SpielpädagogikDa ist doch Erziehung mit im Spiel

Das Konzept der Spielpädagogik besagt, dass beim Spielen mit Kindern auch immer Erziehung mit im Spiel ist. Denn es müssen Regeln eingehalten und fair gespielt werden.

Spielpädagogik: Da ist doch Erziehung mit im Spiel
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Wer erzieht, hat mit Spiel zu tun. Spiel ist eine menschliche Grundfähigkeit, ein lebensnotwendiges Grundbedürfnis von Kindern, die sich bekanntlich groß spielen.

Spiel ist also ein "Urphänomen" und somit im pädagogischen Bereich natürlicherweise existent. Da das Kinderspiel so alltäglich ist, ist jede Pädagogin, insbesondere im Elementarbereich, auch Spielpädagogin.

Die Vielschichtigkeit des Spiels, die Vielzahl der Spielformen und Materialien, die heute zur Verfügung stehen, machen es nicht leicht zu definieren, was Spielpädagogik wirklich ist. Auf jeden Fall befasst sie sich mit dem erzieherischen Anteil im Spiel. Dabei stehen grundsätzliche erzieherischen Fragen im Mittelpunkt: Was kann ich, und sollte ich, initiieren, um auf den Erziehungsprozess einzuwirken? Was sollte ich tun und was lassen? Solchen Fragen wendet sie sich aus der Perspektive des Spiels zu und beantwortet sie aus der Kenntnis der Möglichkeiten und Chancen des Spiels, seiner Wirkungen, Grenzen und Gefahren.

Spielpädagogik ist einerseits unsere handelnde Bemühung, Spieltätigkeiten zu begleiten und zu unterstützen. Andererseits beschränkt Spielpädagogik ihre Bemühungen aber nicht auf die unmittelbare pädagogische Arbeit. Wie jede Pädagogik ist sie abhängig von Rahmenbedingungen und zielt auch auf deren Veränderungen ab. Das Spiel soll mit ihr zur Blüte und Entfaltung gebracht werden. Spielpädagogik will dem Spiel also eine Schneise schlagen, in der gesamten Gesellschaft, im Elternhaus, im Kindergarten und der Schule ebenso wie in der Stadt- und Spielraumplanung. Jürgen Fritz, Professor für Spielpädagogik in Köln, formuliert: "Spielpädagogik ist zugleich Spielforschung, Spielkultur, Spielpraxis, Spieldidaktik und Spielmethodik und auch Spielpolitik."

Verschiedene Bereiche der Spielpädagogik

In der Spielforschung werden beispielsweise die Wirkung von Spielmitteln und das kindliche Spielverhalten untersucht und Spielprozesse analysiert. Spielkultur meint Strukturen, Inhalte, Traditionen im Spiel von Kindern, bei Festen, im Familienkreis oder unter Erwachsenen.

In der Spielpraxis geht es um das von Pädagogen angeleitete Spiel in Sport und Freizeit, Kindergarten, Schule, in der Spielmobil-, Jugend- und Seniorenarbeit.

Spielpolitik muß von Pädagogen und Eltern initiiert werden; meist zielt sie auf Gestaltung und Beschaffung von Spielraum für Kinder hin.

Spieldidaktik befasst sich mit den Zielen der Spielpraxis und ihrer Begründung. Sie ist geprägt von grundsätzlichen Gedanken zu einer handlungsorientierten Pädagogik des Spiels.

Damit eng verbunden ist Spielmethodik, die sich wiederum sich mit der konkreten Gestaltung und dem Ablauf von pädagogisch initiierten Spielprozessen beschäftigt. Spielpädagogik hat ihr Dasein dem Phänomen Spiel zu verdanken und wirkt ihrerseits auf dieses zurück. Das Ideal des Spiels ist sozusagen "Spielen um des Spielens willen". Zweckfreiheit und Freiwilligkeit sind zwei Grundprinzipien des Spiels. Pädagogik allerdings hat erzieherische Zielsetzungen, für die Praxis ist Planung notwendig. Die wiederum ist bekanntlich das Gegenteil von Spontaneität. Dadurch werden in der pädagogischen Spielpraxis immer wieder Widersprüche entstehen.

Wer gerne spielt, den werden diese Widersprüche eher herausfordern als abschrecken. Damit Spielpädagogik lebendig und vielfältig bleibt, bedarf diese pädagogische Arbeit mit dem Spiel kontinuierlicher Reflexion und Pflege. Damit Spielen von Kindern und Erwachsenen als wohltuend erlebt wird, müssen insbesondere in angeleiteten und organisierten Spielsituationen, die Handlungsimpulse und Kontaktqualität, die Regeln und die Erlebnisdichte im Kontrast zum Nichtspielen stehen.

Im Spiel Normen und Werte transportieren

Um in der Spielpädagogik den praxisorientierten Anteil lebendig werden zu lassen, braucht sie Eigenschaften wie: lustvoll, bewegt, kontaktreich, spürbar, intensiv, lustig, abwechslungsreich. Der spielpraktische Anteil der Spielpädagogik soll und will pädagogisch begründete Absichten methodisch unterstützen. Mit dem Spiel transportieren Eltern und Erzieherinnen Normen und Werte unserer Gesellschaft. Jürgen Fritz formuliert: "Kinder lernen im Spiel spielen. Das wird oft als nichts bewertet und ist doch alles."

Angesichts der Veränderungen in den räumlichen Lebensbedingungen von Kindern in der heutigen Zeit ist es auch das Bestreben und Ziel der Spielpädagogik, im Sinne der indirekten Spielförderung den allgemein eingeschränkten und spezialisierten Lebensraum von Kindern wieder zu öffnen, sowie dafür Sorge zu tragen, dass Kindern Freiräume gewährt werden, ihr Spiel frei von direkter pädagogischer Steuerung zu entfalten,

Spielpädagogik heißt auch Aufklärung der Erwachsenen über den Entwicklungsprozess von Kindern, um auf diese Weise Akzeptanz und Sensibilität für deren Bedürfnisse und Spielverhalten zu schaffen.

Das kann beispielsweise mit der folgenden spielpädagogische Aktion geschehen. Sie ist stark öffentlichkeitsorientiert und in jeder Tageseinrichtung für Kinder zu initiieren. „SPIELRAUM SCHAFFEN" ist der Grundgedanke dieses Projekts - der gibt ihm auch vielleicht seinen Namen.

Es offeriert vielfältige Spielsituationen und damit aktive Spielerlebnisse für unterschiedlichste Bedürfnisse und Altersstufen. Kinder und Erwachsene sollen sich in lockerer und stark selbstbestimmter Form ins Spiel bringen und Spiel erleben.

Spielstationen schaffen und gestalten

Das Kernstück sind so genannte Spielstationen, die nicht nur zu vielen kurzweiligen Spielereien zum Ausprobie­ren einladen, sondern auch mit kurzen prägnanten Statements ­­zu Themenberei­chen des Spiels informieren. Die Spielmaterialien, die an den Stationen zum Bespielen bereitgestellt werden, können Sie ergänzt oder verändert zusammenstellen. Grundsätzlich sollten sie aber attraktiv und übersichtlich präsentiert sein. Mit gleichfarbigen Stofflaken abgedeckte Biertische eignen sich beispielsweise zur Verortung der Stationen. Die Besucher sollen die Spielmittel nutzen und bespielen. Dazu müssen natürlich die Materialien immer wieder sortiert und geordnet werden. Diese Arbeit gehört zu einem solchen offenen und handlungsorientierten Angebot dazu.

Die Texte für die Spielstationen können Sie auf einem DIN-A-4 Blatt ausdrucken und auf Tafeln aufziehen. Die Tafeln hängen in Augenhöhe von der Decke herab oder sind über dem Kopfende des Tisches an der Wand angebracht. Geben Sie der Aktion ein Emblem, das sich überall wiederfindet, auf den Tafeln, der Einladung, am Eingang etc.

Zu bestimmten Spielmitteln können Angebote offeriert werden: Murmelspiele kennen lernen und ausprobieren, Carrom-Turnier, ein Spielzeug selber machen - oder ähnliches mehr ist denkbar. Hier kann jedes Veranstaltungsteam, seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechend, Angebote zusammenstellen.

Möglich ist auch, dass Sie an den einzelnen Stationen Spielaufgaben vorbereiten, beispielsweise: "Wie viele Kreiselarten gibt es an der Spielstation ,Geschicklichkeitsspiele'"?

Die Erwachsenen tragen die Antworten in Karten ein. Solche "Laufkarten" können Sie für eine Verlosung verwenden und schaffen so einen zusätzlichen Anreiz, alle Stationen abzuklappern.

Mit dem Projekt "SPIELRAUM SCHAFFEN"„ können Sie unterschiedlich intensiv arbeiten: vom Tag der offenen Tür über eine Spielwoche bis hin zur Stadtteil- oder Gemeindeaktion bzw. der Gestaltung eines Elternabends ist alles möglich.

Vermittlung des Projektes nach außen

Folgende grundsätzliche Gedanken zum Projekt können Sie beispielsweise für Handzettel, Pressemeldung, Eröffnungsansprache verwenden:
Für mehr menschliche Kommunikation möchte der Kindergarten ­eine beispielhafte Spielwelt schaffen - und damit Spielraum für mehr Kommunika­tion und Miteinander.

Spielen braucht Voraussetzungen. Da es in unserer Lebens­welt aber an spiel­freundlichem Raum, an Muße, an aktiven Erfahrungen und sinnlichen Erleb­nissen mangelt, möchten wir mit diesem Projekt das öffent­li­che und familiäre Spiel fördern.

Spielen schafft nicht nur Kommunikation und soziale Kontakte, son­dern auch die Chance, daß Menschen sich Zeit nehmen, eine Möglichkeit zur Ent­span­nung zu erleben und einen Impuls erhalten, ein Stück Spielkultur in ihrem Alltags­leben zu plazieren.

Im Spiel kann sich viel ergeben, wenn es nicht zu einem bestimmten Zweck eingesetzt wird, sondern die Mitspielenden die Möglichkeit wahrnehmen, sich einfach an das Spiel freizugeben und es zu genießen. Wir brauchen Erlebnis- und Handlungsfelder, um uns zu ver­wirklichen und zu entfal­ten - im Spiel sind sie genauso zu finden wie die Gelegen­heit, sich gefühlsmäßig zu erleben. Denn Spaß haben, sich freuen und wohlfühlen kann man beim Spielen allemal.

Ratgeber/Website:
Spiel gut Arbeitsausschuß Kinderspiel + Spielzeug e.V. Anschrift: Neue Straße 77 - 89073 Ulm.

Zeitschriften-Tipp:
Eine praxisorientierte und interessante Fachzeitschrift für alle Fragen rund um Spieltheorie und Spielpraxis im pädagogischen Bereich ist "Gruppe und Spiel",Zeitschrift für kreative Gruppenarbeit, die 4xjährlich im Verlag Kallmeyer erscheint.

Fortbildung:
In der Akademie Remscheid wird die berufsbegleitende Fortbildung „Spielpädagogik in der Kinder- und Jugendarbeit„ angeboten. Diese kann auch mit einer umfangreichen Qualifizierung zu einem zertifizierten spielpädagogischen Abschluss ergänzt werden. Programm: Akademie Remscheid, Küppelstein 34, 42857 Remscheid.

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