Pro & ContraSchnuller in der Kita?

Viele pädagogische Einrichtungen bitten die Eltern, ihre Kinder ohne Schnuller in die Betreuung zu bringen. Muss das sein?

Pro & Contra
© Florian Nütten

Die Entscheidung liegt bei den Eltern.

Die zweijährige Hannah sitzt zufrieden zu Hause in ihrem Stühlchen, den geliebten Schnuller im Mund. Doch Hannah steht eine Veränderung bevor. Ihre Kita drängt darauf, dass sie sich vom Sauger verabschiedet. Die Zähne würden darunter leiden und es sähe einfach nicht gut aus. Mit großer Sorge sehe ich den subtilen, aber auch offenen Druck in Tagesstätten, Kinder frühestmöglich zum Schnullerverzicht zu bewegen. So nachvollziehbar manch medizinische Begründung sein mag, der Schnuller dient dem Kind als Wohlfühlobjekt, Bindungssignal und zur Selbstberuhigung.
Der Abschied vom Schnuller ist eine Herausforderung, für die ein Kind Zeit und Ruhe braucht. Die Einrichtung als „Entwöhnungsort“ ist dafür ungeeignet. Es ist außerdem die alleinige Aufgabe der Eltern, ihre Kinder in diesem Prozess zu begleiten. Ab dem Alter von zwei Jahren können pädagogische Fachkräfte die Familie zwar auf den bald zu bewältigenden Abschied vom Schnuller hinweisen. Diesen selbst zu veranlassen halte ich hingegen für anmaßend und beziehungsbelastend. Aus psychologischer Sicht spricht nichts dagegen, dass sich der Abschiedsprozess bis zum dritten Geburtstag hinzieht. Liebevolle Eltern werden keine Schwierigkeiten damit haben, ihrem Kind den Schnuller abzugewöhnen. Wenn aber harte Worte fallen und Verbote formuliert werden, muss sich niemand wundern, wenn das Kind sich auflehnt und weiterhin verlangt, was ihm zwei Jahre lang ständig in den Mund geschoben wurde, damit die Erwachsenen ihre Ruhe haben. Bitte denken Sie als Fachkraft immer daran: Gerade Zähne kann man auch noch im Erwachsenenalter mithilfe einer Spange bekommen, Bindungssicherheit und Selbstberuhigung werden vom Kind aber jetzt benötigt.

Je früher, desto gesünder!

Kleinkinder sollten vor dem Besuch einer Kindertagesstätte vom Schnuller entwöhnt werden. Viele Eltern schrecken davor zurück, weil sie glauben, dass der Schnuller das einzige Werkzeug sei, mit dem sich ihr Kind beruhigen könne. Doch schon unter Dreijährige sind durchaus in der Lage, neue Möglichkeiten zu finden, um sich emotional selbst zu regulieren – das kann ein Plüschtier oder eine Kuscheldecke sein oder auch einfach die Nähe zu Bezugspersonen in der Kita. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Methoden, die Eltern gezielt einsetzen können, um ihr Kind zu beruhigen: Einschlafrituale, ruhige Musik, Entspannungsübungen mit Igelbällen, Kuschelzeiten u.v.m.
Es ist medizinisch erwiesen, dass der jahrelange Gebrauch von Saugern Auswirkungen auf das Gebiss von Kindern hat. Zahnfehlstellungen sind häufige Konsequenzen von langem Schnullereinsatz. Ich bin nicht generell gegen Schnuller, doch in der Kindertagesstätte sollten sie nicht mehr zum Einsatz kommen. Meine Meinung ist daher: Je früher Kinder vom Schnuller entwöhnt werden, desto besser für ihre Gesundheit. Hinzu kommt, dass pädagogische Fachkräfte aus strukturellen Gründen nicht immer verhindern können, dass Kinder ihre Schnuller in der Kindertagesstätte vertauschen. Ich finde es unhygienisch, wenn Schnuller die Besitzer wechseln, solch ein Tausch stellt eine zusätzliche Gesundheitsgefährdung dar.
Es gibt schöne Rituale und Gesten, Kinder alters- und entwicklungsgerecht zu entwöhnen. Der Schnullerbaum, die Zahnfee, das Verschenken des Saugers an Neugeborene im Freundeskreis. All diese Möglichkeiten signalisieren dem Kind: Du tust damit etwas Gutes, du bist groß und du schaffst das!

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