BeobachtungsverfahrenSprachentwicklung digital dokumentieren

Wie die systematische Begleitung der Entwicklung von Kindern im Bereich Sprache und Literacy digital gelingen kann.

Sprachentwicklung digital dokumentieren
© Harald Neumann

Liseb steht für Literacy und Sprachentwicklung beobachten und ist ein standardisiertes Verfahren, das 2014 vom Staatsinstitut für Frühpädagogik (ifp) veröffentlicht wurde (Mayr u.a. 2014). Es ermöglicht das Dokumentieren der Entwicklung von Kindern im Alter von 24 bis 47 Monaten im Bereich Sprache und Literacy. Neben dem Erkennen positiver Entwicklungen werden auch ungünstige Verläufe sichtbar und entsprechend förderliche Entwicklungsziele und Vorschläge für die sprachliche Bildung abgeleitet. Der Beobachtungsbogen liseb sensibilisiert Fachkräfte für Entwicklungsverläufe, erlaubt einen Einblick in das Sprachverhalten von Kindern und liefert wertvolle Impulse für alltagsintegrierte pädagogische Angebote.

Digital & alltagsintegriert

Neben der klassischen Papierversion ist liseb in einer für Tablets optimierten digitalen Version auf der nach DSGVO-Vorgaben sicheren Kita-Plattform KITALINO online umgesetzt (Holand u.a. 2019). Als standardisierte Literacy- und sprachbezogene Verfahren stehen darüber hinaus sismik, seldak und BaSiK U3/Ü3 (Zimmer 2019) zur Verfügung. Die Plattform bietet auch die Möglichkeit von Foto-, Video- und Audioaufnahmen sowie digitale Portfolios, die einzelnen Kindern zugeordnet werden können. Anhand eines Beispiels wird der Mehrwert der digitalen liseb-Dokumentation deutlich: Die Fachkraft dokumentiert die sprachlichen Äußerungen eines Kindes während einer Gesprächsrunde (s. ÜBERSICHT). Sie hält fest, dass das Kind oft von Tieren, insbesondere von Hummeln und Schmetterlingen, erzählt. Dies ergänzt die Fachkraft als qualitative Anmerkung beim entsprechenden Item im digitalen liseb.

Auswertung per Knopfdruck

Die digitalisierte liseb-Variante bietet ergänzend zur qualitativen auch eine übersichtliche quantitative Auswertung auf Knopfdruck. So ist auf einen Blick erkennbar, wo das Kind in seiner Sprachentwicklung bislang stand und aktuell steht. Beim späteren Elterngespräch lässt sich die Auswertung mit einer nachvollziehbaren Dokumentation der Erlebnisse des Kindes verbinden, z.B. mit dem digitalen Portfolio eines gemeinsamen Ausflugs (s. Download). Entwicklungsziele und Vorschläge zur sprachlichen Bildung sowie die pädagogische Planung können kindbezogen notiert werden und in den pädagogischen Alltag einfließen.

Chancen der digitalen Nutzung

Während Teams sich mit der Nutzung von liseb als digitale Variante – auch in Kombination mit freien Verfahren – auseinandersetzen, wird gleichzeitig das aktuelle pädagogische Konzept zu Sprache und Literacy innerhalb der Einrichtung thematisiert: Wie ist digital darstellbar, wo die Stärken eines Kindes liegen? Wie können Kinder und Eltern angemessen einbezogen werden? Des Weiteren eröffnet sich die Chance, über die Reflexion des angemessenen Einsatzes von Medien zur Beobachtung und Dokumentation hinaus weitere Fragestellungen zu thematisieren, z.B. an welchen Stellen der Einsatz digitaler Medien (pädagogisch) sinnvoll sein kann. Durch die ressourcenschonende Kombination des digitalisierten liseb mit freien Verfahren kann dadurch gewonnene Zeit zur Abstimmung angemessener Fördermaßnahmen verwendet werden. Somit besteht die Chance, pädagogisches Handeln stärker auf die individuelle Situation, die Fähigkeiten und die Interessen der Kinder abzustimmen und die Ergebnisse mit den Eltern zu teilen.

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