auch in den Äußerungen der Deutschen Bischofskonferenz wird der Umgang mit queeren Lebensrealitäten in den Blick genommen. Die Veröffentlichung der Arbeitshilfe „Die Feier des Segens für Paare“ und die offizielle Erlaubnis von Segensfeiern für alle Paare in einigen der deutschen Diözesen zeigen, dass die Frage nach Beratung und Begleitung von Paaren in Partnerschaft und Ehe zunehmend auch queere Menschen in den Blick nehmen muss.

  • Plus S. 15-19

    Biblische Perspektiven für die EheberatungDer Mensch – ein Beziehungswesen

    Ist die Bibel eine gute Lektüre für Eheberater? Lässt sich in biblischen Texten Inspiration finden, um Einzelne und Paare in schwierigen Beziehungssituationen zu begleiten und ihnen dabei zu helfen, ihre Beziehung zu klären, Verstrickungen zu lösen und nach Möglichkeit ihre Beziehung zu heilen? Wäre Jesus ein guter Berater gewesen? Oder ist das alles zu weit hergeholt?

  • Plus S. 20-23

    Die Ehe-, Familien- und LebensberatungZuhören. Begleiten. Stärken.

    Vor einiger Zeit feierte ein Ehepaar aus meinem Bekanntenkreis sein Diamantenes Ehejubiläum – seit 60 Jahren sind sie verheiratet. Ein besonderes Fest, das eine tiefe Freude und Dankbarkeit darüber auslöst, miteinander alt geworden zu sein und manche Höhen und Tiefen überstanden zu haben.

Impulse

Im Blick

  • Plus S. 30-34

    Einstehen für die Zuversicht, dass Krisen bewältigbar sindKirchliche Eheberatung als Paarbegleitung

    Jede Beziehung kennt Höhen und Tiefen, Momente inniger Zweisamkeit und Phasen der Entfremdung. Auch Konflikte und Spannungen gehören zu ihr. Das ist, können wir sagen, „ganz normal“. Alles andere würde Gefahr einer Idealisierung laufen, die ein Paar überfordern oder dazu führen kann, dass die beiden Partner zu wenig auf die eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten achten. Die entscheidende Frage ist, wie ein Paar mit dem „ganz normalen“ Beziehungsalltag konstruktiv umgehen kann. Welche Rolle kann dabei die kirchliche Eheberatung spielen?

  • Plus S. 35-40

    Erfahrungen Pastoraler Innovation im Bistum FuldaWie neue Wege von Kirche Kraft gewinnen

    Seit 2021 gibt es im Bistum die Pastorale Innovation, zunächst als Strategische Initiative, seit diesem Jahr als Fachstelle. Hintergrund sind die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen für kirchliches Handeln. Austrittszahlen brechen Jahr für Jahr Rekorde und auch die Teilnahme an Gottesdiensten und gemeindlichen Veranstaltungen ist im Sinkflug. Durch die Angebote der Fachstelle für Pastorale Innovation sollen punktuell neue Formen von Kirche erprobt und Menschen ermutigt werden, unkonventionelle Dinge auszuprobieren. Mehr Passung an die wirklichen Bedürfnisse potenzieller Nutzerinnen und Nutzer, die Erschließung neuer Zielgruppen und die Veränderung von Rahmenbedingungen für pastorales Handeln stehen dabei im Vordergrund.

Inspirierte Seelsorge

Autorinnen und Autoren