Mahlzeiten in der Kita

Den gemeinsamen Mahlzeiten kommt im Kita-Alltag eine besondere Bedeutung zu. Gut gestaltet sind sie ein Moment der Gemeinschaft, des Genießens und Entdeckens.

Mahlzeiten in der Kita
© Andrey Kuzmin - shutterstock

Essen ist mehr als reine Nahrungsaufnahme. Essen mit anderen ist ein Akt der Gemeinschaft und signalisiert die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Oft ist es auch ein Moment der Kommunikation und des Austauschs. Allerdings erleben nicht alle Kinder gemeinsame Mahlzeiten in der Familie als etwas Positives. Oft tragen Eltern dort auch Konflikte aus oder beobachten und kommentieren genau, ob das Kind zu viel oder zu wenig gegessen hat. Umso wichtiger sind die Mahlzeiten in der Einrichtung und dass Kinder sie als einen positiven Moment im Tagesablauf wahrnehmen.

Unsere Vorstellung von Mahlzeiten

„Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.“ „Wir fangen gemeinsam an und hören gemeinsam auf.“ „Der Teller wird leergegessen.“ Rund um das Thema Essen gibt es viele moralische Vorstellungen, die Erwachsene oft aus ihrer eigenen Kindheit und Erziehung unreflektiert übernehmen und als Erwartung an die Kinder weitergeben.

Oft verhindern diese Vorstellungen jedoch Mahlzeiten voller Freude, Genuss und der Möglichkeit für die Kinder, selbstbestimmt, selbstwirksam und an ihren eigenen Bedürfnissen orientiert zu essen.

Wichtig ist, dass Pädagoginnen ihre eigenen Vorstellungen reflektieren und gemeinsam im Team besprechen, welche Regeln in der Kita beim Essen gelten sollen und welche Vorstellungen dort keinen Platz haben. Zum Beispiel die Frage, ob oder ab welchem Alter die Kinder warten sollten, bis alle anderen fertig gegessen haben. Ist das eine gute Regel oder setzt sie nur langsame Esser unter Druck und sorgt bei schnelleren Essern für Frust und Langeweile? Wie viel Spielerei mit dem Essen ist in Ordnung und wo ist meine Grenze erreicht? Müssen die Kinder Essen probieren und den Teller leeressen?

Selbstwirksamkeit beim Essen fördern

Sobald Kinder selbst sitzen können, sollten sie auch beim Essen am Tisch sitzen und möglichst selbstbestimmt essen dürfen. Das bedeutet, selbst auszuwählen, was sie essen möchten, selbstständig Nahrung in den Mund zu tun und eigenständig trinken zu können. Sitzen die Kinder an mehreren kleinen Tischen statt an einer großen Tafel, bleibt die Runde auch für jüngere Kinder überschaubar.

Sobald Kinder motorisch in der Lage dazu sind, sollten sie sich (mit Hilfe) selbst Essen schöpfen dürfen. Das unterstützt sie nicht nur in ihrem Bestreben nach Selbstständigkeit, sondern fördert auch das Explorieren und die Freude am Erkunden, Kennenlernen und Genießen der Nahrungsmittel. Sind die Schüsseln aus Glas, können auch Kinder, die noch nicht in die Töpfe schauen können, sehen, was es zu essen gibt.

Frühstück

Das Frühstück findet in vielen Einrichtungen individuell statt, z.B. in Buffetform, im Laufe des Vormittags. Kinder, die hungrig sind, können nicht spielen und damit auch nicht lernen. Manche Kinder haben bereits zu Hause gefrühstückt und sind schon lange wach, andere erst eine kurze Zeit, dafür auch noch ohne Essen im Magen. So kann jedes Kind in einem vorgegebenen Zeitraum dann frühstücken, wenn es das möchte. Wichtig ist, dass eine Pädagogin in diesem Zeitraum das Buffet betreut und mit den Kindern am Tisch sitzt oder unterstützt, wo sie Hilfe benötigen.

Mittagessen

Das Mittagessen bringt oft ein Caterer oder ein Koch bereitet es frisch vor Ort zu. Toll ist es, wenn die Küche (natürlich gemäß Vorschriften) für die Kinder einsehbar ist, sodass sie die Zubereitung der Lebensmittel beobachten können. Manche Einrichtungen stellen die Hauptzutaten des Mittagessens in ungekochtem Zustand aus. So können Kinder wahrnehmen, wie z.B. Nudeln, Reis oder Gemüse im rohen bzw. ungekochten Zustand aussehen und wie sie sich durch das Kochen verändern.

Snacks und Getränke

Viele Kitas bieten den Kinder den ganzen Tag über die Möglichkeit, Wasser zu trinken, manche aus eigenen Trinkflaschen, die die Kinder von zu Hause mitbringen, oder aus Bechern aus der Kita. Das ist wichtig, ebenso wie die Kinder immer wieder an das Trinken zu erinnern. Oft steht auch eine kleine Schale mit etwas Gemüse oder Obst zur Verfügung. Bleiben Kinder nachmittags länger oder sind schon sehr früh morgens in der Kita, sind die Abstände zwischen den Mahlzeiten manchmal zu lang. Dann ist Obst und Gemüse ein guter Snack, der neue Energie zum Entdecken und Lernen gibt.

Regeln rund ums Essen

Kein Kind sollte etwas essen müssen, essen ist immer freiwillig. Besser als Druck auszuüben, ist eine Einladung, auch neues Essen zu probieren, oder bereits bekannte Nahrungsmittel, die das Kind einmal abgelehnt hat, wieder anzubieten. Sieht das Essen ansprechend aus und ist die Tischgemeinschaft positiv, nehmen Kinder in der Regel das zu sich, was sie brauchen. Phasen, in denen Kinder fast jedes Nahrungsmittel verweigern, gehen in der Regel schneller vorbei, wenn Eltern und Pädagoginnen sich davon nicht irritieren lassen. Oft sind Kinder zu Hause sehr heikle Esser, in der Kita greifen sie aber beherzt zu. Sollte ein Kind nichts von dem mögen, was gekocht wurde, kann es alternativ Brot mit Belag essen.

Kinder unter drei Jahren sollten nicht sitzenbleiben müssen, bis alle das Essen beendet haben. Diese Regel entspricht einer sozialen Erwachsenen-Norm und ist oft begründet damit, dass Kinder aufstehen, bevor sie satt sind. Dies ist jedoch in einem alltäglichen Setting selten der Fall. Kinder sind in der Regel am Tisch beim Essen, solange sie hungrig sind.

Ziel des Essens in der Kita ist neben der Nahrungsaufnahme der Genuss, die Freude an einer gesunden Ernährung und dem Kennenlernen neuer Lebensmittel,

Literatur:

  • Hoch, Vanessa. (9.2015): Die kindorientierte Gestaltung von Essenssituationen. Verfügbar unter: https://www.kita-fachtexte.de/uploads/media/KiTaFT_Hoch_Essensituationen_2015_01.pdf. Zugriff am 09.01.2018

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