Achtsame BegleitungÄngsten spielend begegnen

Gezielte Spielimpulse unterstützen die Jüngsten darin, Stärke zu spüren und Widerstandskraft zu entwickeln. Dies hilft ihnen häufig dabei, mit schwierigen Gefühlen besser umgehen zu können.

Ängsten spielend begegnen
© Harald Neumann

Wenn Kinder spielen, lässt sich erkennen, was sie beschäftigt: die Angst und die Zuversicht, die Hilflosigkeit und die Kraft, der Rückzug und die Sehnsucht nach Halt.
Wenn Sie aktiv mitspielen, erfahren Sie nicht nur viel über die Ängste der Kinder. Sie können die Mädchen und Jungen auch darin begleiten, dem Gegenteil der Angst Raum zu geben. Gegen die Angst zu spielen bedeutet nicht, sie zu ignorieren oder sie entfernen zu können. Angst ist ein nützliches Gefühl, das zu Vorsicht anhält. Sie wird im Spiel der Jüngsten immer sichtbar werden und Aufmerksamkeit verlangen. Das ist auch gut so, damit die Kinder Schutz suchen können. Entscheidend ist, dass sie mit ihrer Angst nicht allein bleiben, sondern Interesse, Geborgenheit und Halt erfahren. Dann kann die Angst ihre Kraft verlieren. Über das freie Spiel hinaus können die Kinder mit gezielten Spielimpulsen dabei unterstützt werden, ihren Ängsten etwas entgegenzusetzen.

  • Geben Sie dem Kind einen noch nicht aufgeblasenen Luftballon. Ermutigen Sie es, seine Angst in den Ballon zu pusten. Dann bitten Sie es, die Öffnung des Ballons mit je zwei Fingern seiner Hände so auseinanderzuziehen, dass die Luft herausströmt und der Ballon dabei quietschende Geräusche macht.
    Wenn das Kind zu jung ist, führen Sie ihm das vor. Über dieses Geräusch müssen die meisten Mädchen und Jungen lachen.
  • Bitten Sie das Kind, ein „Angstfresserchen“ zu malen. Erzählen Sie dazu die Geschichte vom „Traumfresserchen“ von Michael Ende oder denken Sie sich eine Geschichte aus. Sie sollte davon handeln, dass jeder sein eigenes Angstfresserchen hat, das in der Lage ist, Ängste aufzufressen. Nur das Kind, zu dem das Angstfresserchen gehört, weiß, wie es aussieht. Wenn das Kind sein Angstfresserchen gemalt hat, kann man es an sein Fach oder über seinem Bett aufhängen. Manche Kinder spielen auch gern das Angstfresserchen. Sie identifizieren sich mit ihm, bewegen sich wie dieses oder geben Angstfresser-Geräusche von sich. Sie können auch einen Angstfresser-Tanz initiieren usw.
  • Wenn Kinder Angst haben, brauchen sie Kraft, um damit umzugehen. Sammeln Sie Steine, waschen Sie diese und legen Sie sie auf ein Brett oder Tablett. Jedes Kind darf sich einen Kraftstein aussuchen. „Wenn du den Stein anfasst, gibt er dir Kraft.“ Wenn alle Kinder einen Stein gewählt haben, können Sie fragen: „Welches Bild soll denn auf dem Stein drauf sein, damit seine Kraft noch größer wird?“ Vielleicht kommt die Antwort: „Eine Sonne“ oder: „Ein Auge“. Dann bitten Sie das Kind, das Symbol auf seinen Kraftstein zu malen.
  • Viele Kinder sind erstaunt, wenn sie hören, dass auch Monster Angst haben können. Wovor haben Monster Angst? Vor dem Monsterschreck. Die Kinder spielen Monsterschreck! Sie können sich auch mit Stoffresten und Pappkartons als Monsterschreck verkleiden.
  • Manchen Kindern hilft ein Schutzengel gegen ihre Angst. Sie können ihn malen oder als Figur basteln. Das Material ist egal, wichtig ist, dass die Kinder selbst aktiv werden. Hilfreich ist die Frage: „Welchen Ton oder welche Bewegung muss dein Schutzengel machen, damit er deine Angst wegnehmen kann?“ Der eine Schutzengel singt, der andere summt, einer hebt die Hand, ein anderer streicht dem Kind über den Kopf.
  • Alles, was das Selbstwertgefühl eines Kindes fördert, vermindert Ängste. Sie können z.B. das Buch „Das kleine Ich bin Ich“ von Mira Lobe vorlesen. Bitten Sie jedes Kind darum, sein eigenes Ich-bin-Ich zu malen. Einige werden sich selbst malen, andere brauchen Anregungen, um ihr Ich-bin-Ich als Fantasiefigur zu gestalten. Wesentlich ist, dass Sie das Kind davor nach seinen eigenen Stärken und Kostbarkeiten fragen: „Was magst du an dir? Was kannst du besonders gut? Mal dich so!“ Eine Möglichkeit ist auch zu fragen: „Welches Tier möchtest du gerne sein? Was kann das Tier besonders gut?“ Jedes Kind kann dann sein Tier, seine Fantasiefigur, sein Ich-bin-Ich spielen.
  • Eine andere Möglichkeit besteht darin, ein Ich-bin-Ich-Poster herzustellen. Kleben Sie dazu in die Mitte eines großen Blatts ein Bild des Kindes, ein selbst gemaltes oder ein Foto. Nun wird das Kind gefragt: „Was kannst du besonders gut? Was ist dein Lieblingsessen? Welches Buch magst du besonders? Welches Tier findest du toll?“ Die Antworten werden rund um das Bild des Kindes auf das Poster gemalt oder geklebt.
  • Jedes Kind ist ein Zauberer. Dazu braucht es eine Kopfbedeckung oder einen Umhang. Wenn diese Dinge nicht zur Verfügung stehen, reicht das Wichtigste: ein Zauberstab! Lassen Sie das Kind einen Papierbogen in DINA4 rollen und zusammenkleben. Damit daraus ein Zauberstab wird, muss die Papierrolle noch bemalt oder beklebt werden. Fragen Sie: „Was kannst du zaubern? Was soll der Stab wegzaubern?“ (z.B. die Angst, dass Mama und Papa streiten, das Gewitter-Donnern). „Was soll der Stab herzaubern?“ (z.B. Gummibärchen, Kuscheln). Der Zauberstab hilft Kindern, aktiv zu werden gegen die Angst und gegen Bedrohungen.

INFO

Infos, Kurse & Literatur von und mit Dr. Udo Baer

Die Webseite von Udo Baer & Team versteht sich als Plattform für Erziehungsfragen und -antworten. Hier finden Sie Texte, Podcasts und Videos, u. a. zu Themen wie Corona, Ukraine, Trennung oder herausforderndem Verhalten.
www.kinderwuerde-udo-baer.de

Die QiK Online-Akademie bietet einen Praxiskurs mit Dr. Baer unter dem Titel „Hochbelastete Kinder verstehen und stärken.“ Schwerpunkte liegen auf der Ich-bin-Ich-Stärkung der Kinder sowie auf konstruktiven Wirksamkeitsbemühungen.
www.qualitaet-kita.de/produkt/hochbelastete-kinder-verstehen-undstaerken.de

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