Katholizismus

Katholisch (griech. »kat’holon« = das Ganze betreffend oder umfassend), in der Antike gebräuchlich für Ganzheiten im Unterschied zu Teilen (auch als lat. Lehnwort), auf die Gesamtkirche bezogen im Unterschied zu den Ortskirchen bei Ignatius von Antiochien († nach 115). Neben der Bedeutung von weltweiter Ausbreitung (Augustinus †430) findet sich im 4. Jh. diejenige von Rechtgläubigkeit. Katholizität der Kirche wird als Kennzeichen der Kirche in das Glaubensbekenntnis aufgenommen. M. Luther († 1546) hält an Katholisch im Sinn von »allgemein« fest und spricht es der seiner Überzeugung nach nicht mehr katholischen, römischen Kirche ab. J. Calvin († 1564) sieht Katholisch als Eigentümlichkeit der unsichtbaren Kirche im Gegensatz zur institutionellen Kirche. Mit Betonung auf der Rechtgläubigkeit versteht sich heute die ostkirchliche Orthodoxie zunehmend als »katholisch- orthodox«. Die Engführung »römisch-katholisch« hat ihre Anfänge im 4. und 5. Jh. (Julius I. †352, Innozenz I. † 417): Die Ortskirche Roms sei die Mutter (die ja Jerusalem war) und das Haupt aller anderen Ortskirchen. Sie wurde verstärkt, nachdem der Bruch zwischen Rom und den Ostkirchen 1054 endgültig geworden war. So sagte Gregor VII. († 1085), die »Ecclesia Romana« habe nie geirrt und werde niemals irren. Aber das so verstandene Römische wurde vom 11. bis 20. Jh. immer stärker im Papst konzentriert, so daß eine zweite Engführung zu konstatieren ist: Römisch-katholisch im Sinn von Papstkirche. Durch die Spaltungen des 16. Jh. (England, Reformationskirchen) und das Entstehen verschiedener Konfessionskirchen wird »römisch-katholisch« die Bezeichnung einer Konfessionskirche neben vielen anderen.