EditorialUnendliche Weiten

Der Blick nach oben, in den dunklen Raum, fasziniert so viele von uns seit jeher. Immer schon fragen sich Menschen: Was ist das für eine fremde Welt? Und was hat sie mit uns, mit mir zu tun?

Star Wars oder Star Trek? Das war eine der „Gretchenfragen“ meiner Jugend. Für viele in meiner Generation war klar, dass man nur eine der beiden Science-Fiction-Serien gut finden konnte. Das war so ähnlich wie die Wahl zwischen Beatles oder Rolling Stones oder zwischen PC und Mac. Für die Jüngeren unter uns: Das ist wie Xbox vs. Playstation bei den Spielkonsolen.

Bei den Weltraumsagas habe ich mich nie auf eine Seite geschlagen, sondern beides geschaut: Star Wars und Star Trek. Zu groß war meine Begeisterung für die „unendlichen Weiten“, als dass ich mir eine der beiden Filmserien hätte entgehen lassen. Aus diesem Grund haben mich letzte Woche auch die Meldungen und ersten Bilder eines Schwarzen Lochs in unserer Milchstraße so elektrisiert: Sagittarius A* wurde fotografiert. Gelungen ist das durch eine gemeinschaftliche Anstrengung von 300 Forschenden weltweit. Erwarten Sie bitte nicht, dass ich bis ins Letzte verstehe und erklären kann, worum es sich bei dem galaktischen Phänomen handelt. Ich leihe mir die Beschreibung des Wissenschaftsjournalisten Johann Grolle, der im Spiegel ausführte: „Ein Himmelskörper, der so schwer ist wie vier Millionen Sonnen und dessen Anziehungskraft Raum und Zeit so stark verkrümmt, dass nicht einmal Licht aus einem Innern entkommen kann.“ Unvorstellbar!

Der Blick nach oben, in den dunklen Raum, fasziniert so viele von uns seit jeher. Immer schon fragen sich Menschen: Was ist das für eine fremde Welt? Und was hat sie mit uns, mit mir zu tun? Ist „da draußen“ vielleicht jemand, der so ist wie wir? Aber das Fragen geht noch tiefer, gerade für uns, die wir „mit Gott rechnen“. Was heißt das denn, dass wir hier in einem winzigen Ausschnitt des Universums einen religiösen Sinn, ein „Gottes-Gen“ entwickelt haben? Dass wir Offenbarungsgeschichten weitertragen? Und müssten sich diese Geschichten, unsere Rede vom Göttlichen, nicht weiterentwickeln? In dem Maße, wie sich auch unsere Erkenntnisse vom Kosmos weiterentwickeln? Denken wir doch zurück an die erste Lesung aus der Osternacht, wo es hieß, dass der Himmel ein Gewölbe ist, welches „das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes“ scheidet (Gen 1,7). Das war eben Stand der astronomischen Wissenschaft zur Zeit der sogenannten Priesterschrift, also vor gut 2500 Jahren. Seither hat sich doch ein bisschen was getan… Was tut sich bei uns?

Nächste Woche ist Katholikentag. Endlich wieder in Präsenz (vgl. hier Gedanken zum diesjährigen Leitwort und hier eine Programmvorschau)! Ich freue mich drauf und hoffe, dass sich die Debatten nicht nur am kirchlichen Klein-Klein abarbeiten – sondern ebenfalls in die Weite vordringen.

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