Der neue RaumGeheime Gedanken einer Kitaleitung

Geheime Gedanken einer Kita-Leitung: Die Zaubertür
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Vor einiger Zeit bekamen wir wunderbare Post: Der örtliche Lions- Club teilte uns mit, dass er unsere Kita mit einem nicht unerheblichen Geldbetrag unterstützen wolle. So eine Situation war uns gänzlich unbekannt, mussten wir uns doch sonst immer mit eigenen Wünschen zurückhalten. Der Betrag war so üppig, dass wir schlichtweg überfordert waren und zunächst nicht so recht wussten, was wir dafür anschaffen wollten. So beschlossen wir, eine Liste im Teamzimmer auszuhängen, in die die Kolleginnen ihre Wünsche eintragen sollten. Zwar dauerte es einige Zeit, aber irgendwann war die Liste dann voll. Die Mehrheit der Kolleg*innen votierte für einen Snoezelen-Raum – eine reizarme Umgebung, in der die Kinder entspannen und zur Ruhe kommen sollten. Wir waren total begeistert. Und das Geld, das uns zur Verfügung stand, reichte sogar für eine Luxusausstattung. DER magische Raum aus Licht, Klang, Berührung und Geborgenheit. Oh ja, eine wunderbare Zeit würde anbrechen. Wir sahen uns schon allein in den Gruppenräumen herumsitzen, während die Kinder nur noch im Zauberraum entspannen. Wir könnten uns dann in Ruhe der Portfolio-Arbeit oder anderen Aufgaben widmen. Nach einiger Zeit war es soweit: An einem Wochenende richteten wir einen wunderbaren Snoezelen-Raum ein. Gut gelaunt warteten wir am Montagmorgen auf die ersten Kinder. Die steuerten wie gewohnt den Bau- oder den Bastelbereich an. „Ihr Lieben, wir hätten da etwas für Euch“, rief ich, „einen tollen neuen Raum. Wollt ihr ihn Euch mal anschauen?“ Die Kinder gingen neugierig, aber nicht begeistert in den abgedunkelten Raum, in dem leise Musik säuselte. Die Discokugeln drehten sich, die Lavalampen blubberten vor sich hin und in der Mitte des Raums lud das Bällchenbad zum Relaxen ein.

Als es an der Tür klingelte, ließ ich die Kinder zurück und wünschte ihnen viel Spaß. Umso irritierter hörte ich kurz drauf Mark schreien. „Du hast meinen Turm kaputtgemacht.“ Die Kinder waren also wieder im Gruppenraum. Fühlten sie sich in dem neuen Raum vielleicht verloren? Ich beschloss, Reklame für ihn zu machen, mich ins Bällchenbad zu legen, um zu zeigen, welche Entspannung er bietet. Vereinzelt kamen auch ein paar Kinder vorbei. Zumindest Kerim freute sich, mich zu sehen: „Hallo Petra“, rief er und setzte sich neben mich. Doch nach kurzer Zeit wurde es ihm wohl langweilig. Er nahm einen Ball, betrachtete ihn versunken … und warf ihn mir an den Kopf. „Wir werfen hier aber keine Bälle“, ermahnte ich ihn. „Hier soll man sich entspannen.“ Kerim zuckte die Schulter und verschwand. „Nix darf man da, außer ruhig sein“, hörte ich ihn draußen noch lamentieren. Abends waren wir völlig geschafft. Den Snoezelen- Raum anzupreisen, hatte uns einiges abgefordert. Als dann alle Kinder abgeholt waren, bemerkte ich, dass es in der Kita plötzlich mucksmäuschenstill geworden war. Nanu? Die Kolleginnen schon weg? Das konnte doch gar nicht sein! Ohne sich zu verabschieden? Ich ging durch alle Gruppenräume. Niemand da! Irritiert öffnete ich den Snoezelen-Raum und traute meinen Augen nicht: Meine Kolleginnen hatten es sich bequem gemacht, zwei dümpelten mit geschlossenen Augen im Bällchenbad, eine andere waberte auf dem Wasserbett herum und auf dem Sofa starrten zwei Kolleginnen in die Lavalampe. Ein Bild für die Götter – was haben wir gelacht.

Naja, bis die Kinder den Snoezelen- Raum endlich annahmen und nutzten, dauerte es noch eine ganze Weile. Vielleicht hätten wir sie doch in die Entscheidung über die Verwendung der Geldspende einbeziehen sollen. Aber zumindest das Team hat den Raum gleich vom ersten Augenblick an genutzt und entert ihn jetzt regelmäßig nach anstrengenden Tagen zum Entspannen.

Viele Grüße

Ihre  

Petra Mönter

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