5/2015Vom Sammeln und Tauschen

Inhalt

In dieser Ausgabe zeigt uns der vierjährige Leo aus Berlin seine Sammlung (s. S. 10 bis 11) – er sammelt Dinge vom Boden. Das wollte ich ihm gleichtun und in den Selbsttest gehen. Vor drei Wochen setzte ich mir deshalb das Ziel, Dinge vom Boden aufzusammeln. Dinge, die mir ins Auge springen und die eine besondere Wirkung auf mich haben. Es ging gut los: Nach einem fürchterlichen Regenschauer fand ich einen abgebrochenen Regenschirmhenkel. Wie schön das Holz glänzte ... – und wo der Rest des Schirms wohl gelandet ist? Schnell hatte ich jedoch in meinem Erwachsenendasein mein Vorhaben vergessen: Arbeit, Einkaufen, Spülmaschine, Waschen, Wirbelsäulengymnastik usw. Was auf dem Boden liegt, interessierte mich nicht mehr. Ich vergaß es einfach.

Nun sitze ich am Schreibtisch und möchte etwas über das Sammeln schreiben. Was ist aus meinem Selbsttest geworden? Das Ergebnis sehen Sie auf dem Foto. Ein paar Dinge sind dann doch zusammengekommen. Alle gefallen mir. Sie gefallen mir sogar so gut, dass ich zu ihnen kleine Geschichten erzählen könnte. Was habe ich daraus gelernt? Das Sammeln von Dingen ist eng mit Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Sichtweisen und Ästhetik verknüpft. Als Erwachsene husche ich schnell an vielen Dingen vorbei, ohne diese wahrzunehmen und zu erkennen. Kinder haben diese Fähigkeit noch – ich eigentlich auch, dennoch messe ich ihr keinen Wert bei. Schade, denn genau das sollte ich tun. In Ihrer Arbeit mit Kindern sollten auch Sie das tun: aufmerksam und wachsam sein. Nicht nur gegenüber den Dingen, sondern vor allem gegenüber Kindern, die Dinge in Hosentaschen, in Schuhkartons oder im Garderobenfach sammeln. Mit dieser leidenschaftlichen Tätigkeit zeigen sie uns Erwachsenen, wer sie sind und was ihnen wichtig ist.

Fangen Sie mit dieser Ausgabe an, die Dinge neu wahrzunehmen, halten Sie Ihre Augen und Ohren auf, um sammelnden Kindern wertschätzend entgegenzutreten.

Mit einem herzlichen Gruß
Monika Janzer

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