Bildung für nachhaltige EntwicklungDas Wichtigste zur Bildungsoffensive der Vereinten Nationen

Von der Fachwelt gut wahr- und angenommen läuft bereits seit 2005 die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE), die noch bis 2014 dauert. Die Staaten der Vereinten Nationen haben sich verpflichtet, in diesem Zeitraum von zehn Jahren das Konzept der Nachhaltigkeit im Bildungswesen zu stärken. Bislang unterrepräsentiert - im Gegensatz zu Schule und Universitäten - ist jedoch ausgerechnet der Elementarbereich. Vor einigen Monaten nun forderte die Deutsche UNESCO-Kommission anlässlich einer Fachtagung, Kitas zukunftsfähig zu machen und „Bildung für nachhaltige Entwicklung" in den Bildungsplänen der Länder zu verankern, um das Konzept flächendeckend auch in der vorschulischen Bildung umzusetzen. Bereits 2010 hatte die Kommission in ihrem Diskussionsbeitrag „Kinder stärken - nachhaltige Entwicklung fördern" Vorschläge für eine zukunftsfähige Bildung im Elementarbereich formuliert und an Politik und Träger appelliert, diese zügig umzusetzen. Trotzdem taucht das Thema Nachhaltigkeit in den Bildungsplänen noch immer kaum auf.

Welche Relevanz hat das Konzept, wen spricht es an?

Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung" ist eine weltweite Bildungsoffensive der Vereinten Nationen, die auf das gesamte Bildungswesen zielt, d.h. von Kindergarten, Schule, beruflicher Ausbildung und Universität über Forschungsinstitute, außerschulische Weiterbildungseinrichtungen bis hin zum informellen Lernen außerhalb von Bildungseinrichtungen. Zur Rolle speziell der Frühpädagogik heißt es im UNESCO-Diskussionsbeitrag von 2010 u.a.: „Eine zeitgemäße Kindergartenpädagogik respektiert den geschützten Raum der Kindheit - und schafft zugleich einen Bezug zur Lebenswelt. Kinder dürfen nicht mit den von Erwachsenen verantworteten Problemen nicht-nachhaltiger Entwicklungen überfrachtet werden; dennoch muss man sie in angemessener Form bei der Aneignung der Welt und ihrer komplexen Realitäten begleiten."
Betont wird stets die enorme Bedeutung des Elementarbereichs für „Bildung für nachhaltige Entwicklung", weil hier bei den Kindern die Grundlagen gelegt werden. Eine gute Gelegenheit, die Anliegen des BNE-Konzepts im frühkindlichen Bildungsbereich langfristig zu verankern, sah und sieht die UNESCO-Kommission einerseits in den zu überarbeitenden Bildungsplänen, anderseits bei den angehenden pädagogischen Fachkräften, die schon in ihrer Ausbildung damit vertraut gemacht werden sollten. Eine besondere Verantwortung bei der Umsetzung verortet die Kommission aber auch bei den Trägern. Deren große Gestaltungsmöglichkeiten böten zugleich die Chance, das Innovationspotenzial des Konzepts für eine zukunftsorientierte und qualitativ hochwertige Bildung zu nutzen.

Was sind die zentralen Anliegen von „Bildung für nachhaltige Entwicklung"?

„Bildung für nachhaltige Entwicklung" will Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln vermitteln. Sie will sie in die Lage versetzen, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generationen oder das Leben in anderen Weltregionen auswirkt. Der Einzelne soll erfahren: Mein Handeln hat Konsequenzen. Nicht nur für mich und mein Umfeld, sondern auch für andere. „Ich kann etwas tun, um die Welt ein Stück zu verbessern." Ein solches Denken wird als dringend notwendig betrachtet, um Veränderungen anzustoßen und drängende globale Probleme wie den Raubbau an der Natur oder die ungleiche Verteilung von Reichtum anzugehen. Regierungen, Organisationen und Unternehmen müssen Nachhaltigkeit lernen und umsetzen. „Bildung für nachhaltige Entwicklung" will Wissen über globale Zusammenhänge und Herausforderungen wie Klimawandel oder globale Gerechtigkeit vermitteln; aber auch über die komplexen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ursachen dieser Probleme. Vermittelt werden sollen außerdem Kompetenzen, z.B. Gestaltungskompetenz. Das meint die Fähigkeit, Wissen über nachhaltige Entwicklung anzuwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung zu erkennen.

Welche Schlussfolgerungen können Sie als Kita-Leitung ziehen?

Konkret bezogen auf die pädagogische Arbeit in Kitas und Kindergärten mögen die Anliegen der UN-Dekade auf den ersten Blick skeptisch als „Extra-Aufgabe" - zusätzlich zur Umsetzung der Bildungspläne - gesehen werden; verständlicherweise angesichts der ohnehin schon knappen Ressourcen. Aber bei genauerer Betrachtung geht es hier um etwas anderes, nämlich um eine persönliche Grundhaltung, die die Kita-Leitung ihrem Team und das Team wiederum durch vorgelebtes Beispiel den Kindern eigentlich recht einfach vermitteln kann. Das Konzept der Vereinten Nationen bietet dazu hervorragend die theoretische Grundlage und seine Anliegen dürften mehrheitlich allgemeine Zustimmung finden. Insofern ist es lohnenswert, sich für „Bildung für nachhaltige Entwicklung" stark zu machen. Dies kann dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad des Konzepts zu steigern und so seine Wirksamkeit zu erhöhen. Wertvolle Informationen sowie fundierte Materialien finden sich auf der Internetseite www.bne-portal.de, ausgezeichnete Best-Practice-Beispiele unter www.unesco.de.

Welche Fragen bleiben offen?

Obwohl bereits in knapp drei Jahren die UN-Dekade beendet sein wird, lässt sich bislang nur schwer ausmachen, welche langfristigen Auswirkungen sie haben wird. Für den frühpädagogischen Bereich bleibt die Tatsache, dass das Konzept der „Bildung für nachhaltige Entwicklung" noch keinen verbindlichen Charakter erhalten hat. Ob BNE tatsächlich in den verbleibenden drei Jahren implementiert werden kann - sei es in den Bildungsplänen oder in der Aus- und Fortbildung pädagogischer Fachkräfte -, ist zum jetzigen Zeitpunkt fraglich. Eine Reihe von verheißungsvollen Nachhaltigkeitsprojekten sind im frühkindlichen Bereich in den zurückliegenden Jahren gestartet worden, aber die flächendeckende Umsetzung konnte bisher nicht erreicht werden. Bleibt also die Frage, in welchem Umfang die politischen Entscheidungsträger die Forderungen und Vorschläge der UNESCO berücksichtigen werden. Leitungskräfte und ihre Teams haben darauf nur wenig Einfluss. Wichtig sind aber die Anliegen, die hinter dem Konzept stehen. Und die lassen sich auch ohne eine Verbindlichkeit gut im pädagogischen Alltag umsetzen. Übrigens: Für Erzieherinnen bietet „Leuchtpol" kostenlose Fortbildungen zu BNE an (Näheres dazu unter www.leuchtpol.de).

Quelle: www.bne-portal.de

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