7 Momente aus 7 TagenWie im Film

Der Wochenrückblick.

In den letzten Tagen habe ich viel Zeit damit verbracht, mir einen persönlichen Kinoplan für die Berlinale zusammenzustellen. Wenn diese Ausgabe Sie, liebe Leserinnen und Leser, erreicht, werde ich schon bei dem Filmfestival sein, um für Sie nach spannenden und berührenden Neuerscheinungen zu suchen. Das kann dazu führen, dass man auch den Alltag durch eine Film-Brille sieht. Ist die Weltpolitik nicht manchmal eine einziges Drama? Oder – gemessen an den letzten Jahren – sogar ein Katastrophenfilm? Im klassischen Erzählschema spricht man vom „All is Lost“-Moment, in dem alles verloren scheint, bevor es sich dann doch wieder zum Guten wendet. Eine sehr christliche Vorstellung: Auch wenn die Leinwand schon dunkel ist – manchmal lohnt es sich, sitzen zu bleiben und auf das zu warten, was noch kommt.

1 | Berlin. Vor 30 Jahren gründete eine Fraueninitiative die erste Tafel in Deutschland. Inzwischen ist daraus ein gigantisches Hilfsnetzwerk mit knapp 1000 Ablegern geworden, das auch Geringverdiener und Geflüchtete mit Lebensmitteln versorgt. Ein eindrucksvolles Beispiel für Nächstenliebe – und trotzdem bleibt der bittere Beigeschmack, dass Menschen in einem so reichen Land auf private Initiativen angewiesen sind, um zu einer abwechslungsreichen Ernährung zu kommen.

2 | Isfahan. Medienberichten zufolge hat das iranische Regime mehrere jahrelang eingesperrte Aktivisten aus der Haft entlassen, Tausende weitere Amnestien wurden angekündigt. Kritiker gehen davon aus, dass die Machthaber mit der Aktion von den aktuellen Protesten im Land ablenken wollen.

3 | Rosenheim. Noch eine reine Marketingmasche? Pünktlich zum Valentinstag bot der evangelische Pfarrer Günter Nun eine kirchliche Hochzeit to go an. Verliebte konnten ganz spontan vorbeikommen und sich offiziell trauen lassen. Er wollte ein Angebot für Paare schaffen, denen der Trubel und die Kosten einer klassischen Hochzeit zu viel seien, sagte Nun der Münchner Abendzeitung.

4 | East Palestine. Vom schönsten Tag im Leben zur Apokalypse auf Erden: Nachdem Anfang des Monats ein Zug mit giftigen Chemikalien im US-Bundesstaat Ohio entgleist ist, lässt sich noch immer nicht abschätzen, wie groß die Gefahr für Mensch und Umwelt ist. Bilder aus der nahegelegenen Stadt East Palestine zeigen Zustände, die an biblische Plagen denken lassen: Eine Rauchwolke verdunkelt den Himmel und zahllose Fische treiben tot in den Bächen.

5 | Jerusalem. Düstere Aussichten auch in Israel: Polizeirabbiner Rami Berachjahu hat Gläubige mit Waffenschein dazu aufgerufen, auch am Schabbat und in der Synagoge Waffen zu tragen. Nur so könne man sich gegen Anschläge wehren.

6 | Addis Abeba. In Äthiopien hat die Regierung begonnen, den Zugang zu Sozialen Medien einzuschränken, um Proteste zu verhindern. Auslöser der Unruhen war ein Streit zwischen der Regierung und der orthodoxen Kirche des Landes, die den Machthabern vorwirft, abtrünnige Bischöfe zu unterstützen.

7 | Bonn. Wie problemlos die Zusammenarbeit von Staat und Kirche hierzulande funktioniert, zeigt sich zum Beispiel am konfessionellen Religionsunterricht. Die katholischen Bischöfe haben sich jetzt dafür ausgesprochen, in der Grundschule mehr Wert auf „religiöse Sprach- und Kommunikationsfähigkeit“ zu legen als auf reines Auswendiglernen von Fakten.

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