Männeralarm

Der Wochenrückblick.

In den vergangenen Tagen sorgte eine Umfrage für Schlagzeilen: Demnach finden es 33 Prozent der 18- bis 35-jährigen Männer in Deutschland „akzeptabel“, wenn ihnen im Streit mit der Partnerin „gelegentlich die Hand ausrutscht“. Die vom Kinderhilfswerk Plan International in Auftrag gegebene Studie ist alarmierend und zeigt, wie breit verwurzelt toxische Männlichkeitsbilder in der Gesellschaft sind.

So fühlt sich knapp die Hälfte der Befragten gestört, wenn Männer ihr Schwulsein in der Öffentlichkeit zeigen. 42 Prozent stimmen der Aussage zu, manchmal so viel Alkohol zu trinken, „dass ich nicht mehr weiß, was ich angestellt habe“. Erst nach und nach wurden in den Medien auch methodische Schwächen der Umfrage hervorgehoben: Die Zahlen differenzieren bei der Zustimmung nicht zwischen „eher“ und „voll und ganz“; auch ist unklar, aus welcher Bezugsgruppe die 1000 Befragten ausgewählt wurden; das durchführende Institut ist auf Business-Umfragen, nicht auf repräsentative Forschung spezialisiert. Für Christian Vooren von der Zeit hat die Umfrage daher „eher die Qualität von Familien-Duell als die einer seriösen Studie“.

Damit ist das Problem allerdings nicht gelöst. Allein die Tatsache, dass in Deutschland etwa jeden dritten Tag eine Frau durch ihren Partner getötet wird, macht auf schreckliche Weise deutlich, wie fatal falsche Männlichkeitsvorstellungen wirken können. Hier braucht es weiter Aufklärung über gesellschaftliche Rollenbilder – und dringend fundierte Forschung. Wie wichtig es ist, den Dingen auf den Grund zu gehen, zeigen auch diese weiteren Meldungen.

1 | Straßburg. Das EU-Parlament stimmt über ein Gesetz zu Künstlicher Intelligenz (KI) ab. Es soll die bisher umfassendste Regulierung weltweit sein und etwa sicherstellen, dass Unternehmen, die hinter KI-Anwendungen stehen, nicht zu mächtig werden. Fachleute beurteilen das Gesetzesvorhaben insgesamt positiv, da es einen sicheren Rahmen für weitere Entwicklungen biete.

2 | London. Und gleich ein (ungefährlicher) Anwendungsfall: Paul McCartney kündigt einen „letzten“ Beatles-Song an. Dank KI sei es gelungen, eine Demoaufnahme des bereits 1980 verstorbenen John Lennon zu vollenden. Der Song soll noch dieses Jahr erscheinen.

3 | Berlin. Der Tourismus in Deutschland hat sich nach den Pandemiejahren erholt. Im April erreichte die Zahl der Übernachtungen fast das Vorkrisen- niveau. Das liegt laut Statistischem Bundesamt vor allem an Deutschen, die im eigenen Land Urlaub machen.

4 | Ulm. Die in den 1920er-Jahren geschaffene Krippe des Ulmer Münsters wird an ihre Stifter zurückgegeben. An der stark klischeehaften Figur des dunkelhäutigen Königs Melchior hatte sich in den vergangenen Jahren ein Streit entfacht. Münster-Dekan Ernst-Wilhelm Gohl sagte, das Anliegen einer Krippe werde konterkariert, wenn „Menschen, für die dieser schwarze König steht, sich durch ihn lächerlich gemacht fühlen“.

5 | Bad Nauheim. Der Pianist Igor Levit erhält die Buber-Rosenzweig-Medaille 2024. Die Auszeichnung würdigt Levits Einsatz „gegen jede Form der Menschenfeindlichkeit, seien es Antisemitismus, Rassismus oder andere Formen der Diskriminierung, und für eine freie, demokratische Gesellschaft“.

6 | Berlin. Das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMF) sieht die Voraussetzungen für ein Verbot der AfD erfüllt. Die Partei missachte die im Grundgesetz garantierte Menschenwürde sowie das Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip und habe sich zu einer rechtsextremen Vereinigung entwickelt.

7 | Tirol. Wegen schmelzenden Permafrosts ist in den Alpen ein Gipfel eingestürzt. Der Berg misst seitdem rund 100 Meter weniger. Durch die Gesteinsmassen wurde niemand verletzt.

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