Biblische ArchäologiePolitikum Bundeslade

Wo stand die Bundeslade? Und war sie wirklich ein rein religiöser Kultgegenstand oder doch ein sehr politisches Pfund? Themen einer Arte-Dokumentation.

Alles beginnt mit einer unscheinbaren steinernen Terrasse unweit von Jerusalem. Die uralte Anlage schwingt sich untypisch einen Hügel hinauf. „So würde man das nur bauen, wenn man ein wichtiges Gebäude abstützen muss“, erklärt der israelische Archäologe Israel Finkelstein. „Zum Beispiel einen Tempel.“ Der Hügel liegt im Gebiet Kirjath-Jearim. Biblischer Überlieferung zufolge war hier die Bundeslade zwanzig Jahre lang aufbewahrt worden, jenes geheimnisvolle Heiligtum des Gottes JHWH, das das Volk Israel durch die Wüste ins Gelobte Land gebracht hatte. Liegen unter ein paar Metern Erde die Überreste des Tempels begraben, in dem die Lade stand? Das wäre eine wissenschaftliche Sensation. Doch leider kann nicht überall gegraben werden, denn auf dem Hügel steht inzwischen eine Klosterkirche – mit dem passenden Namen „Unsere Liebe Frau von der Bundeslade“. Also rücken Finkelstein und sein Team mit Drohnen, Radar und Metalldetektoren an, um dem Untergrund sein Geheimnis zu entlocken, ohne das Klosterleben zu stören.

Tatsächlich ist „Von Engeln bewacht: Die Bundeslade“ am spannendsten, wenn sich die Dokumentation ganz auf die Forschungsarbeit fokussiert. Die Archäologen zeigen, wie man mit Computermodellen und modernster Technik biblischen Rätseln zu Leibe rückt. Zumal sie, wenn sie tatsächlich etwas aufspüren, erfreulich unaufgeregt und nüchtern an ihre Funde herangehen. Besonders im Vergleich zu den christlich-fundamentalistischen Forschergruppen, die im Film auch zu Wort kommen. „Mit der Schaufel in der einen und der Bibel in der anderen Hand“ graben die sich durchs Heilige Land, immer auf der Suche nach Beweisen für die historische Wahrheit einzelner Bibelpassagen. Finkelstein und seine Kollegen haben da einen ganz anderen Ansatz. Statt sich zu fragen, warum Gott die Bundeslade so dringend in Kirjath-Jearim haben wollte, dass er jede andere Stadt, in der sie aufbewahrt wurde, mit Plagen überzog, fragen sie, wer diese Geschichte verbreitet hat. Und stoßen auf die politische Dimension der Lade.

Damit entfernt sich der Film dann ziemlich schnell von der Suche nach tatsächlichen historischen Spuren des geheimnisvollen Artefakts. Plötzlich geht es um Erbstreitigkeiten, Konflikte zwischen dem Nordreich Israel und dem Südreich Juda und einen König, der das Land vereinen wollte und dabei nicht davor zurückschreckte, biblische Texte zu fälschen. Von der „spannenden Forschungsreise, um die wahre Geschichte der Bundeslade zu enthüllen“, die der Arte-Pressetext ankündigt, bleibt in der letzten halben Stunde nicht mehr viel übrig. Doch das muss kein Nachteil sein. Man weiß eben vorher nie, wohin die Spuren führen. Das gilt für gute wissenschaftliche Arbeit – und für gute Dokumentationen.

„Von Engeln bewacht: Die Bundeslade“ ist bis zum 10. März in der Arte-Mediathek zu sehen.

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