Zu den bischöflichen Anfragen an die Theologie von Elizabeth A. JohnsonSuche nach dem lebendigen Gott

Als „Suche nach dem lebendigen Gott“ lässt sich das Lebenswerk von Elizabeth A. Johnson beschreiben – und so müsste auch der Titel einer deutschen Übersetzung ihrer bisher letzten Monographie lauten, die von den US-amerikanischen Bischöfen verurteilt wurde. Zu einem Gespräch mit der feministischen Theologin über die Vorwürfe ist es bis heute nicht gekommen.

Handelt es sich um Zufall oder um zwei doch miteinander in Verbindung stehende Vorgänge? In die Aufregung um die Apostolische Visitation US-amerikanischer Frauenorden und die Untersuchung der Leadership Conference of Women Religious (LCWR) durch die römische Kongregation für die Glaubenslehre (vgl. HK, Juni 2012, 279 ff.; November 2010, 575 ff.; vgl. auch: Isabelle Nagel, Support the Sisters! Amerikanische Nonnen im Konflikt mit dem Vatikan, in: Schlangenbrut Nr. 118, 31 f.), platzte am 30. März 2011 die Veröffentlichung eines Dokuments, in dem die jüngste Monografie einer US-amerikanischen Ordensfrau und Theologin verurteilt wird: Das von Elizabeth A. Johnson im Jahr 2007 veröffentlichte Buch „Quest for the Living God. Mapping Frontiers in the Theology of God“ wurde vom „Komitee für Lehrfragen“ der US-amerikanischen Bischofskonferenz als nicht mit der katholischen Lehre übereinstimmend bezeichnet.

Fünfzehn Ehrendoktorate in den USA und zahlreiche weitere Auszeichnungen sprechen eine deutliche Sprache: Sie zeigen, wie hoch verehrt und viel gelesen die heute siebzigjährige Elizabeth Johnson ist. Am Nikolaustag 1941 in Brooklyn/New York geboren, wächst sie als ältestes von sieben Kindern in einer irisch-katholischen Familie auf. 1959 entscheidet sie sich, Ordensfrau bei den Sisters of Saint Joseph zu werden und beginnt ein Studium der katholischen Theologie in New York. Sie berichtet selbst, dass 1965 ihre Unsicherheit, ob sie wirklich die Ewigen Gelübde ablegen solle, durch die Lektüre eines Vorabdrucks von Gaudium et spes ausgeräumt wurde: „An diesem heißen Sommertag überschnitt sich mein junger, suchender Geist mit diesem Konzilsdokument und fand seine lebenslange Ausrichtung“ (Worth A Life, in: Vatican II. Forty Personal Stories, William Madges und Michael Daley [Hg.], Mystic [CT] 2003).

Nach dem Studium arbeitet Johnson zunächst als Lehrerin und promoviert 1981 als erste Frau in der Theologie an der Catholic University of America (CUA). Seit 1991 ist sie Professorin an der Jesuiten-Universität Fordham in New York City und lehrt dort bis heute. Nach einem bis heute beliebten Überblickswerk über verschiedene Christologien (Consider Jesus. Waves of Renewal in Christology 1990) erregte sie vor allem Aufsehen mit ihrer 1992 veröffentlichten Gotteslehre „She Who Is. The Mystery of God in Feminist Theological Discourse“, die 1994 als bisher einziges Buch Johnsons unter dem Titel „Ich bin die ich bin. Wenn Frauen Gott sagen“ auf Deutsch erschienen ist.

Leider wird in dem deutschen Titel Johnsons Anliegen weniger deutlich. Denn zum einen bezeichnet Johnson mit „She Who Is/Sie die ist“ den ausführlich begründeten Anspruch, von Gott in Übereinstimmung mit der jüdisch-christlichen Tradition in weiblichen Bildern sprechen zu können und schlägt genau diese Formulierung als eine mögliche Interpretation der Offenbarung des Gottesnamens aus dem Dornbusch vor (Ex 3,14). Zum anderen – und darauf verweist der englischsprachige Untertitel – geht es um das Geheimnis Gottes in feministischer Theologie. Johnson betont den professionellen und wissenschaftlichen Charakter eines Diskurses, in dem keine Bezeichnung den Anspruch erheben kann, Gott umfassend und angemessen zu beschreiben. Dies relativiert alle Gottesvorstellungen und eröffnet zugleich die Möglichkeit einer größeren Vielfalt, als Gott immer ausschließlich „Vater“ und „Herr“ zu nennen. Vielmehr arbeitet Johnson mit der Figur der Weisheit, um nicht nur für „den“ Heiligen Geist, sondern auch mit „Gott als Mutter-Sophia“ ungewöhnliche Bilder anzubieten und zu durchdenken.

2005 erklärt Johnson rückblickend, dass sie zu Beginn des Schreibprozesses von starken Zweifeln geplagt war, ob ihr Anliegen einer feministischen Reformulierung christlicher Gotteslehre gelingen würde: „ich hatte diese Frage, als ich mit ,She Who Is‘ begann – muss ich die Kirche meiner Integrität zuliebe verlassen?“ (zitiert nach: Aurica Nutt, Gott, Geschlecht und Leiden. Die feministische Theologie Elizabeth A. Johnsons im Vergleich mit den Theologien David Tracys und Mary Dalys, Münster 2010, 217).

Auch die beiden folgenden Monographien zeigen Johnsons Bemühen um eine Revision und Erneuerung der katholischen Tradition durch Nutzung ihrer frauenfreundlichen Ressourcen: In „Friends of God and Prophets. A Feminist Theological Reading of the Communion of Saints“ (1998) erweitert sie den Begriff der Gemeinschaft der Heiligen und in „Truly Our Sister. A Theology of Mary in the Communion of Saints“ (2003) befasst sie sich mit Maria. Johnson zufolge konnte sich die Verehrung Marias nur im bekannten Maße verselbstständigen, weil im christlichen Gottesbild kein Platz für weibliche und barmherzige Züge war. Stattdessen sei eine größere Vielfalt der Gottesvorstellungen erforderlich sowie eine Wahrnehmung der historischen beziehungsweise von den Evangelien charakterisierten Jüdin Maria als Teil der Gemeinschaft der Heiligen.

In kirchenpolitischer Hinsicht positioniert sich Johnson 2002 unter anderem in einem Sammelband, der eine Veranstaltung im Rahmen der US-amerikanischen Common-Ground-Initiative dokumentiert: „The Church Women Want. Catholic Women in Dialogue“. Weder hier noch in ihren Büchern oder zahlreichen andern Texten macht Johnson einen Hehl daraus, dass ihre Theologie praktische Konsequenzen für die Kirche beinhaltet, vor allem in Bezug auf mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Gottesrede und der kirchlichen Praxis.

Gott mit einer Vielfalt von Namen nennen

Als „Suche nach dem lebendigen Gott” lässt sich Johnsons Lebenswerk zutreffend beschreiben – und so müsste auch der Titel einer wünschenswerten deutschen Übersetzung der bisher letzten Monographie Johnsons lauten: „Quest for the Living God. Mapping Frontiers in the Theology of God“. Das Werk bietet einen Überblick über zahlreiche kontextuelle Theologien und deren Gottesbilder, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelt wurden, und stellt zugleich eine gute Einführung in Johnsons Denken dar. Dieses Buch wolle ein breites Publikum ansprechen, erklärt Johnson in der Einleitung, „sein Ziel ist es, die Gedanken derjenigen zu erhellen, die Verstehen in spirituellen Angelegenheiten suchen; diejenigen, die zweifeln, zu ermutigen, an ihre Fragen zu glauben; denjenigen tatkräftige Unterstützung zu bieten, die zum Wohl anderer arbeiten; und diejenigen, die in der Kirche lehren oder predigen, mit Gedankenfutter zu versorgen, das sie verwenden können, um andere zu nähren. Es gibt heute einen solchen Hunger nach einem reifen Glauben in vielen Menschen“ (2).

Im ersten von zehn Kapiteln benennt Johnson drei Grundregeln für die „Suche nach dem lebendigen Gott“: Erstens ist und bleibt Gott ein unfassbares Geheimnis. Zum zweiten kann keine Bezeichnung für Gott wörtlich genommen werden, sondern ist als analog, metaphorisch oder symbolisch zu verstehen. Darum ist es drittens erforderlich, Gott mit einer Vielfalt von Namen zu benennen.

Jedes der folgenden acht Kapitel widmet sich einem anderen Thema, immer fokussiert auf die Gottesrede und beginnend mit einem konkreten Kontext, etwa einer säkularen Welt, in welcher der christliche Glaube nicht mehr selbstverständlich ist, dem „unaussprechlichen Leiden“ und „erbärmlicher Armut“, den Erfahrungen von Frauen, von Rassismus und der Diskriminierung von Latinos und Latinas in den USA, eine Welt geprägt von religiösem Pluralismus und der Herausforderung der Naturwissenschaften für den Glauben. Im Anschluss stellt Johnson jeweils theologische Ansätze vor, die selbstkritisch auf die genannten Herausforderungen reagieren und zugleich neue Wege theologischer Reflexion aufzeigen: „Transzendental- und politische, Befreiungs- und feministische, schwarze, lateinamerikanische, interreligiöse und ökologische Theologien“ (3).

Bemühen um eine lebendige Gottesrede

Ihr Hauptinteresse besteht darin, die jeweiligen Ansätze auf ihren Beitrag zur „Suche nach dem lebendigen Gott“ zu untersuchen. Durchgehend schöpft sie dabei aus biblischen Quellen und beruft sich auf christliche Tradition und kirchliche Lehren. Außerdem wird deutlich, wie stark Johnsons eigene Theologie die Impulse vieler Kolleginnen und Kollegen verarbeitet, sie aber auch kreativ und im Bemühen um eine lebendige Gottesrede aufnimmt.

Im letzten der zehn Kapitel weist Johnson sowohl auf die Problematik wie auf das Potenzial der christlichen Trinitätslehre und ihre Praxisrelevanz hin; im Epilog fasst sie die Vielfalt der präsentierten theologischen Suchbewegungen zusammen: „Anstatt einfach einen Aspekt des Göttlichen zu diskutieren, beabsichtigt und erweitert jeder einzelne Zugang die Bedeutung des Ganzen, wie verschiedene Tore, die sich in den einen Garten öffnen. Gemeinsam bieten diese Tore uns flüchtige Blicke auf den lebendigen Gott, gleichzeitig unbeschreiblich, verletzlich, befreiend, relational, gerechtigkeitsliebend, schön, großzügig, wertschätzend, dynamisch und abenteuerlich, gleichzeitig kreativ, erlösend und umarmend, in einem Wort, Liebe“ (226).

Ohne Johnsons Wissen wurde das auch in Schulen, Universitäten und Gemeinden für die gemeinsame Lektüre sehr beliebte Buch vom Komitee für Lehrfragen der US-amerikanischen Bischofskonferenz untersucht. Am 30. März 2011 erfolgte die überraschende Veröffentlichung eines auf den 24. März datierten Statements zu „Quest for the Living God“, das behauptet: Dieses Buch „enthält falsche Darstellungen, Unklarheiten und Irrtümer“ (vgl. Richard R. Gaillardetz [Hg.], When the Magisterium Intervenes. The Magisterium and Theologians in Today’s Church. Includes a Case Study on the Doctrinal Investigation of Elizabeth Johnson, Collegeville [MN] 2012, 183; der Band dokumentiert ein dreijähriges Forschungsprojekt der Catholic Theological Society of the USA [CTSA] über lehramtliche Eingriffe und wurde in einem dritten, aktuellen Teil um alle Dokumente zu den Vorgängen um „Quest for the Living God“ ergänzt).

Nur einen Tag zuvor, am 29. März, erfuhr Johnson erstmalig von der Untersuchung ihres Buches. Erst durch die Intervention des Erzbischofs von New York, Timothy Dolan, wurde die Veröffentlichung des Papiers verzögert und Johnson über das „Statement“ in Kenntnis gesetzt, das ihrem Buch abspricht, „in essentiellen Punkten mit authentischer katholischer Lehre überein[zu]stimmen“ (199).

Am 30. März reagiert Johnson mit einem kurzen Text auf der Webseite des „National Catholic Reporter“, in dem sie kritisiert, dass es nicht zu einer Diskussion ihres Buches gekommen sei, was zu grundlegenden Fehlinterpretationen geführt habe. Sie signalisierte jedoch ihre Bereitschaft zu einem Gespräch – das bis heute nicht stattgefunden hat. Und am 8. April verurteilt zunächst der Vorstand der Catholic Theological Society of America, am 10. Juni die gesamte CTSA bei ihrem Jahrestreffen das Statement der US-amerikanischen Bischofskonferenz. Dies erfolgt jeweils mit dem Hinweis darauf, dass die Bischofskonferenz sich zum einen mit ihrem Vorgehen nicht an die selbst veröffentlichte Vereinbarung „Doctrinal Responsibilities“ (1989) gehalten habe, was auch verheerende Folgen für die Arbeit aller katholischer TheologInnen habe.

Am 19. April wird bekannt, dass Johnson von ihrer Universität, der Fordham University, rückhaltlos unterstützt wird. Anfang Juni veröffentlicht Johnson ihrerseits ein Statement mit dem Titel „To Speak Rightly of the Living God. Observations by Dr. Elizabeth Johnson […]“. Darin betont sie, dass „Quest for the Living God“ ein theologisches Werk sei und auch als solches gelesen werden müsse. Es sei Aufgabe der Theologie, Glaubensaussagen nicht nur zu wiederholen, sondern sie auch zu interpretieren, um ihr Verständnis zu vertiefen. „Quest wird den LeserInnen als Einladung angeboten, (…) über ihre eigene Vorstellung vom lebendigen Gott nachzudenken“ (Gaillardetz, 214). Johnson verwahrt sich strikt gegen die Behauptung, ihr Buch würde „entweder explizit oder implizit irgendeine zentrale Lehrmeinung der Kirche, die sich aus der Schrift oder dem Glaubensbekenntnis ableitet, leugnen“ (215). In zehn Punkten wehrt sie sich gegen die Vorwürfe der Bischofskonferenz und endet jeweils mit konkreten Vorschlägen, welche Fragen in einem persönlichen Gespräch diskutiert werden sollten.

Bis zum 14. Juli verfasst Johnson außerdem einen Anhang zu ihrem Statement, da ihr mittlerweile Briefe des geschäftsführenden Direktors des Komitees für Lehrfragen, Thomas Weinandy, bekannt sind, die ihr von den EmpfängerInnen zugespielt wurden und weitere, über das „Statement“ hinausgehende Vorwürfe gegen sie enthalten. Der Bitte, den Anhang ebenfalls zu berücksichtigen, wird nicht entsprochen. Am 28. Oktober 2011 veröffentlicht das Komitee eine auf den 11. Oktober datierte Antwort auf Johnsons Beobachtungen, die zwar an einigen Stellen einlenkt, aber insgesamt an der Verurteilung des Buchs als „inadäquate Präsentation des katholischen Verständnisses von Gott“ festhält (272).

Noch am gleichen Tag folgt ein letztes Statement Johnsons, in dem sie den gesamten Vorgang in Bezug auf Prozedur, Inhalt und Ergebnisse sehr bedauert – und betont: „Ich bin verantwortlich dafür, was ich gesagt und geschrieben habe, und ich bin Berichtigung gegenüber offen, wenn davon etwas dem Glauben widerspricht. Aber ich bin nicht bereit, die Verantwortung für etwas zu übernehmen, das ,Quest‘ nicht sagt und das ich nicht denke“ (274). Dieser und der folgende Satz sind fettgedruckt: „Ich möchte deutlich machen, dass nichts in diesem Buch vom Glauben der Kirche über Gott, offenbart in Jesus Christus durch den Geist, abweicht.”

Anfang September 2012 veröffentlichten die US-amerikanischen Bischöfe jetzt neue Richtlinien für die Untersuchung von Theologinnen und Theologen, die nun ohne ein Gespräch mit der betroffenen Person erfolgen können. Diese Richtlinien wollen angeblich das Dokument „Doctrinal Responsibilities“ von 1989 nicht ersetzen, dessen Verletzung in Johnsons Fall wiederholt kritisiert worden war. Jenes beziehe sich nur auf lokale Konflikte und sei damit für das Komitee der Bischofskonferenz irrelevant (vgl. ncronline.org/news/us-bishops-formally-publish-new-theological-procedures). Bis heute hat Johnson keine Gelegenheit erhalten, ihr Buch in einem persönlichen Gespräch mit dem Komitee zu verteidigen und die von ihr angestoßenen Fragen zu diskutieren.

Welche Aufgabe für die Theologie?

Die Vorwürfe der Bischöfe betreffen solch komplexe Themen wie den „Panentheismus“, das richtige Verständnis der katholischen Analogielehre, das Leiden Gottes, die Präsenz Gottes in anderen Religionen als dem Christentum und die christliche Trinitätslehre. Die jeweilige Argumentation wird vor allem anhand von zwei weiteren Punkten besonders deutlich: die Aufgabe der Theologie und die Frage nach weiblichen Gottesbildern.

Das „Grundproblem“ an Johnsons Buch sei, so das „Statement“, dass es „nicht den Glauben der Kirche als seinen Ausgangspunkt nimmt“, obwohl es doch „ein Werk katholischer Theologie“ sei (Gaillardetz, 199). Stattdessen würde Johnson mit Hilfe von „Standards außerhalb des Glaubens“ die von Bibel und Lehramt festgeschriebene christliche Gotteslehre radikal verändern. Johnson wehrt sich gegen diesen Vorwurf, indem sie zum einen nachweist, dass Bibel, Tradition und die Lehre der Kirche durchgehend die Quellen ihrer Theologie sind. Zum anderen betont Johnson den spezifischen Charakter eines theologischen Buchs, das im Sinne des fides quaerens intellectum immer bemüht sein müsse, den christlichen Glauben in der jeweiligen Zeit verständlich zu machen – und zugleich die sozio-politischen Konsequenzen des Geschriebenen im Blick behalten müsse. „Theologie hat ihre Unschuld verloren“, so Johnson, und darum sei es nicht nur legitim, sondern sogar notwendig, dass sie eine kritische Funktion wahrnehme und sich immer um Revisionen und Reformulierungen des Glaubens bemühe (Gaillardetz, 224).

Dies lässt sich gut am zweiten ausgewählten Punkt illustrieren: Die weiblichen Gottesbilder wurden von feministischen Theologien wiederentdeckt, weil Frauen sich mit ihren spezifischen Erfahrungen durch ausschließlich männliche Gottesvorstellungen ausgeschlossen fühlen. Sie sollen deshalb durch das Bild von Gott als Mutter, als „Heilige Weisheit“ oder als ruach ergänzt werden. Das „Statement“ unterstellt Johnson, sie würde auch hier nicht von der „göttlichen Offenbarung“ ausgehen: „Die in der Bibel zu findenden Namen Gottes sind nicht bloß menschliche Kreationen, die durch andere ersetzt werden können, die wir gemäß unseres eigenen menschlichen Urteils passender finden“ (Gaillardetz, 193).

Dagegen hält Johnson mit Recht fest, dass sie niemals männliche Gottesbilder ersetzen, sondern diese lediglich um weibliche ergänzen wollte. (Diesen Vorwurf hat das Komitee inzwischen auch korrigiert, vgl. Gaillardetz, 234 und 263.) Des Weiteren beruft sie sich auf den Katechismus der Katholischen Kirche und die beiden Päpste Johannes Paul I. und Johannes Paul II., um die Legitimität weiblicher Gottesrede zu belegen. Da sie keine anderen als biblische Bilder für Gott verwendet, bleibe ihr letztlich rätselhaft, warum ihr unterstellt werde, hier von der kirchlichen Lehre abzuweichen. „Das ,Statement‘ scheint von einem anderen Buch zu handeln“ (Gaillardetz, 234).

Als Ursache für die Anschuldigungen vermutet sie die Irritation darüber, dass die Beteiligung von Frauen am theologischen Diskurs und das Einbringen ihrer spezifischen Anliegen ein relativ junges Phänomen in der Kirche ist. Auf ihre Frage, ob es etwa nicht erlaubt sei, neben männlichen, tierischen und kosmischen Bildern auch die weiblichen für den unergründlichen Gott zu verwenden, hat Johnson bis heute keine angemessene Antwort erhalten, ebenso wenig auf alle anderen Fragen, die sie für das weitere Gespräch mit dem Komitee vorgeschlagen hatte.

Dies ist bedauerlich, weil sich aus dem Konflikt wichtige Debatten um eine für heutige Kontexte angemessene Gottesrede hätten entwickeln können, an der den Vertretern des Lehramts doch ebenso gelegen ist wie Elizabeth Johnson und den zahlreichen Theologinnen und Theologen, deren Werke sie in „Quest for the Living God“ einbezieht. Paradoxerweise hat die Verurteilung durch die Bischofskonferenz diesem Buch und den in ihm diskutierten Fragen Aufmerksamkeit (und Auflagenhöhe) eingebracht, die es sonst nicht erreicht hätte. Dennoch bleibt das Fragezeichen, inwiefern Theologinnen und Theologen ihren Beruf im Interesse einer lebendigen Gottesrede ausüben können, ohne immer wieder Verurteilungen durch das Lehramt fürchten zu müssen – selbst wenn sie so fest auf dem Boden von Bibel und Tradition stehen wie Elizabeth A. Johnson.

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