Schnee in Zeiten des KlimawandelsGeheime Gedanken einer Kitaleitung

In den letzten Jahren scheinen sich die Sommer- und Wintertemperaturen immer mehr aneinander anzugleichen. Jedenfalls hatten unsere Kindergartenkinder in ihrem Leben noch nie Schnee gesehen. Das fanden wir traurig, wussten uns aber zu helfen. Kurzerhand beschlossen wir, einen Ausflug in die Eifel zu unternehmen. Gerade mal eine Stunde Fahrtzeit entfernt lag der Wintersportort in der Eifel – schlechthin Schnee garantiert. Dorthin wollten wir uns mit den Kindern aufmachen, um einen unbekümmerten Vormittag im Schnee zu verleben: Schlitten fahren, Schneemänner bauen ... das volle Programm. Bei einem Busunternehmen holten wir Erkundigungen ein und buchten dann einen Reisebus für zwei Wochen später.

Die Kinder waren schon ganz aufgeregt. Hatten wir Anfang des Monats noch Schneeflocken aus Watte gebastelt, würden wir schon bald echten Schnee erleben. Unser Plan: Ausgerüstet mit Schlitten, Plastiktüten (wunderbar zum Rutschen!), heißem Tee, Kakao und Obst sollte die Anfahrt eine Stunde, das Schlittenfahren zwei Stunden und die Rückfahrt wieder eine Stunde dauern. Dann müssten wir mittags zurück in der Kita sein. Theoretisch planen lässt sich so was natürlich wunderbar. Als der große Tag gekommen war, starrte ich ungläubig nach draußen: Über Nacht hatte es geschneit – und zwar nicht zu knapp. So viel Schnee hatten wir in den letzten 10 Jahren nicht mehr gesehen. Dann beruhigte ich mich wieder, dass es bei solch einem Wintereinbruch in der Eifel bestimmt noch viel mehr Schnee geben würde – wobei ich nicht sicher war, ob das überhaupt noch möglich war. Nun war der Bus aber nicht mehr abzubestellen und wir hatten ihn auch schon bezahlt. Zum Glück hatte der Räumdienst über Nacht ganze Arbeit geleistet und die Straßen waren frei: Wir gaben das Startsignal. Die Kinder waren völlig aus dem Häuschen. Unsere Wiese vor der Kita war mit einer dicken, wattigen Schneeschicht überzogen. Ich gebe zu, der Grund des Ausflugs hatte sich kurzfristig geändert: Nicht um Schnee kennenzulernen, wollten wir jetzt in die Eifel fahren, sondern weil es dort wunderbare Rodelhügel gab. Singend fuhren wir los und die Vorfreude war zum Glück so groß, dass wir die zweistündige Fahrt – auf der Autobahn herrschte Chaos – ohne schlechte Laune hinter uns brachten. Im Eldorado des Wintersports angekommen sprach Imke dann das aus, was alle dachten: „Zu Hause liegt aber mehr Schnee …!“ Der Rodelhügel war mit Schnee gerade mal fein bestäubt, verzweifelte Wintersportler* innen hatten den Hang bereits in eine braun-weiß gefurchte Landschaft mit einem Hauch von Grün verwandelt.

Auch wir waren frustriert, ließen uns das aber nicht anmerken. Als es jedoch nach einer Stunde anfing zu regnen, packten wir ein und fuhren genervt zurück. In der Kita angekommen trauten wir unseren Augen nicht: Im Außengelände türmten sich die Schneemassen! Während es in der Eifel regnete, hatte es hier beharrlich weiter geschneit. Nach dem Mittagessen wuchsen Schneemänner wie Pilze aus dem Boden – einer schöner als der andere. Und das Beste war: Am nächsten Morgen lag der Schnee immer noch. Im angrenzenden Park rutschten wir den kleinen Hügel hinunter und genossen echten Rodelspaß. Ja, unser Ausflug in die Eifel war wohl eine der sinnlosesten Unternehmungen, die ich jemals organisiert habe. Während ich auf dem Rodelhügel so meinen Gedanken nachhing, hörte ich Tom zu Elena sagen: „Hier ist der Schnee richtig schön weiß. Da, wo wir gestern waren, war er matschebraun. Ich glaube, die Petra wollte, dass wir lernen, dass man auf weißem Schnee besser rodeln kann.“ Ich ließ das einfach mal so stehen. Ihre Petra Möntel

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