Übergänge (Transition)

"Als Transitionen (lat. transitus = Übergang, Durchgang) werden bedeutende Übergänge im Leben eines Menschen beschrieben, die bewältigt werden müssen. Innerhalb dieser Phasen finden in relativ kurzer Zeit wichtige Veränderungen statt. Die Kinder sind unterschiedlichen Belastungen unterworfen, da sie sich einer neuen Situation anpassen müssen.

Als kritisches Lebensereignis kann sich ein Übergang positiv oder negativ auf die Entwicklung eines Kindes auswirken. Gelingt die Anpassung an die neue Lebenssituation nicht, entsteht Stress. Wie Kinder einen Übergang meistern, hängt u. a. von ihrer psychischen Widerstandsfähigkeit ab (Resilienz). Griebel/Niesel (2004) beschreiben drei Ebenen, auf denen bei einem Übergang

Anforderungen zu bewältigen sind:

  1. die individuelle Ebene: Die Kinder erleben einen neuen, veränderten Status, das Selbstkonzept verändert sich, die Kinder müssen mit Emotionen umgehen und neue Kompetenzen ausbilden.
  2. die interaktionale Ebene: Beziehungen werden beendet, verändern sich und werden neu aufgebaut. Ein Kind übernimmt z. B. als Kindergartenkind eine neue Rolle.
  3. die kontextuelle Ebene: Der neu hinzugekommene Lebensraum (der Kindergarten, die Schule) wirkt sich auf das Familienleben aus. Wesentliche Transitionen sind für Kinder der Eintritt in die Kinderkrippe, in den Kindergarten, in die Schule sowie der Wechsel auf eine weiterführende Schule und der Übergang in das Jugendlichenalter. Eine weitere Transition kann für Kinder die Trennung oder Scheidung der Eltern sein.

Nach dem Transitionsmodell wird zwischen Akteuren unterschieden, die den Übergang aktiv bewältigen (die Kinder und Eltern), und denen, die den Übergang moderieren (die Erzieherinnen, aber auch die Kinder in der Gruppe). Die Erzieherinnen müssen die Signale des Kindes feinfühlig wahrnehmen und richtig interpretieren, damit die verantwortliche Bindungsperson angemessen reagieren kann (Konzept der Feinfühligkeit). Transitionen sind also Prozesse, die sich beeinflussen und gestalten lassen. Mitbeteiligt sind die Kinder und deren Eltern sowie Erzieherinnen, Lehrerinnen und auch Mitarbeiterinnen helfender Dienste.

Theoretische Grundlagen kommen in der Transitionsforschung aus verschiedenen Richtungen:

  • Konzept der Entwicklungsaufgaben: Kinder müssen in ihrer Entwicklung Aufgaben bewältigen und benötigen dazu verschiedene Fähigkeiten und Kompetenzen.
  • Bindungstheorie (Bindung): Eine sichere Bindung ist eine Grundvoraussetzung für gelingende Transitionen.
  • Stressansatz: In Transitionen tritt Stress auf, wenn die Kinder überfordert werden. Stresstheorien liefern Ansätze zur Erklärung von Stress."