Ängste

Der Wochenrückblick.

Wenn ich aus dem Büro nachhause fahre, komme ich seit neuestem an einem Bibelzitat vorbei, das jemand auf dem Fahrradweg an einen Laternenpfahl geklebt hat. Es ist der Anfang von Psalm 112: „Selig der Mann, der den Herrn fürchtet und sich herzlich freut an seinen Geboten.“ Auf dem Heimweg denke ich über das Konzept der Gottesfurcht nach. Natürlich hat das Wort mehr mit Ehrfurcht, als mit Angst zu tun, und doch: Wurde der Glaube nicht lange als Waffe eingesetzt, um Menschen Angst zu machen? Und wovor fürchten wir uns heute?

1 | Köln. Kaum etwas macht so viel Angst wie der Krieg. Die Initiative Nachrichtenaufklärung hat den Preis für Pressefreiheit und Menschenrechte in diesem Jahr an zwei Organisationen verliehen, die sich für den Frieden in einem der dramatischsten Kriegsgebiete der Welt einsetzen: die palästinensische Initiative Women of the Sun und die israelische Gruppe Women Wage Peace. „Sie setzen sich seit Jahren dafür ein, Brücken zu schaffen und gemeinsam friedliche Aktionen durchzuführen“, heißt es in der Urteilsbegründung.

2 | Vatikanstadt. Werden die Kriege der Zukunft noch gegen Menschen geführt? Auch der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) macht vielen Angst. Das milliardenschwere Technik-Unternehmen Cisco ist jetzt dem KI-Bündnis des Vatikans beigetreten. Die Unterzeichner, zu denen auch schon Branchengrößen wie Microsoft und IBM zählen, verpflichten sich, ihre KI-Systeme zum Wohle der Menschheit einzusetzen.

3 | Bogotá. Angst vor einer Mückenplage hat in Kolumbien zu einem Streit zwischen einem Priester und seiner Gemeinde geführt. Der Pfarrer hatte ein Verbot von Plastikblumen auf dem Friedhof angeregt, weil diese oft über lange Zeit in Vasen stehen, die zur Brutstätte von gefährlichen Insekten werden. Nachdem das Verbot durchgesetzt wurde, schickten anonyme Täter Morddrohungen an den Priester.

4 | Kinshasa. Kardinal Fridolin Ambongo Besungu, Erzbischof des Kongo, hat sich nicht mit seiner Gemeinde, sondern direkt mit der Regierung seines Landes angelegt. Während einer Messe soll er die Finanz- und Sicherheitspolitik kritisiert haben und wurde jetzt von der Generalstaatsanwaltschaft vorgeladen. Offenbar haben manche Regierungen Angst vor Geistlichen, die sich trauen, offen ihre Meinung zu sagen.

5 | Vatikanstadt. An anderer Stelle fragt man Priester ganz bewusst nach ihrer Meinung. Rund 200 katholische Pfarrer aus allen Teilen der Welt kamen in dieser Woche in Rom zusammen, um über die Zukunft der katholischen Seelsorge zu beraten. Ein willkommender Schritt, die Basis zu Wort kommen zu lassen, nachdem bisher vor allem Bischöfe und Universitätstheologen die Debatte zur Kirchenreform geprägt haben.

6 | Mexiko-Stadt. Theologisch macht kaum etwas so viel Angst wie die Theodizee-Frage, die Frage, warum ein guter Gott schlimmes Leid zulässt. Für die Angehörigen von 18 Menschen, die bei einem Busunfall auf dem Weg in den Wallfahrtsort Chalma ihr Leben verloren, stellt sich diese Frage mit neuer, schrecklicher Härte.

7 | New York. Wenn uns beim Blick in die Weiten des Himmels mulmig wird, muss das nicht mit falsch verstandener Gottesfurcht zusammenhängen. Die Astrophysikerin Lisa Kaltenegger geht davon aus, dass wir in den nächsten zehn Jahren Beweise für Leben auf anderen Planeten finden werden. Aber sie ist optimistisch, dass das friedlicher ablaufen wird als in zahlreichen Science-Fiction-Filmen. „Ich glaube, es wird ein sehr schöner Tag für die Menschheit werden“, sagt sie in der Zeit. Biblisch gesprochen: „Fürchte dich nicht.“

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