Rücktritt Andreas SturmSturm-Warnung

Vielsagender als der überraschende Rücktritt des Speyerer Generalvikars Andreas Sturm ist die Reaktion der Bischöfe.

Stell dir vor, eine römisch-katholische Führungsfigur verlässt die Kirche, tritt über zu den Altkatholiken – und kein Bischof sagt etwas dazu. Das geschieht gerade im Fall des zurückgetretenen Speyerer Generalvikars Andreas Sturm. Sein verzweifelter Rückzug hatte bis jetzt genau eine bischöfliche Reaktion zur Folge: Sturms bisheriger Chef, Bischof Karl-Heinz Wiesemann, bedauert den Rücktritt natürlich.

Und sonst? Nichts. Wir haben an dieser Stelle schon des Öfteren über Frustration und Fassungslosigkeit angesichts des Umgangs der katholischen Führung mit der massiven Kirchenkrise geschrieben. Es gehen einem die emotionalen Superlative aus. Wo ist das aufrüttelnde Hirtenwort, das einen aufrichtet, wenn man am Boden liegt, das uns daran erinnert, warum wir in der römisch-katholischen Kirche glauben, das allen Hoffnung vermittelt, die verzweifelt sind, und Zuversicht wider alle Frustration?

Wenn Bischöfe schweigen

Wir müssen jetzt mit einer Kirche klarkommen, in der einer ihrer zupackendsten Entscheidungsträger das Handtuch wirft, weil er Hoffnung und Zuversicht verloren hat, und als Top-Manager ein Buch veröffentlicht, das den Titel trägt: „Ich muss raus aus dieser Kirche!“ Das ist zunächst mal schockierend. Die Altkatholiken werden sich über ihren „Lewandowski-Moment“ und den ablösefreien Transfer freuen. Viele immer noch römische Katholiken hingegen warten jetzt auf eine Richtungsweisung, eine Motivation, ein „Jetzt erst recht!“, ein Was-auch-immer, das einen erstmal aufatmen lässt und der aufgestauten Mutlosigkeit ein Ventil verleiht.

Was bedeutet es, dass keiner der Bischöfe solche Worte findet? Man kann jetzt über eine Reihe möglicher Erklärungsversuche nachdenken: Ist es ihnen egal? Zu riskant? Wollen Sie die Sache nicht aufbauschen? Fällt ihnen dazu nichts ein? Sie sind alle nicht wirklich ermutigend.

Warum soll ich bleiben?

Der Rücktritt von Andreas Sturm ist eine Niederlage – eine persönliche für den Generalvikar und eine allgemeine für die Kirche. Bei Niederlagen hat unser Glaube ein reichhaltiges Portfolio an Erfolg versprechenden Antworten. Aber es muss sie halt auch jemand geben. Bleiben sie aus, verschärft sich mit der Krise der Kirche auch die Krise des Glaubens, des römisch-katholischen. Weil sich die Frage ja aufdrängt: Warum soll ich denn in der römisch-katholischen Kirche weiter glauben, wenn es nicht mal mehr ein Generalvikar tut?

Hier helfen weder sentimentale Beschwörungen der guten alten Kirchenpracht weiter noch Verweise darauf, was der Synodale Weg künftig alles zum Besseren wenden werde. Beides wirkt zunehmend hohl, wenn man aktuelle Schlüsselpersonen einfach wortlos ziehen lässt.

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