Raumgestaltung in der Kita

Räume in der Kita sind mehr als bloßer Aufenthaltsort. Kindzentriert gestaltet ermöglichen sie vielfältige Sinneserfahrungen, regen zum Entdecken an und geben Geborgenheit – je nach Bedarf.

Raumgestaltung im Kindergarten
© Dieter Schütz - pixelio.de

In der Reggiopädagogik gilt der Raum als der dritte Erzieher. Er soll wie die Pädagoginnen Hilfe zur Selbstbildung der Kinder geben und flexibel auf die kindlichen Bedürfnisse nach Ruhe, Bewegung, gemeinsamem und Einzelspiel reagieren. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, erfordert es eine gut durchdachte Raumgestaltung.

Raum für Bildung und Entwicklung

Die wichtigste Aufgabe des Kindes in seinen ersten Lebensjahren ist es, sich die Welt zu erschließen und selbstbildend tätig zu sein. Damit das möglich ist, sollten die Kita-Räume verschiedene Tätigkeiten ermöglichen, z.B. essen, ruhen, bewegen, spielen, schlafen, gestalten, bauen usw. Alle Grundbedürfnisse der Kinder müssen in der Raumgestaltung ihren Platz finden. Sind die Räumlichkeiten eher klein und beengt, gilt es, kreative Lösungen zu finden.

Wichtig ist ebenfalls, dass die Kinder die Spielmaterialien frei wählen können. Dafür müssen Sie die Materialien in Kinderhöhe platzieren und in durchsichtigen Boxen aufbewahren, die Sie mit Wort und Bild oder Symbol beschriften. Ebenso sollten sie frei wählen können, wo sie spielen, mit wem sie spielen und wie lange sie spielen möchten. Gibt es Möglichkeiten für das Spiel alleine, zu zweit oder in einer Gruppe? Auch das ist für die kindliche Entwicklung von Bedeutung.

Ermöglichen Ihre Räume den Kindern außerdem vielfältige Sinneserfahrungen, z.B. durch Licht, Akustik, Farbe, Materialien oder Bauweise? Unterschiedliche Bodenbeläge, Wandfarben und Spielmaterialien regen die Sinne an und geben Raum für das bewusste Wahrnehmen mit allen Sinnen. Aber Achtung, so bunt wie möglich ist damit nicht gemeint, sondern Ziel ist der bewusste Einsatz von Farben und Gestaltungselementen. Viele Kita-Räume sind überladen mit farbigen Wänden, Basteleien, zugeklebten Fenstern und Dingen, die wenig bis kaum in Benutzung sind. Überladene Räume regen nicht die sinnliche Wahrnehmung an, sondern überfordern. Lassen Sie die Fenster frei für den Blick nach draußen, sortieren Sie aus, was keiner mehr braucht, und überlegen Sie gemeinsam im Team, welche Wirkung und welches Ziel jeder Bereich in Ihrer Kita haben soll. Definieren Sie einen Ausstellungsbereich, in dem die Kinder ihre Werke präsentieren können. Wenn etwas hinzukommt, muss zuerst etwas Anderes entfernt werden.

Erst im zweiten Schritt geht es dann um die Frage, wie Sie dieses Ziel (z.B. Ruhe, Aktivität, Weite, Geborgenheit) erreichen. Hier ist es eventuell sinnvoll, als Team einen Fachmann/eine Fachfrau einzuladen, die dabei hilft, die gewünschte Wirkung auch zu erreichen.

Raum für Bewegung

Kinder erfahren und entdecken die Welt über Bewegung, sie haben einen hohen Drang zur Bewegung. Nach ihrer Geburt beginnen sie, den Körper vom Kopf abwärts bis zu den Füßen Stück für Stück zu entdecken, seine Bewegungsmöglichkeiten zu trainieren und zu festigen. Bewegung fördert die Entwicklung des Kindes, sowohl die körperliche als auch die geistige. Deswegen brauchen sie in der Kita Platz für Bewegung, die Erlaubnis dazu und die Möglichkeit, ihrem Alter entsprechend ihre körperlichen Fähigkeiten zu trainieren. Je älter die Kinder sind, desto größer wird ihr Bewegungsradius, horizontal, aber auch vertikal. Nutzen Sie deswegen bei der Raumgestaltung auch die Höhe Ihrer Räumlichkeiten aus, z.B. mit verschiedenen Ebenen zum Klettern und Spielen. Überprüfen Sie anhand folgender Fragen, welche Bewegungsmöglichkeiten Kinder in Ihrer Einrichtung haben:

Wo können die Kinder bei uns ...

  • ... rennen und toben?
  • ... Höhe erfahren, klettern, etwas erklimmen und wieder absteigen?
  • ... sich ganz groß und ganz klein machen?
  • ... Freiheit und Weite, aber auch Geborgenheit und Enge erleben?
  • ... schaukeln, sich drehen und schwingen?
  • ... rollen, fahren und rutschen?
  • ... hüpfen, federn und springen?

Lassen Sie den Kindern Raum für freie Bewegung. Je voller die Räume sind, desto schneller entstehen Konflikte zwischen Kindern, aber auch mit den Pädagoginnen. Bahn frei für mehr Bewegung ist ein Motto bei der Raumgestaltung, das den Kindern dient und Erwachsene entlastet.

Raum für Pflege

Wenn Sie Kinder unter drei Jahren in Ihrer Einrichtung betreuen, spielt der Raum für Pflege eine besondere Rolle. Sie benötigen einen Ort zum Wickeln, der ansprechend ist, kindliche Beteiligung ermöglicht (z.B. eine Treppe, die auf den Wickeltisch führt, damit das Kind eigenständig hochklettern kann), der Stauraum, Ruhe und Rückzugsort bietet. Der Gruppenraum ist dafür ungeeignet, die meisten Einrichtungen integrieren den Wickelbereich in den Sanitärbereich.

Auch der sollte so gestaltet sein, dass Kinder selbstständig agieren können, egal ob es um Händewaschen, den Toilettengang oder das Zähneputzen geht.

Raum für Rückzug und Schlaf

Kinder unter drei Jahren benötigen in der Regel einen festen Schlafplatz in der Kita. Im Idealfall ist das in einem Raum, der nur zum Ruhen und Schlafen verwendet wird, nicht auch zum Spielen. Falls das nicht möglich ist, sollten die verschiedenen Nutzungsphasen klar voneinander getrennt sein. Zum Schlafen ist der Raum dunkler, kühler, ruhiger und aufgeräumt. Kindergartenkinder schlafen meistens nicht mehr, brauchen aber auch Rückzugsorte. Diese können z.B. in Form von Höhlen, Zelten, Kuschelecken oder kleinen Verstecken in den Gruppenraum integriert sein.

Literatur:

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  • Raumgestaltung - Funktionsbereiche konzipieren. Themenheft Kleinstkinder in Kita und TagespflegeNagel, Klaus

    Raumgestaltung - Funktionsbereiche konzipieren

    Klaus Nagel, Anja von Karstedt, Diana Rosenfelder, Angelika von der Beek, Gottfried Schilling, Carmen Strauss, Tobias Richter, Regina Schmid, Udo Dünisch, Steffi Becker, Margit Franz

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  • Räume gestalten. Entdeckungskiste: Schulkindbetreuung in Kita, Hort und GrundschuleRedaktion Entdeckungskiste

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