Die Jugendweihe ist fast unbemerkt auch im Westen angekommenEin ostdeutsches Fest?

Wer erwartet hat, dass mit dem Ende der DDR auch die so genannte Jugendweihe zum Auslaufmodell wird, sieht sich eines Besseren belehrt: Seit 1990 sind knapp 1,5 Millionen Jugendliche aus freier Entscheidung zur Jugendweihe gegangen. Auch wenn 95 Prozent dieser Feiern im Osten Deutschlands stattfanden, ist die Jugendweihe kein ostdeutsches Phänomen mehr. Die Kirchen sollten die anhaltende Beliebtheit der so genannten Jugendweihe als Indikator für Veränderungsprozesse ernst nehmen.

Zu den interessanten und doch zu wenig beachteten Phänomenen unserer Tage gehört die bleibende Bedeutung der Jugendweihe. In der DDR war dieses Fest einst weit verbreitet und Teil der antikirchlichen Politik der Ostberliner Machthaber. Man hätte daher vermuten können, dass die Jugendweihe in Zuge der Vollendung der deutschen Einheit bedeutungslos wird. Doch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung müssen wir konstatieren, dass seit 1990 knapp 1,5 Millionen Jugendliche aus freier Entscheidung zur Jugendweihe gegangen sind.

Diese erstaunliche Zahl ist erklärungsbedürftig, zumal sie außerhalb bestimmter Milieus kaum zur Kenntnis genommen wird. Über 95 Prozent dieser Feiern fanden im Osten Deutschlands statt. Man könnte also versucht sein, sie als ostdeutsches Phänomen zu charakterisieren. Aber die Nachfrage in den westlichen Bundesländern steigt und so erreicht das ehemals ostdeutsche Fest fast unbemerkt den Westen.

Die Anfänge der Jugendweihe liegen in Mündigkeitsfeiern, die Mitte des 19. Jahrhunderts als Alternative zur Konfirmation entstanden waren. Schon bald entdeckte die Arbeiterbewegung das Fest für sich und setzte neue Akzente. Diese Spielart der Jugendweihe war vor 1933 in Mitteldeutschland recht weit verbreitet. In Leipzig ging damals beispielsweise fast jeder Dritte Schulabgänger zu dieser Jugendweihe.

Ein völlig neuer Traditionsstrang der Jugendweihe entstand, als 1955 in der DDR ein Fest mit diesem Namen als Bekenntnis zur ostdeutschen Diktatur und zur damals herrschenden Ideologie eingeführt wurde. Mit erheblichem Druck nötigte man Schülerinnen und Schüler der achten Klasse, sich freiwillig zu melden. Die Einführung der Jugendweihe in der DDR war ein aggressiver Akt gegen die Kirchen. Nicht nur die atheistische Begleitmusik und die antireligiösen Attitüden im damaligen Jugendweihebuch „Weltall – Erde – Mensch“ belegen dies, auch der für die Jugendweihe gewählte Zeitpunkt bestätigt diesen Konfrontationskurs – denn er entsprach genau dem Alter, in welchem die Jugendlichen traditionell zur Konfirmation gingen.

Mit der politischen Forderung, dass alle Jugendlichen an der Jugendweihe teilzunehmen haben, wurde sie zu einem Instrument weltanschaulicher Gleichschaltung. Zahlreiche, zumeist christlich orientierte Jugendliche, haben schwere schulische Benachteiligungen und entsprechende Hinweise in ihrer Personalakte hinnehmen müssen, weil sie sich der Jugendweihe verweigerten.

Man kann heute nicht mehr im Einzelnen klären, wie viele jener Familien, die vor dem Mauerbau in den Westen geflohen sind, diesen Schritt aus Verzweiflung über die Jugendweihe getan haben; aber es liegt auf der Hand, dass der Konflikt um die Jugendweihe ein weiterer Grund war, der Tausende zur Flucht aus der DDR trieb. Die heute feststellbare Entkirchlichung Ostdeutschlands erklärt sich damit auch aus der für viele christliche Familien unerträglichen „Weihe“ Jugendlicher auf den DDR-Sozialismus.

Die wichtigsten Anbieter von Jugendweihen

In den siebziger Jahren änderte sich der Charakter der DDR-Jugendweihe. Sie verlor zunehmend an atheistischem Profil und wurde zu einem diffusen Massenphänomen – immerhin nahmen zwischen 98 und 100 Prozent der Schüler teil. Zwar wurde sie auch weiter als Bekenntnis zur Ideologie der SED inszeniert, sie mutierte jedoch zugleich immer mehr zu einem Familienfest beziehungsweise zu einer privaten Familientradition.

Dennoch sei an dieser Stelle daran erinnert, dass es in dem Jugendweihe-Gelöbnis hieß: Man verspreche, „für die große und edle Sache des Sozialismus zu kämpfen, (...) die feste Freundschaft mit der Sowjetunion weiter zu vertiefen (...) und den Sozialismus gegen jeden imperialistischen Angriff zu verteidigen”. Immerhin haben fast alle Bundesbürger ostdeutscher Herkunft, die vor 1975 geboren wurden, dieses einst feierlich zugesagt.

Trotz des ideologischen Überbaus ist die DDR-Jugendweihe Teil der Familientradition ostdeutscher Familien geworden. Offensichtlich überlagern die positiven Gefühle und die Erinnerungen an das Familienfest solche Konnotation. Heute ist die Jugendweihe ein unbeschwerter Teil vieler Familiengeschichten im Osten Deutschlands.

Gern erzählen Menschen mit leuchtenden Augen von ihrer Jugendweihe unter Absehung der politischen Umstände. Diese Verhaftung in den Familien ist der entscheidende Grund dafür, dass die Jugendweihe den Untergang der DDR überlebt hat. Sie konnte leicht vom Bekenntnis auf den Sozialismus in die neue Zeit umschwenken.

Mit dem Ende der DDR und mit der Wiedervereinigung waren die DDR-Jugendweiheveranstalter jedoch unter Legitimationsdruck geraten. Schließlich waren sie mit dem SED-Staat und seiner repressiven Jugendpolitik verbunden. Trotz anfänglicher Einbrüche in den Jahren 1990 bis 1993 gelang es den Jugendweiheanbietern recht schnell, ihre Arbeit neu zu legitimieren, das Fest neu auszurichten. Inhaltlich bot die Jugendweihe, zumal die der damaligen „Interessenvereinigung für humanistische Jugendarbeit und Jugendweihe“, in den ersten Jahren nach 1990 vielfach Ressentiments gegen die Wiedervereinigung sowie simple Kapitalismuskritik (unübertroffen findet man diese Haltung in: Joachim Chowanski und Rolf Dreier, Die Jugendweihe. Eine Kulturgeschichte seit 1852. Mit einem Vorwort von Sigmund Jähn und einem Ratgeberteil für Eltern und Teilnehmer. Berlin, edition ost ohne Jahresangabe, etwa 1999).

Derzeit gibt es in Deutschland – neben regionalen und hier zu vernachlässigenden Veranstaltern – zwei nennenswerte Jugendweiheanbieter: den „Humanistischen Verband Deutschlands“ (HVD) und die „Jugendweihe Deutschland“. Der HVD entstammt einer freidenkerischen Traditionslinie. Er benutzt für seine Jugendweihen den Begriff „Jugendfeier“, um so den schwierigen Begriff einer „Weihe“ zu vermeiden. Etwa 10 Prozent aller Jugendweihen in Deutschland werden vom HVD ausgerichtet, der wegen dieser vergleichsweise geringen Quote an dieser Stelle nicht weiter interessieren soll.

Die alten Bundesländer im Blick

Der größte und wichtigste Anbieter von Jugendweihen ist der Verein „Jugendweihe Deutschland“. Viele Jahre nannte man sich „Interessenvereinigung für humanistische Jugendarbeit und Jugendweihe“. Die „Interessenvereinigung“ war 1990 als Nachfolgerin des ehemaligen DDR-Jugendweiheveranstalters gegründet worden. Diese Herkunft erklärt, wieso man in den östlichen Bundesländern über eine hervorragende Infrastruktur verfügt und viele Jahre ausschließlich hier tätig war. Die Namenskorrektur von 2001 in „Jugendweihe Deutschland“ deutete damals bereits an, dass man die Arbeit auf die alten Bundesländer ausweiten möchte.

Der Verein „Jugendweihe Deutschland“ ist als „Träger der Freien Jugendhilfe“ anerkannt und organisiert neben Jugendweihen auch andere Jugendarbeit. Gemäß seiner Selbstdarstellung ist er weltanschaulich und parteipolitisch unabhängig. Sieht man sich jedoch die (wenigen) Publikationen und die Lebenswirklichkeit an, erkennt man seine große Nähe zu humanistischen und atheistischen Organisationen. So beteiligt sich die „Jugendweihe Deutschland“ an Strategiegesprächen, bei welchen die freidenkerischen beziehungsweise humanistischen Organisationen ihre nächsten Schritte absprechen.

Die Informationsmaterialien der „Jugendweihe Deutschland“ bestätigen darüber hinaus den Eindruck, dass der Verband den atheistischen beziehungsweise humanistischen Organisationen nahesteht (vgl. Für die Jugend. Mit der Jugend. 20 Jahre Jugendweihe Deutschland e.V., Sonderausgabe „Freier Blick“, Hamburg 2010, besonders 160).

In einer Mitgliederzeitschrift beschrieb man im Jahre 2012 die eigene Position als „freigeistige Basis (und) Auskommen ohne Religion“ auf der Basis einer „humanistisch-weltanschaulichen Wertevermittlung“ (Jugendweihe Deutschland [Hg.], Aktuell aktuell, Nr. 2/2012).

Mit ihren Jugendweihen erreicht die „Jugendweihe Deutschland“ erstaunlich viele Jugendliche und damit viele Familien. Allein im Zeitraum 1990 bis 2014 haben knapp 1,5 Millionen Jugendliche an ihren Jugendweihefeiern teilgenommen (vgl. Jugendweihe Deutschland [Hg.], Aktuell aktuell, Nr. 1/2013 und eigene Berechnungen).

Auch 2015 erwarten die Veranstalter wieder mehrere Zehntausend Jugendliche. Die Angebote der freien Jugendarbeit werden ebenfalls rege genutzt. Die Veranstalter sprechen von etwa 3,5 Millionen Teilnehmern seit 1990 – es dürfte jedoch viele Doppelzählungen geben. Gemeint sind hiermit in erster Linie die Vorbereitungsstunden auf die Jugendweihe. Deren Spektrum reicht von politischer Bildung über Schmink-Kurse bis zu Anti-Mobbing-Trainings und Einführungen in die sozialen Netzwerke.

Übrigens wird die Teilnahme an den Vorbereitungsstunden nicht verlangt; man kann durchaus die Jugendweihe besuchen, ohne an einem Vorbereitungsprogramm teilgenommen zu haben. Hierin unterscheidet sich die „Jugendweihe Deutschland“ von weltanschaulich ambitionierteren Anbietern wie dem HVD oder den Freidenkern. Diese erwarten die Teilnahme an Vorbereitungsstunden, da man solchen Unterricht als weltanschauliche Schulung versteht.

Vereinzelt bietet die „Jugendweihe Deutschland“ – quasi als säkularen Ersatz für die Taufe – auch so genannte „Namensweihen“ beziehungsweise „Feiern zur Namensgebung“ an. In den Jahren 2000 bis 2013 haben insgesamt 2300 Kinder an einem solchen Ritual teilgenommen. Die Namensweihen sind damit ein eher marginales Phänomen. Sie zeigen jedoch erneut, dass kirchliche Rituale von säkularen Anbietern übernommen und anders gefüllt werden können.

Viele Jugendweihereden sind von billigem Zukunftsoptimismus geprägt

Was geschieht bei einer Jugendweihe? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Vieles hängt von den örtlichen Gegebenheiten und dem jeweiligen Veranstalter ab. So gibt es, besonders in Berlin, Feiern, die einer gut gemachten Show mit Nebelschwaden, Lichteffekten und akrobatischen Einlagen entsprechen. An solchen Großveranstaltungen nehmen bis zu 250 Jugendweihlinge teil. Nachteilig ist, dass hier ein individuelles Eingehen auf Einzelne nicht mehr möglich ist. Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man – gerade in ländlichen Regionen – eine Jugendweihe besucht. Diese sind mitunter bieder und von magerer Attraktivität.

Auch für den Ablauf der Jugendweihe sind keine festen Formen vorgegeben; es gibt jedoch Traditionen und Gepflogenheiten. Musik spielt eine wichtige Rolle, wenn möglich jugendgemäße Sketche, symbolische Handlungen zur Verabschiedung der Kindheit und natürlich gibt es eine Jugendweiherede. In den letzten Jahren beteiligen sich auch immer häufiger Politiker an Jugendweihereden – häufig von den „Linken“ und der SPD, aber auch immer häufiger aus den Reihen der CDU.

Naturgemäß gibt es bei solchen Reden große Unterschiede. Wer im Internet danach sucht, findet gelungene, aber auch erstaunliche Beispiele. Mitunter reibt man sich die Augen und fragt, wie das eigentlich alles zusammen geht.

So hielt beispielsweise Diana Skibbe, Mitglied der Fraktion „Die Linke“ im Thüringer Landtag und vor 1989 Lehrerin und Mitglied der SED, im Jahre 2008 eine Jugendweiherede, die man damals auf ihrer Internetseite nachlesen konnte. Hier hieß es: „Geht selbstbewusst und mit erhobenem Haupt durch das Leben. Lasst Euch den Wind ins Gesicht blasen und von der Sonne wärmen. Traut Euch zu lachen, wenn Euch zum Lachen ist, und zu weinen, wenn Trauer Euer Herz berührt. Vergesst nicht, dass ein starkes Rückgrat den aufrechten Gang ermöglicht. Mischt Euch ein, wenn Ihr merkt, dass Unrecht geschieht.“ Das ist sicher alles nicht falsch. Man fragt sich nur: Worauf weiht eigentlich eine Abgeordnete aus dem Thüringer Landtag? Auf ihre Partei? Auf Thüringen? Auf pfiffige Anpassungsfähigkeit? Auf den Buchverlag, der das Jugendweihebuch sponsert? (Auf ihre eigene, von erstaunlichen Wendungen geprägte Biographie?)

Die Nachfrage im Westen steigt bescheiden aber stetig

Viele Jugendweihereden sind von billigem Zukunftsoptimismus. Sie blenden aus, dass Menschen scheitern können, dass jugendlicher Optimismus nicht alles ist und das Leben mitunter tragische Wendungen nimmt. Sie sind häufig inhaltsarm und daher trivial und kitschig. Auf dem Internetportal „Youtube“ findet man gelegentlich erhellende Beispiele und kann sich so ein eigenes Bild machen.

Es gibt keine überzeugende Antwort auf die spannende Frage, worin eigentlich der Kern der Jugendweihe besteht. Bei einer Konfirmation wäre es der Segen beziehungsweise die Zulassung zum Abendmahl und die Bestätigung der Taufe. Aus katholischer Perspektive sind Firmung und Eucharistie Sakramente und damit dem Handeln Gottes zugeordnet. Das Herz der Jugendweihe verbirgt sich irgendwo zwischen der Rede und der Übergabe eines Buchs verbunden mit einer Blume und Glückwünschen zur Jugendweihe. Hier liegt zumindest der emotionale Höhepunkt.

Gelegentlich wird dieser Moment symbolisch dargestellt. Beispielsweise im Überspringen eines Baumstamms oder dem Wegwerfen eines Gegenstands, der die Kindheit symbolisiert. Ob das eine Weihe ist, scheint fraglich. Auch wenn es zynisch klingt: Da hatte die DDR-Jugendweihe mit der Abnahme des Gelöbnisses auf den DDR-Sozialismus durch einen Parteifunktionär zumindest eine gewisse, innere Stringenz.

Um das Jahr 2000 verzeichneten die Jugendweiheanbieter die höchsten Teilnehmerzahlen. Die „Interessenvereinigung“ zählte damals rund 96 000 Teilnehmer, der HVD etwa 12 000 und kleinere Anbieter etwa 1000. In den nächsten Jahren sanken die Zahlen deutlich. Dieser Rückgang wird meist mit rückläufigen Geburtenzahlen erklärt. Das überzeugt jedoch nicht wirklich. Denn der Verlust überstieg diese Quote. Vieles spricht also dafür, dass die Jugendweihe an Attraktivität verliert. So wundert es nicht, dass die Anbieter mit der Veröffentlichung von Zahlen zurückhaltend sind. Für 2013 nannte der Verein „Jugendweihe Deutschland“ eine bundesweite Teilnahme von 34 000 Jugendlichen, der HVD sah sich trotz schriftlicher Anfrage nicht in der Lage, bundesweite Zahlen zu nennen.

Zugleich jedoch expandieren die Anbieter von Jugendweihen in die westlichen Bundesländer. Sie wissen, dass sie auf Dauer als ostdeutsches Kulturphänomen nicht überleben können. Da jedoch die Nachfrage im Westen (bescheiden aber stetig) steigt, müssen sie jetzt die Gunst der Stunde ergreifen. Verlässliche Zahlen sind schwer in Erfahrung zu bringen, aber in Hamburg, Bonn, Düsseldorf, Mainz, Nordrhein-Westfahlen und selbst in Bayern (Franken) finden inzwischen Jugendweihefeiern statt.

Die weiterhin hohe Akzeptanz der Jugendweihe illustriert, dass viele kirchenferne Menschen neue Rituale zur Lebensbegleitung suchen und diese auch finden. Selbst wenn die Jugendweihe ein karges Ritual ist, so hilft sie dennoch vielen Familien, den (abstrakten) Schritt vom Kind zum jungen Erwachsenen mit einer „letzten Fete vor dem Erwachsenwerden“ (so die Werbung) zu gestalten. Wie alle Rituale hat auch die Jugendweihe stabilisierende Funktionen. In der Auseinandersetzung mit der Jugendweihe ist es daher zu einfach, wenn nur auf deren problematische Geschichte verwiesen wird. Es reicht auch nicht, eine gewisse Dürftigkeit anzumerken – diese stört viele Menschen nicht.

Auch die heutige Jugendweihe hat ihren eigenen Charme. Und der liegt, so paradox es klingt, in schöner Unverbindlichkeit. Während die Konfirmation als Taufbestätigung und Aufnahme in die Kirche verstanden wird, während Firmung und Erstkommunion wichtige Schritte im Leben eines jungen Katholiken darstellen, hat die Jugendweihe keine weiteren Konsequenzen. Damit entspricht die heutige Jugendweihe dem Zeitgeist recht gut. Die bleibende Attraktivität dieses Rituals zeigt, wie sehr die Kirchen in Konkurrenz geraten sind und wie die religiöse Indifferenz ostdeutscher Provenienz langsam aber sicher Westdeutschland erobert.

Die Kirchen sollten die anhaltende Beliebtheit der Jugendweihe als einen weiteren Indikator für Veränderungsprozesse ernst nehmen. Zwar dürfte die Jugendweihe in den alten Bundesländern kaum den Stellenwert erlangen, den sie im Osten hat – es ist aber unübersehbar, wie sich neue, kirchenferne Milieus etablieren. Jugendliche gehen zur Jugendweihe „weil das bei uns so üblich ist“ – quasi so, wie man in traditionell volkskirchlichen Milieus an Konfirmation, Firmung oder Erstkommunion teilgenommen hat.

Die beiden großen Kirchen damit stehen vor der Aufgabe, ihre Jugendarbeit weiter zu verbessern und Jugendlichen angemessene Mitgestaltungsmöglichkeiten in den Gemeinden einzuräumen. Vor allem jedoch sollten sie sich mental darauf einstellen, dass sie mit anderen Anbietern konkurrieren. Gegen Jugendweihe, Namensweihe und andere kirchenferne Rituale helfen gut vorbereitete, seelenvolle, berührende und im besten Sinne des Wortes geistvolle Angebote der Kirchen, die den Ernst des Lebens sehen und von Gottes Größe zeugen.

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