Um die gottesdienstliche Feierkultur muss neu gerungen werdenPolarisierung und Verdächtigungen

Über Liturgie wird kontrovers diskutiert, nicht erst seit der Wiederzulassung ihrer „tridentinischen“ Form. Widersprüche zeigen sich zwischen hohen Erwartungen und alltäglicher Praxis. Während Regelmäßigkeit und Feierkultur vielerorts krisenhaft abnehmen, bleiben neue Chancen etwa im Bereich der Tagzeitenliturgie weitgehend ungenutzt.

Allen Plädoyers für eine überzeitliche Gestalt der Liturgie zum Trotz: Gottesdienste müssen sich ändern, um zu bleiben, was sie sind – und um immer neu zu werden, was ihnen verheißen ist, nämlich Begegnung der Menschen mit Gott und untereinander. Dass dabei theologische Kriterien ebenso im Spiel sind wie praktische Erwägungen, liegt auf der Hand. Das Hauptproblem ist derzeit die mangelnde Koordination dieser beiden Instanzen. Das führt gelegentlich zu praxisfernen Richtlinien, aber auch zu pragmatischen Entscheidungen, die theologisch kaum durchdacht sind.

Typisch für viele gegenwärtige Diskussionen ist ohnehin eine ungute Polarisierung. Hinter vielen einzelnen Kontroversen – liturgische Kreativität und Suche nach mehr Lebendigkeit oder Aktualität auf der einen Seite, der Ruf nach Einhaltung aller Vorschriften mitsamt der Forderung nach mehr Anbetung auf der anderen – stehen zudem recht gegensätzliche theologische Konzepte. Höchst divergierende Erwartungen richten sich an das Feiern: vom ästhetischen Kunstgenuss einer Mozartmesse bis zum kreativen Experiment im Jugendgottesdienst, von der theologisch begründeten Heiligung der Tagzeiten bis zum persönlichen Anspruch an das perfekte Ritendesign für den „schönsten Tag unseres Lebens“.

Liturgie im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit

Eine kleine Begebenheit mag veranschaulichen, welche Probleme bisweilen im Spiel sind: Den freundlichen Herrn am Telefon plagt eine wirkliche Not, denn nach dem Tod des Kirchenmusikers ist plötzlich das Orgelspiel verstummt. Nun will die Gemeinde eine Sammlung digitaler Gesangbuch-CDs nebst Lautsprecheranlage anschaffen. Das sei doch viel praktischer! Auf Knopfdruck des Priesters erklingt das Vorspiel zum Lied nebst Orgelbegleitung der Strophen, und dann singen alle mit – vielleicht. Nach der Kunst ist auch die Liturgie im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit angekommen. Wiederum spielt die Spannung zwischen pragmatischer Lösung und theologischer Stimmigkeit eine Hauptrolle. Der erwähnte Anrufer beim Amt für Kirchenmusik kann nicht verstehen, warum es für seinen kuriosen, aber keineswegs unüblichen Lösungsvorschlag keine finanziellen Zuschüsse geben soll. Was aber wäre der Gemeinde zu raten?

Zunächst ist daran zu erinnern, dass Liturgie ein lebendiges Geschehen ist: nicht das Werk von Maschinen, sondern primär von Menschen, die handeln, um sich für das Handeln Gottes an ihnen zu öffnen. Deshalb ist jener Gemeinde mit einem jungen Orgelschüler, der Erfahrungen sammeln muss, mehr gedient als mit einem CD-Player, der niemals imstande sein wird, auf die große oder kleine Schar der Singenden überhaupt, geschweige denn sensibel zu reagieren.

Gewiss, der Versuch des medialen Ersatzes für einen Rollenträger der Liturgie ist nicht alltäglich. Doch selbst in einer Bischofskirche im deutschen Sprachraum kann es einem passieren, dass an irgendeinem Werktag zur Untermalung der Gabenbereitung in der Heiligen Messe Orgelmusik vom Band erklingt. Und dass ein Brautpaar partout den CD-Player auf der Orgelbank platzieren will, um so die Begleitmusik für einen Solisten abzuspielen, geschieht immer häufiger. Wohl dem Organisten, der das Gewünschte live spielen kann und alle anderen Beteiligten, einschließlich den Kirchenrektor, davon überzeugt, dass dies die ästhetisch bessere und liturgisch einzig sinnvolle Variante ist.

Kommt bald die Reform der Reform?

Vieles, was einmal selbstverständlich war in der Liturgie, gilt nicht mehr uneingeschränkt: das gemeinsame und Generationen übergreifende Singen eines fraglos gültigen Repertoires etwa, oder die selbstverständliche Vertrautheit mit Riten und Formen. Zugleich erstarken nostalgische Tendenzen, was zur Grundfrage führt, ob denn die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils noch die „Magna charta“ des Gottesdienstes ist.

Jüngstes Beispiel für ein medial inszeniertes Scheingefecht waren Ende August 2009 die Meldungen einer italienischen Tageszeitung, dass liturgisch nun die „Reform der Reform“ – diesen Ausdruck lesen wir auch im ersten Band der Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers – bevorstehe. Die Quellen, auf die man sich stützen wollte, schienen jedoch eher dubios und nicht mehr ganz taufrisch, unter anderem ging es um einen Brief aus dem Jahr 2003. Und das Dementi aus dem vatikanischen Presseamt kam rasch: „Es gibt momentan keine institutionellen Vorschläge zur Änderung der aktuell im Gebrauch befindlichen liturgischen Bücher.“

Freilich gibt es subtile praktische Veränderungen, die aufhorchen lassen. Wer die Heilige Kommunion im Petersdom von Benedikt XVI. empfängt, tut dies in Form der Mundkommunion und kniend. Konservative Theologen beklagen ohnehin die Straßenkleidung der Kommunionhelfer, und manche fordern einen neuen Geist der Anbetung sowie das Ende aller nachkonziliaren Experimente. Aber führen solche Reizthemen wirklich ins Zentrum der Liturgie? Das scheint überaus fraglich. In Wirklichkeit geht es um mehr, vielerorts schlichtweg um den Fortbestand einer kontinuierlichen gottesdienstlichen Feierkultur.

Da Gottesdienste weder stets gelingen müssen noch können, ist Kritik an ihren Defiziten vielleicht so alt wie der Versuch, kultisch und gemeinsam zu feiern. Bereits das Alte Testament kennt äußerst drastische Formulierungen der Kultkritik: „Weg mit dem Lärm deiner Lieder. Dein Harfenspiel will ich nicht hören!“ ruft der Prophet Amos (5,23) seinen Glaubensgenossen als „Wort des Herrn“ entgegen. Zum Prüfstein des Feierns erhebt er Recht und Gerechtigkeit, also den kultisch-ethischen Zusammenklang über dem Grundton des Glaubens. Was aber hätte der Prophet zu unseren Gottesdiensten zu sagen? Etwa in den Sommermonaten, wenn das „Angebot“ urlaubsbedingt schrumpft, ohne dass eine Alternative zu den ausfallenden Eucharistiefeiern auch nur in Erwägung gezogen wird? Priester aus anderen Ländern füllen die Lücke mancherorts notgedrungen. Das ist ein wichtiger Dienst, aber er kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die allein priesterzentrierte Liturgie in einer tiefen Krise steckt.

Die flächendeckende „Versorgung“ wird in den nächsten Jahren vielerorts zusammenbrechen. An die Stelle der Eucharistie tritt das kaum genutzte Angebot, in eine Nachbar- oder Mittelpunktspfarrei zu fahren; oder – gerade bei treuen Kirchgängerinnen der älteren Generation – der mediale Ersatz vor dem Bildschirm. Wenn sich etwa auf dem Flur eines Altenheimes gleich mehrere gottesdienstliche „Soundscapes“ der einzelnen TV-Geräte vermischen, hinterlässt dies einen überaus zwiespältigen Eindruck von medialem Ersatz und fortgeschrittener Privatisierung.

Wie aber kann bei der jungen Generation, etwa in ländlichen Gegenden, der Eindruck vermieden werden, dass Gottesdienste nur noch von Zeit zu Zeit in der eigenen Kirche, einem einstmals „durchbeteten Raum“, gefeiert werden?

Wie verändert sich eigentlich ein Kirchenraum mitsamt den Menschen, wenn die zentralen Feiern des österlichen Triduums nur noch alle paar Jahre zu erleben sind? Dieser Traditionsabbruch darf nicht verharmlost werden. Er bringt das gesamte kirchliche Leben – gemäß dem Grundsatz, dass lex credendi und lex orandi sich gegenseitig bedingen – aus der Balance. Priestermangel und Gläubigenmangel, beides gibt es bekanntlich, bedingen und verstärken sich unheilvoll.

Liturgische Defizite bringen das kirchliche Leben aus dem Gleichgewicht

Versuche der letzten Jahrzehnte, die Tagzeitenliturgie in Gemeinden fruchtbar zu machen, sind eher selten geglückt. Weder mangelt es an theologischen Reflexionen noch an praktischen Handreichungen im Blick auf Worte, Riten und Musik. Doch der Funke will nicht überspringen. Vielleicht müssen neue Anknüpfungspunkte gesucht werden: zum einen im Kirchenjahr mit Adventsmeditation oder Fastenpredigt, zum anderen im Leben jeder Pfarrgemeinde bei Begegnungen aller Art, schließlich auch an den Lebenswenden etwa durch hinführende Gebetszeiten vor den Sakramenten der Erstkommunion oder Firmung.

Keineswegs vergessen dürfen wir die musikalisch-verkündigenden Chancen auf der Grenze von Konzert und Gottesdienst: Orgelvesper, musikalische Mittagsmeditation oder liturgisch-konzertante Komplet. Was aber, wenn die Mentalität schlichtweg in der Haltung festgefahren ist, dass die Feier der Eucharistie die einzige Form ist und bleiben soll, die wir wollen und die wir können?

Ob in Dorfkirchen oder Kathedralen, die Feiern um den „Tisch des Wortes“ sind nicht heimisch geworden, allen theologischen Einsichten vom biblischen Auftrag aller Christen zum gemeinsamen Gebet und Gesang – man denke an 1Thessalonicher 5,17: „Betet ohne Unterlass“ – zum Trotz. Zumal die Feier der Tagzeiten aus der Vertrautheit lebt, die weniger durch Kenntnisse und Erläuterungen zu erreichen ist, sondern durch regelmäßige Übung gewonnen wird. Nach wie vor werden solche Feiern allzu häufig vom Negativen her definiert: nicht-eucharistisch und priester-los. Sicher gibt es auch ermutigende Beispiele, wenn etwa Kurse und Fortbildungen durch die Tagzeitenliturgie das Programm „ora et labora“ neu beleben und so eine geistliche Strukturierung des Alltags gelingt.

Pragmatisch-kurzsichtige Wunscherfüllung gegen theologische Reflexion

Leider vermittelt auch die mancherorts am Sonntag notgedrungen praktizierte „Wortgottesfeier“ noch allzu sehr den Eindruck, nur Ersatz zu sein. Größere Resonanz ist zu erreichen, wenn der gegensätzliche Weg beschritten und die Feier des Wortes fast bis zur Unkenntlichkeit der Messe angeglichen wird. So ist etwa in der deutschsprachigen Schweiz die Kommunionspendung in der Wortgottesfeier üblich, von der die deutschen Bischöfe aus theologischer Einsicht abraten. Hauptberufliche Pastoralreferentinnen oder -referenten, die zugleich Gemeindeleiter sind, sprechen dabei sogar das eucharistische Hochgebet, jedoch unter Auslassung der Einsetzungsworte. Wohin aber soll eine solche Feier auf Dauer führen, und wie hoch ist der Preis?

Der gut gemeinte Hinweis auf die Bedürfnisse der Leute erweist sich letztlich als fatal, weil die pragmatisch-kurzsichtige Wunscherfüllung über die theologische Reflexion gesetzt wird. Zugleich stoßen wir auf ein generelles Manko: In vielen Bereichen findet eine Diskussion der kontroversen Argumente gar nicht mehr statt. Das liturgische Regelwerk wird immer differenzierter und starrer, die gegenläufige Praxis immer unbedachter. Allein die fruchtbare Beeinflussung der beiden in natürlicher Spannung zueinander stehenden Bereiche gelingt nicht mehr.

Neue pastorale Situationen erfordern neue Formen des Feierns

Besondere Sensibilität erfordern neue und alte Situationen des Lebens, die einer stimmigen Feier bedürfen und viel pastoral-liturgisches Fingerspitzengefühl verlangen. Wie etwa soll ein Priester oder Diakon mit dem Wunsch umgehen, dass bei einer Trauung die Braut vom Vater zum Altar geführt werden will, um dann aus dessen Obhut in die des Bräutigams quasi-symbolisch überzugehen; von weiteren film-inspirierten bis kuriosen Dingen – „Sie dürfen die Braut jetzt küssen!“ – ganz zu schweigen? Hier gilt es, die Spannung zwischen persönlich-ehrlichen Wünschen und liturgischen Erfordernissen zunächst einmal aufmerksam wahrzunehmen. Weder die pastoral noch die musikalisch Verantwortlichen dürfen auf die Rolle festgelegt werden, jeden Wunsch erfüllen zu müssen. Fast immer lassen sich Wege finden, wenn auf allen Seiten genügend Zeit, Geduld und Engagement vorhanden sind. Auch das bei rein theoretischer Betrachtung nur wenig passende Musikstück zu einer Trauerfeier kann eine sehr dichte Atmosphäre entfalten, wenn es von den beiden Enkelinnen der Verstorbenen mit spürbarer Anteilnahme auf Klarinette und Gitarre vorgetragen wird.

Die Liturgiefähigkeit der Menschen nicht unterschätzen

Ein Gottesdienst am Valentinstag – für langjährige Paare und solche, die dabei sind, es zu werden – ist eine pastoral-liturgische Chance, die nach lebensnaher Gestaltung ruft. Im biblischen Repertoire finden sich geeignete Worte, Bilder und Riten. Eine menschenfähige Liturgie wird zugleich die Liturgiefähigkeit der Menschen nicht unterschätzen. Und zeigen Familien nicht ein sicheres Gespür für den „Ernst des Lebens“, wenn sie heute, ganz im Unterschied zu früher, den Schulanfang eines ihrer Kinder gemeinsam mit anderen Familien in einer ökumenisch-gottesdienstlichen Feier begehen wollen? Zur musikalischen Gestaltung kann ein Kinderchor aus Grundschülern eingesetzt oder eigens ins Leben gerufen werden. Die Feier darf sogar einen Kontrapunkt zur Leistungserwartung oder Leistungsangst setzen. Wenn etwas davon gelingt, dann führt ein solcher Gottesdienst integrativ Generationen und Milieus zusammen, anstatt sie spartenweise in verschiedene Zielgruppen zu separieren.

Dass Viele, insbesondere aus den Reihen der „treuen Kirchenfernen“, den Kontakt zur Liturgie nur gelegentlich suchen, ist ein Faktum. Auch für sie müssen einladende Formen des Feierns entwickelt werden, die diese besondere Situation ernst nehmen und zugleich ein Erleben des Wesentlichen ermöglichen: Gesang und Gebet, Gotteswort und Antwort, Verwandlung des Alltags sowie eine Ahnung davon, dass Gott es ist, der an uns handelt.

Wie also heute den Glauben feiern? Das ist eine spannende Aufgabe, die auf Tradition ebenso wenig verzichten kann wie auf Kreativität. Die Sehnsüchte nach Ritus und Feier sind groß, während die Vertrautheit mit liturgischen Formen immer mehr abhandenkommt. Deshalb braucht es Feiern in neuen pastoralen Kontexten, bei denen nur wenig erwartet werden kann außer der Bereitschaft, da zu sein. Improvisation ist also durchweg gefragt. Fehl am Platz wären festgefügte Formen, die Vertrautheit und Wissen voraussetzen und eigentlich nur sinnlich-sinnvoll gelingen, wenn sie langfristig eingeübt worden sind.

Gleichzeitig sind alle Möglichkeiten im Blick auf größere Nachhaltigkeit zu intensivieren. Liturgie einüben, ihren Sinn im Kirchenraum erschließen und ihre Welt sinnlich erfahren, all dies muss neu zum Ziel der Katechese werden. Gottesdienstlicher Drill ist dabei ebenso verkehrt wie die zunehmende Beliebigkeit der Haltungen und Handlungen. Hier haben viele Kritiker der nachkonziliaren Entwicklung leider Recht. Liturgie hat viel von ihrer Schönheit und Klarheit verloren. Langatmige Erklärungen traten an die Stelle des rituellen Vollzugs. Ob eine Gemeinde aber den Sinn des Halleluja-Rufes vor dem Evangelium nicht nur verstanden, sondern verinnerlicht hat, zeigt sich daran, ob es gelingt, dass sie sich – ohne Kommando und ohne besonderes Nachdenken – dazu von ihren Plätzen erhebt.

Die Symbolwelt des Glaubens scheint wie verschüttet, weil ihr zu wenig zugetraut wird. Vom „Glanz edler Einfachheit“ spricht die Konzilskonstitution (Nr. 34) im Blick auf die gottesdienstlichen Riten. Dies könnte ein alter und zugleich neuer Maßstab sein. Feinde der Liturgie sind seit altersher die Gedankenlosigkeit und die Nivellierung der Vielfalt. Beispiele hierfür gibt es in großer Zahl: die Osterkerze, die das ganze Jahr über am gleichen Platz neben dem Altar steht; taghelle und immer gleiche Beleuchtung des sakralen Raumes dank des elektrischen Lichtes. In solchem ästhetischen Einerlei geht die Vielfalt verloren. Und all das macht die Gottesdienste eintönig und wenig attraktiv.

Zur Vielfalt gehört auch die der Sprachen. Doch hier zeigt sich, wie sehr die Liturgie inzwischen zum Kampfplatz von Meinungen und Ideologien geworden ist, obwohl sie sich dafür denkbar schlecht eignet. Sowohl das Latein als auch die Zelebrationsrichtung sind Aspekte, die kaum noch unvoreingenommen zu diskutieren sind. Wenn das Latein zur Chiffre einer traditionalistischen Grundhaltung wird, wäre das verhängnisvoll, insbesondere für die Kirchenmusik und ihre großen Traditionen. Und letztlich ist auch die wieder breit zugelassene tridentinische Messe eine neue pastorale Herausforderung: Wie kann sie unter Vermeidung weiterer Polarisierungen und Verwerfungen in das gesamte gottesdienstliche Leben integriert werden?

Liturgisch-musikalische Kooperation bereits in der Ausbildung

Besonders viel ist im Bereich der Rollenvielfalt zu tun. In kontroversen Diskussionen um Anbetung, Korrektheit und Zelebrationsrichtung wird gelegentlich übersehen, dass die Vielfalt der Rollen zum Fundament der Liturgie zählt. Leider gelingt es bislang nur unzureichend, dieses dialogische Miteinander frühzeitig in der Ausbildung der pastoral und musikalisch Verantwortlichen nicht nur zu dozieren, sondern konkret einzuüben. Doch gerade darauf kommt es an. Ebenso wie die Musik braucht Liturgie das Einüben. Ziel ist die Vertrautheit, die erst das Eigentliche ermöglicht: sich selbst als Aktivist zurücknehmen, um offen zu werden für das Gemeinsame und das Empfangen.

Gespannt sein darf man da auf den Kirchenmusik-Kongress 2010 in Berlin, der genau diese Spannung unter der Überschrift „Einheit durch Vielfalt“ aufgreifen wird. Es geht um die Frage, welche Vielfalt es um der Einheit willen geben darf und geben muss. Eine uniforme Einheit der Liturgie kann es nicht mehr geben, weil die Grundbedingungen gottesdienstlichen Feierns äußerst bunt und geradezu ungleichzeitig geworden sind. Erstrangiges Ausbildungsziel auch für nebenberuflich Engagierte muss sein, damit sinnvoll umgehen zu lernen.

Liturgie braucht weder Polarisierung noch gegenseitige Verdächtigungen. Sie lebt jedoch in und aus fruchtbaren Spannungen, die nicht vorschnell aufzulösen, sondern umsichtig zu gestalten sind: Eucharistie und Tagzeiten, Planung und Spontaneität, alt und neu, Wort und Klang, Vielfalt und Einheit, horizontal und vertikal. Dass einige dieser Spannungen wieder neu ins Lot kommen, ist eine dringende Aufgabe.

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