Neue und alte FeiertageZurück zu den Wurzeln

„Singles’ Day“ statt „Sankt Martin“? „Black Month“ statt Totenmonat? – Getrieben vor allem von wirtschaftlichen Interessen entsteht derzeit immer neues säkulares „Brauchtum“. Dabei bietet die christliche Tradition gerade in diesen Tagen einen reichen Schatz. Man müsste ihn nur heben.

Weil früher mit dem Martinsfest eine Fastenzeit vor Weihnachten begann, wurden Faschingsbräuche („um 11.11 Uhr am 11.11.“) ähnlich gepflegt wie vor dem Aschermittwoch. Nach Sankt Martin folgte dann die 40-tägige Adventszeit.

Für viele junge Leute ist in ihrer täglichen (digitalen) Umwelt Sankt Martin zum „Singles’ Day“ geworden. Weil in dem Datum so viele Einsen vorkommen, bietet er sich als Tag der Alleinstehenden an – ein neuer Trend, der aus China zu uns kommt.

Und wo früher der November dank Gräbersegnung und Volkstrauertag vor allem als Totenmonat begangen wurde, ruft die Wirtschaft schon länger den „Black Month“, den schwarzen Monat, aus. Woher genau die Bezeichnung kommt, ist unklar. Eine Theorie besagt, es werde damit auf die schwarzen Finger angespielt, die Geschäftsleute vom Zählen des verdienten Geldes bekommen. In jedem Fall hat sich diese „Tradition“ auch hierzulande etabliert: als Start für die vorweihnachtliche Einkaufssaison. Gab es dabei anfangs nur den „Black Friday“, den „Brückentag“ nach Thanksgiving in den USA, so geht es heute nicht mehr ohne „Black Weeks“, ohne „Cyber Monday“ oder eben gleich „Black Month“.

Aber wir importieren Bräuche ja nicht nur... Dass es den heiligen Nikolaus gibt, verbinden manche heuer in erster Linie mit der nächsten Regierung: „In der Nikolauswoche wird Olaf Scholz gewählt“, war zu hören und zu lesen. Dabei müsste es heißen: In der zweiten Adventswoche!

Advent bereitet auf Weihnachten vor: Gott, der die Liebe ist, entäußert sich all seiner Macht, um bei den Menschen und inmitten seiner wunderschönen Schöpfung zu wohnen und jedes neugeborene Kind mit unendlicher Würde zu krönen. Kinder, die am Luziafest (13. Dezember) und beim Sternsingen Kronen und Königsgewänder tragen, sind nicht „verkleidet“, sondern Sakramente der Liebe Gottes, in dessen Augen wir Menschenkinder Könige, Priester und Propheten sind.

Der Advent beginnt seit 1038 mit dem 4. Sonntag vor Weihnachten, und zwar am Vorabend. Wir Christen gehen bei jedem Fest durch das Dunkel hindurch zum Licht. So beginnt etwa auch jeder Sonntag mit der ersten Vesper am Vorabend. Die erste Kerze des Adventskranzes darf demnach am Vorabend des vierten Sonntags vor dem 25. Dezember, wenn es dunkelt, entzündet werden. Und die letzte Stunde des Adventskranzes ist mit dem Ende der Adventszeit am Heiligen Abend bei Einbruch der Dunkelheit gekommen; denn dann erst beginnt mit der ersten Christvesper die Weihnachtszeit.

Auch die kirchliche Farbenlehre ist weithin in Vergessenheit geraten. Die Farben der Adventskranzkerzen sind jedenfalls nicht beliebig, sondern sie sollten am 1., 2., und 4. Adventssonntag violett sein (Farbe der Umkehr und Buße). Die dritte Kerze ist rosafarben (Farbe der Vorfreude am Gaudete-Sonntag, dem 3. Advent). Diese Kerze heißt auch Gaudete – „Freuet euch!“ aus dem Eröffnungsvers der Liturgie.

Bei uns nehmen die Kinder das Licht aus der Kirche mit in die Schule oder nach Hause, um die Kerzen des dortigen Kranzes zu entzünden. Die erste gibt dann der zweiten Kerze ihr Licht, die zweite der dritten, die dritte der vierten, die vierte dann am Heiligen Abend der weißen Kerze an der Krippe zu Füßen des Christbaums, dessen Kerzen ebenfalls weiß sind als liturgische Farbe der Freude.

Sollten wir nicht solche Bräuche offensiv neu erinnern, anstatt christliche Festzeiten umzudeuten?

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