Kita der ZukunftGeheime Gedanken einer Kitaleitung

Kita der Zukunft
© S. Hermann & F. Richter - Pixabay

Sicher kennen Sie das Problem: Sie haben im Jahr drei Schulabgänger, gleichzeitig aber 11 Neuanmeldun gen. Doch woher die Plätze nehmen?

Als sich letztens alle Leitungen des Ortes trafen, um nach Lösungen zu suchen, wurde mir richtig mulmig zumute: Auch die umliegenden Kitas hatten keine Kapazitäten frei. Lediglich eine abgelegene Kita hoch oben auf dem Berg – für die meisten Familien nur schwer erreichbar – hatte noch zwei Plätze anzubieten. Bald war klar: Dieses Jahr ließ sich das Problem auch mit Gruppenumwandlungen nicht mehr lösen. Der Anbau weiterer Gruppenräume war zwar geplant, aber wegen neuer gesetzlicher Bestimmungen und leerer Kassen der Gemeinde auf unbestimmte Zeit verschoben. Deshalb musste eine schnelle Lösung her: Containermodule, aufgestellt im Außengelände der betroffenen Kitas, sollten die Raumnot fürs erste lindern. Dumm nur, dass bislang alle angefragten Firmen abgesagt hatten. Es blieb bei zwei Plätzen für zwanzig Anmeldungen im Ort. Ein Desaster!

Nichtsdestotrotz bekamen wir – die nahende Karnevalszeit mag uns inspiriert haben – zusehends bessere Laune, je länger unsere Krisensitzung dauerte. Und warum? Ich verrate es Ihnen. Wir fingen an, die Kita der Zukunft zu erfinden. Und so kamen wir drauf: Schon länger bietet die Gemeinde für Familien den Bustransport zur Kita auf dem Berg an. Spontan fragten wir uns: Warum eigentlich nur zwei Kinder den Berg hochfahren? Warum nicht alle 20 in den Bus setzen? Wir könnten eine erfahrene Fachkraft mitschicken, dann wären die Kinder während der Busfahrt schon mal betreut. Allein die Berg- und Talfahrt würde bis zu zwei Stunden Betreuung abdecken! Aber warum die Kinder überhaupt in der Kita absetzen? Wir würden sie einfach durchgängig im Bus betreuen. Schon allein die Fahrt durch die Gegend wäre Heimatkunde pur, im Wald käme dann Umweltpädagogik dran. Im Sommer barfuß zu laufen, wäre Körpererfahrung und zugleich Spaß. Kein noch so moderner Kita-Bau kann den Lernund Erfahrungsraum Wald ersetzen. Und erst die Kosten, die wir einsparen würden … Für das Mittagessen bräuchten wir keine Küche mit Personal mehr. Lagerfeuer draußen, Stockbrot, Würstchen – fertig ist das Überlebenstraining.

Nun könnten Sie einwenden, längere Fahrten im Bus (sollte es mal zu kalt oder nass sein) wären pädagogisch nicht vertretbar. Doch da liegen Sie falsch! Kennen Sie denn keine Event- Busse? Unser Bus wäre natürlich speziell ausgestattet: nur wenige Sitzmöglichkeiten und ganz viel Freifläche zum Toben und Tanzen während der Fahrt. Um Unfälle zu vermeiden, die Kleinen aber trotzdem ihren Bewegungsdrang ausleben zu lassen, müssten sie angeseilt und mit halbautomatischen Sicherungsvorrichtungen an der Decke arretiert werden. Bei plötzlichem Bremsen würde das Seil blockieren und ein Rundum-Aufprall- Schutz die Kinder vor Verletzungen bewahren. Letzterer könnte gleichzeitig als Hüpfburg genutzt oder temporär zum Bällebad umfunktioniert werden. Sind die Kinder dann ausgepowert, könnte die bordeigene Multimedia-Anlage von Yoga für Kinder, klassischer Musik bis zu lehrreichen Filmen alles streamen, was gerade gebraucht würde.

Sicher würde das eine oder andere Kind auch mal müde. Aber selbst daran haben wir gedacht: einfach Modul II anhängen: einen Komfort-Anhänger mit Betten und modernster Dimm-Automatik. Platzsparende Wickelelemente ließen sich bei Bedarf elektrisch ausfahren. Weiter in Planung: Modul III – koppelbar sowohl mit dem Bus als auch mit Modul II. Es beherbergt Atelier, Lernwerkstatt und den kitaeigenen Garten mit Hochbeeten, die mittels intelligenter Plexiglasscheiben die Sonneneinstrahlung optimal nutzen. Sie sehen: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Also: Nicht den Kopf in den Sand stecken! Es gibt so viele Möglichkeiten. Patentamt, wir kommen!

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