Ab heute bin ich LeiterinTagebuch einer Leitungseinsteigerin (1)

Mitarbeiter*innengespräche führen, Feste planen, Spielzeugvertreter abwimmeln – vor Susanne Finger liegt eine Zeit voller neuer Aufgaben und Herausforderungen, aber auch amüsanter Erlebnisse. Welche das sind, hält sie in ihren Tagebuchaufzeichnungen fest.

Heute lerne ich die Eltern kennen, 15.01.2018

100 Augenpaare, die neugierig auf mich gerichtet sind. Ich bin ganz schön nervös. Eine liebe Kollegin übergibt das Wort an mich und sagt, sie wären alle froh, dass sie solch eine sympathische Person gefunden hätten. Da geht es mir gleich etwas besser. Am Rednerpult ist es auch okay – Name, Alter, Wohnort, Ausbildung, vorherige Tätigkeiten – vor mir freundliche und kritische Gesichter. Ruhig bleiben und lächeln. Neben der ungünstigen Parksituation geht es um die Schließzeiten: 2 oder 3 Wochen im Sommer?

Beim Aufräumen gibt es einen seltsamen Moment: Ich räume ganz selbstverständlich die Stühle mit meinem Team auf. Werde dann aber von der lieben Kollegin daran erinnert, dass ich mich zum neuen Elternbeirat gesellen soll. Stimmt! Sie hat schon recht. Ich muss mich erst an die neue Rolle gewöhnen und bin dankbar für ihre Tipps. Im Gespräch mit dem Elternbeirat spüre ich, dass sie traurig sind, weil meine Vorgängerin geht. Sie freuen sich aber, dass ich auf sie zugehe und an bestehende Aktionen (z. B. der Kita-Zeitschrift) anknüpfen will. Nach kurzer Zeit zeigen sie sich offen und herzlich. Puh, bin ich erleichtert! Insgesamt ist der Abend ganz gut gelaufen. Mir wird aber auch immer mehr bewusst, dass die Erwartungen durchaus hoch sind und ich als Neue natürlich erst einmal automatisch ein wenig Angst und Unsicherheit erzeuge.

Hilfe, gleich zwei Veranstaltungen an einem Abend! 23.01.2018

Heute also die Vereinssitzung und die Elternbeiratssitzung, die mit einem gemeinsamen Teil beginnen: der Vorstellung. Ich kann ja nicht schon wieder dasselbe erzählen – öööööde. Also entscheide ich mich für die geänderte Fassung. Ich berichte kurz von meinen Schnuppertagen mit den Kindern, den ersten Eindrücken und biete an, dass man mich alles fragen darf. Beredet werden die Termine im Jahresablauf. Gut, dass ich mir im Voraus schon einen Kita-Planer mit Jahresübersicht zugelegt habe. Danach kommt das große Thema „Gartengestaltung“. Der erste Bauabschnitt wird besprochen, Bauplan, Steine und Kunstrasenfliesen werden gesichtet. Als der getrennte Teil des Abends beginnt, bleibe ich beim Träger. Hier gibt es nicht nur eine gute Atmosphäre, sondern auch viel Schokolade. Da fühlt man sich gleich wohl. Auch sehr neu für mich – es geht thematisch um Finanzen. Interessant, was ein Träger alles finanzieren muss und in welcher Höhe. Wir sprechen über die Heizung, das Hauswirtschaftspersonal etc. Ich bringe meine ersten Themen mit ein, z. B. den Fortbildungswunsch einer Mitarbeiterin, und frage nach dem Ablauf vom Vorkurs Deutsch. Als es um Personalgeschenke geht, wandere ich zur Elternbeiratssitzung weiter. Ich spüre deutlich, wie meine Konzentration nachlässt. Es ist 0:10 Uhr – ich fahre heim. Und nein, es hat nicht so lange gedauert, weil Privatgespräche stattfanden oder ein gemütliches Beisammensein angehängt wurde. Non-Stop-Arbeit.

Es ist so weit – Der erste Tag in der Einrichtung, 01.02.2018

Ich freue mich, bin aber auch etwas aufgeregt und daher erleichtert, dass eine Kollegin gemeinsam mit mir den Frühdienst übernimmt. Das ist auch für die Kinder einfacher, da sie mich noch kaum kennen. Viel zu früh bin ich da – eigentlich ist der Beginn um 6:45 Uhr, meine Uhr zeigt 6:25. Ist aber gut so, ich brauche ein entspanntes Ankommen. Meinen Steckbrief hänge ich im Eingangsbereich auf und bereite Muffins für die Kolleg* innen vor. Von meiner Kollegin werde ich in den Frühdienst eingeführt und lerne die Aufgaben kennen (Türöffner anschalten, Lichter aktivieren, Nebentüren aufschließen, Lüften, Spülmaschine ausräumen, Stühle herunterstellen …).

Jetzt geht es los, die ersten Eltern und Kinder kommen an. Ich stelle mich vor, wünsche einen guten Morgen und beschäftige mich mit Kindern, die sich nicht so gut ablösen können. Ein paar Spiele und Puzzles später – die erste Beziehung steht. Ich kopiere meinen ersten Elternbrief mit einer ausführlichen Vorstellung, eine Kollegin verteilt ihn auf die Fächer der Kinder. Für mich ist es ungewohnt, dass man solche Aufgaben abgeben darf. Meine offizielle Begrüßung findet im Kreis statt. Alle Kinder und das gesamte Team sowie der Träger sind anwesend. Ich darf auf einem „Thron“ Platz nehmen. Vor mir steht ein Tischchen mit Blume, Pralinen und einem Willkommensgruß. Eine Kollegin spricht herzliche Worte und es wird ein Lied für mich gesungen. Ich bin total gerührt. So herzlich wurde ich noch in keiner anderen Einrichtung begrüßt. Meine neuen Kolleg*innen umarmen mich – ich freue mich sehr! Auch der Träger spricht ein paar Worte.

Zurück im Büro versetzt mich der Berg an Ordnern im Schrank leicht in Panik. Wo ist was? Ich muss sie in nächster Zeit alle durchsehen und sortieren. Eine echte Herausforderung ist der PC bzw. vielmehr sein Betriebssystem – oh Hilfe – ganz schlecht, wenn man die letzten Jahre nicht mit Windows gearbeitet hat. Naja, learning-by-doing! Mal sehen, wie lange es dauert, bis der PC und ich Freunde sind. Ich verfasse eine Bestätigung für den Kita-Besuch zweier Geschwisterkinder. Mein Highlight heute: Stempel und Unterschrift. Ein tolles Gefühl! Anschließend begleite ich das Mittagessen. Wahnsinn, 45 Warmesser, da ist was los! Räume dann eigene Bücher und Materialien in mein Regal, ändere das Passwort am PC und checke die E-Mails. Auch die Post sortiere ich. Nach meinem ersten Tag gehe ich erschöpft nach Hause – so viele neue Eindrücke! Aber ich habe das Gefühl vermittelt bekommen, willkommen zu sein.

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