Zur Qualität der ErzieherinnenausbildungReform erwünscht

Qualität in der Kita – zu Recht wird sie eingefordert, gesellschaftlich, aber auch politisch. Doch um sie zu leben, benötigt es den Mut zu Veränderungen, auch in der Ausbildung zur Erzieherin. Ein Kommentar von Bettina Beyer.

Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Ein- und Zweijährige, die inklusive Betreuung z. B. von Kindern mit Migrationshintergrund, die Weiterentwicklung pädagogischer Qualität in Kita und Tagespflege, welche zunehmend als Bildungsorte für Kinder an Bedeutung gewinnen – diese und andere gesellschaftspolitische Veränderungen haben Auswirkungen auf die Praxis: Neben einem erhöhten Personalbedarf werden mehr fachliche Qualifizierungen und Weiterbildungen notwendig, Dokumentationen sowie Vor- und Nachbereitung zeitintensiver und die Netzwerkarbeit noch wichtiger. Die Herausforderungen an Erzieherinnen sowie die Ansprüche an ihre Arbeit steigen und mit ihnen auch der damit verbundene Druck.

Wird die Ausbildung dem gerecht?

Neben kindheitspädagogischen Studiengängen, der Ausbildung zu Kinderpflege- und Sozialassistenzkräften an Berufsfachschulen und der Möglichkeit zum Quereinstieg in das Berufsfeld wird immer noch ein Großteil der Fachkräfte (laut der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, WiFF, immerhin rund 70 %) an den Fachschulen für Sozialpädagogik zur staatlich anerkannten Erzieherin ausgebildet. Welche Konsequenzen muss die veränderte Kita-Praxis für diese Ausbildung haben? Was wünschen sich zukünftige Fachkräfte von ihrer Ausbildung?

Das sagen Auszubildende

Schüler, mit denen ich mich innerhalb der letzten drei Jahre regelmäßig zu diesem Thema ausgetauscht habe, formulierten folgende konkrete Vorschläge, wie sie auf ihren zukünftigen herausfordernden Berufsalltag vorbereitet werden wollen:

  • praxisnahe Inhalte, die sich mit den alltagsrelevanten Herausforderungen in der Kita auseinandersetzen und stark machen für den Berufsalltag; so seien Singen, Basteln und die Spielbegleitung wichtige Aspekte der Arbeit, sie spiegeln aber nicht den gesamten Kita-Alltag wider; Themen, die in der Ausbildung aus Sicht der Schüler bspw. zu kurz kommen, sind der Umgang mit Stresssituationen und Maßnahmen zum Eigenschutz in belastenden Situationen, das Verhalten in Konfliktsituationen mit Eltern oder Kollegen, der Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern sowie das Organisations- und Zeitmanagement
  • einen schriftlich fixierten roten Faden für die Kooperation zwischen Schule und Praxisstelle während der wichtigen Praxiseinheiten; darin sollten die Anforderungen der Schulen an die Praxisstellen und Schüler festgelegt werden, um ihnen Handlungssicherheit und Orientierung zu geben
  • ·von Beginn der Ausbildung an sollte auch für die Jugend- und Inklusionsarbeit qualifiziert werden, da Berufseinsteiger oft auch in diesen Bereichen arbeiten
  • eine finanzielle Honorierung, die der hohen Verantwortung des Berufes gerecht wird; gleichzeitig wäre diese evtl. ein Anreiz für Männer, diesen Beruf zu erlernen

Die Schüler wünschen sich außerdem eine bundesweit einheitliche Ausbildung: 2012 haben die Bundesländer zwar einen länderübergreifenden Lehrplan erarbeitet, aber es gibt in den Bundesländern nicht nur erhebliche Unterschiede bei den Aufnahmekriterien für Schüler, sondern trotz allem auch Lehrpläne mit individuellen Inhalten und Schwerpunkten.

Mehr Praxisnähe im Unterricht

Um aktuelle Unterrichtsinhalte auf Praxisnähe zu überprüfen und entsprechend zu überarbeiten, müssen meiner Ansicht nach berufserfahrene Fachkräfte die Arbeit der Lehrkräfte an den Schulen ergänzen. Dabei reicht eine Zusammenarbeit in Form von Beiräten oder runden Tischen nicht aus. Sie sollten vielmehr an den Schulen unterrichten. Einerseits herrscht Fachkräftemangel an vielen Schulen, andererseits werden Einstellungsvoraussetzungen nicht entsprechend verändert. Bei der Erstellung von Lehrplänen sollten außerdem Anregungen von Auszu bildenden berücksichtigt werden. Die Arbeit als Erzieherin erfordert neben einer qualifizierten Ausbildung eine Reihe persönlicher Kompetenzen: Empathie, Reflexionsfähigkeit, Teamfähigkeit u. v. m. Deshalb sollte der Lehrplan ausreichend Raum für die persönliche Stärkung lassen. Themen wie der Umgang mit Stress sind aus meiner Sicht im Lehrplan fest zu verankern. Es ist außerdem die Aufgabe der Schulen, die Schüler durch offene Rückmeldungen zu ihren persönlichen Kompetenzen zu unterstützen. Leider haben Beratungsgespräche der Fachlehrer im Hinblick auf die Eignung von Schülern oftmals keinen verbindlichen Charakter.
In diesem Zusammenhang ist übrigens auch die kritische Prüfung der Zugangsvoraussetzungen nötig. Welcher Abschluss ist notwendig und welche persönlichen Eignungen benötigen die Fachkräfte? Hier wünsche ich mir bundesweit einheitliche Regelungen und Assessment-Center, mit deren Hilfe vorab eingeschätzt werden kann, wer für den Beruf des Erziehers geeignet ist.
Die Schulen und ihre Lehrkräfte sind i. d. R. offen für notwendige Veränderungen. Lehrpläne sind jedoch Ländersache. Daher lautet meine Forderung an die Bildungsministerien: Öffnen Sie sich für eine regelmäßige und konstruktive Kooperation mit Schulen und Praxisstellen! Wenn wir von den Fachkräften in der Kita eine qualitativ hochwertige Arbeit fordern, müssen die Fachschulen eine entsprechende Ausbildungsqualität gewährleisten.

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