Christliche Ethik

Christliche Ethik ist eine Grunddisziplin der Theologie und wird der systematischen Theologie zugeordnet. Die christliche Ethik stellt einen Gegensatz zur philosophischen, „weltlichen“ Ethik dar. Die philosophische Ethik möchte Normen und Regeln begründen, die jeder Mensch, unabhängig von seiner Glaubenseinstellung oder seiner Weltanschauung, akzeptieren kann. Die Fragen nach richtigem Handeln und nach der individuellen Freiheit stehen im Vordergrund. Man untersucht den Gehalt von Moral und hinterfragt kritisch, was Moral bedeutet. Dazu gehört auch die Definition von Werten und des „Guten“. Die christliche Ethik befasst sich ebenfalls mit Werten, Tugenden und Moral. Allerdings beruft sie sich auf die Bibel und auf Jesu Wirken, denn davon ist der Findungsprozess der Definition des Guten abhängig. Nur durch die Betrachtung von Gott und dem Studieren der Heiligen Schrift wird in der christlichen Ethik deutlich, was gute Sitten, Moral und Gerechtigkeit sind.

Im Wesentlichen lassen sich vier Grundsätze christlicher Ethik festlegen:

  • Gott hat die Welt und alles, was auf ihr ist, geschaffen und dem Menschen anvertraut.
  • Der Mensch ist als Ebenbild Gottes geschaffen und hat dadurch einen Wert, der durch die Beziehung zu Gott begründet ist.
  • Das Doppelgebot der Liebe (s.u.) ist das höchste Gesetz, nach dem der Mensch leben soll.
  • Der Mensch wird durch die an Gott gerichtete Dankbarkeit dazu motiviert, Gutes zu tun.

Nach katholischer Glaubensüberzeugung können Gläubige durch das Einhalten dieser Grundsätze bzw. Glaubensüberzeugungen von Sünde befreit werden. In ihnen finden sich auch die christlichen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Recht wieder. Als Kern der christlichen Ethik kann das Doppelgebot der Liebe aus Matthäus 22,37-40 gesehen werden:
Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«. Dies ist das höchste und erste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Von diesem Gebot hängen alle anderen Gebote, so auch die Zehn Gebote, ab. Als Gegensatz zum Handeln nach der christlichen Ethik stehen die in der katholischen Kirche als die sieben Todsünden bezeichneten sündhaften Verhaltensweisen, die lauten:

  • Hochmut (Stolz, Eitelkeit)
  • Geiz (Habgier)
  • Wollust (Genusssucht, Begehren, Unkeuschheit)
  • Zorn (Jähzorn, Wut)
  • Völlerei (Maßlosigkeit, Selbstsucht, Gefräßigkeit)
  • Neid (Eifersucht, Missgunst)
  • Faulheit (Ignoranz, Feigheit, Trägheit des Herzens)

Nicht immer ist es leicht, nach christlicher Moral zu leben, da die Bibel nicht zu jeder Lebenssituation eine klare Handlungsanweisung gibt. Wendet man jedoch die christlichen Grundprinzipien an, erschließt sich vieles von selbst. Aus dem Grundsatz des Wertes eines jeden Menschen und aus der Bibelstelle in 1.Korinther 6, 19-20: „Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?“, lässt sich beispielsweise schlussfolgern, dass Gott Drogenkonsum nicht gutheißt, da wir durch den Gebrauch von illegalen Drogen unseren Körper, dem „Tempel des Heiligen Geistes“, willentlich Schaden zufügen, was außerdem auch dem Grundsatz, dass alles zu Gottes Ehre sein soll, wiederspricht.