Leserbriefe

Wirklich offen sein

Den Ausführungen von Marianne Leverenz („Suchen und gefunden werden“) kann ich nur zustimmen. Es ist der Schlüssel zu tieferen und reiferen geistlichen Erfahrungen, wenn es einem Menschen gelingt – oft nach langer Übungszeit –, in seinen Alltag eine so große Offenheit mitzunehmen, dass die einzelnen Schritte und Aufgaben nicht von vorgefassten und oft noch nicht geklärten Erwartungen verdunkelt oder gestört werden.

Ich erinnere mich an einen Jakobspilger, der uns in der Gesprächsrunde der Pilgerseelsorge in Santiago de Compostela einmal sagte: „Auf meiner Pilgerschaft über Wochen und Monate habe ich gelernt, meine Erwartungen zu besiegen. Der Weg war mein Lehrmeister, und er hat mir gezeigt, dass sich auch aus Enttäuschungen und Krisen neue Sichtweisen formen, die viel Potenzial zum Weitergehen voll Hoffnung enthalten.“ Das gilt auch für unsere alltägliche Pilgerschaft.

Wolfgang M. Schneller, Ulm

Geflüchteten helfen

Danke, dass Sie an die Worte von Papst Franziskus bei seinem Besuch des Flüchtlingslagers auf Lesbos erinnert haben („Gott auf der Flucht“). Das Mittelmeer sei zu einem „kalten Friedhof ohne Grabsteine“ geworden, sagte er. Nicht nur Boote erlitten da Schiffbruch, sondern „unsere gesamte Zivilisation“. Europa werde sich selbst untreu, verrate seine christlich-abendländischen Werte.

Und wie reagiert die deutsche Politik? Weitgehend mit Gleichgültigkeit. Der sächsische Ministerpräsident, ein Christdemokrat, meinte gar mit Blick auf die Flüchtlinge an der polnischen Grenze zu Belarus: „Wir werden diese Bilder ertragen müssen.“ Für Franziskus ist so eine Denke jedoch keine humane Haltung.

In Deutschland gibt es viele historische Gründe, die Mahnungen des Papstes zu verstehen. Angefangen bei den Millionen Deutschen, die Mitte des 19. Jahrhunderts wegen der Hungersnot und Massenarbeitslosigkeit hierzulande nach Kanada, in die USA, nach Brasilien und Argentinien auswanderten und dort als Flüchtlinge willkommen geheißen wurden.

Wenn man so will, ist die ganze Geschichte der Menschheit eine Flüchtlingsgeschichte. Vor über 200000 Jahren hat sich Homo sapiens aus Ostafrika auf den Weg gemacht und über die ganze Welt verbreitet. „In uns allen steckt ein Flüchtling“, hat Rupert Neudeck einmal gesagt.

Wann endlich lernen wir aus unserer Geschichte? Einer der prominentesten Flüchtlinge der Weltgeschichte, Jesus von Nazareth, würde heute in seiner Bergpredigt sagen: „Selig sind die, welche Flüchtlingen helfen“.

Dr. Franz Alt, Baden-Baden

Der Liebesbote Nikolaus

Herzlich möchte ich mich bei Siegfried Huber für seine Nikolauspredigt bedanken („Der Nikolaus in dir“). Ich selber habe alle drei beschriebenen Phasen durchlebt und bin nun seit über 40 Jahren als Bischof Nikolaus in Schulen, Gemeinden, bei Seniorennachmittagen ein gern gesehener Gast.

Da ich mich in meiner Kindheit vor dem Nikolaus und vor allem vor seinem Knecht Ruprecht mit der Rute fürchtete, wollte ich dieses für mich – und wohl auch für andere – negativ besetzte Brauchtum wieder positiv beleben.

Bei meinen Besuchen versuche ich deshalb folgende Kernbotschaften zu vermitteln: Der Nikolaus verkündet das Evangelium der Liebe und der Vergebung – und er ermuntert zur Nachfolge. Die Gaben, die er bringt, sind Zeichen der Liebe. Er mahnt, dass wir untereinander teilen sollen, dass wir insbesondere an die Notleidenden unter uns denken sollen. Und er erinnert daran, für erfahrenes Glück dankbar zu sein.

Heinrich Lutz, Weil der Stadt

Im Weinkeller

Mit Freude habe ich den Artikel „Ein besonderer Jahrgang“ von Felix Evers gelesen. Gegenüber dem Weingut, aus dem das gelobte Produkt „Eltviller Sonnenberg/1971er Spätlese“ stammt, habe ich von 1968 bis 1971 gewohnt: als Kaplan in der Pfarrei Sankt Peter und Paul. Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt, so dass ich mich nach 50 Jahren noch gerne daran erinnere.

Norbert Stähler, Dornburg-Frickhofen

Lichtgestalt Christus

Vielen Dank für die Wiedergabe des Gemäldes „Peace“ von William Strutt. Über meinem Kinderbett hing es einst als Sepiadruck. Als Hofkind war mir bewusst, dass hier eine unwirkliche Situation dargestellt wurde. Aber durch die Deutung der Lichtgestalt auf Christus hat das Bild mir den Blick in eine lichtere Zukunft eröffnet – was meinen Lebensgang stark beeinflusst hat und mir in den Finsternissen des 20. Jahrhunderts eine gewisse Zuversicht gab.

Willfried Renner, Offenburg

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