Leserbriefe

Nur politisch?

Der Artikel über den herablassenden Umgang mit unserer Außenminsterin (vgl. „Diese junge Dame“ in CIG Nr. 8, S. 6) ist mir aus dem Herzen gesprochen. Bei ihren ersten Besuchen im Ausland ist mir auch aufgefallen, dass ihre meist männlichen Gegenüber sie nicht so ganz ernst genommen haben. Sie erweckten manchmal den Eindruck von lächelndem Wohlwollen, so wie man ein Kind ansieht. Das lässt mich an die Situation der Frauen in unserer katholischen Kirche denken, die mit ihren Anliegen und Forderungen ebenfalls oft nicht ernst genommen werden. Es hängt immer noch davon ab, ob der „Priester-Chef“ ihre Mitarbeit schätzt oder kontrolliert.

Anneliese Ising, Essen

Was für eine unkritische Heroisierung der Außenministerin!

Johannes M. Führt, Hagen

Nehmen wir einmal an, es hätte aus der Ostukraine ein gleiches Bild von Frank-Walter Steinmeier gegeben und im Fernsehen dazu den Kommentar „dieser alte weiße Mann, der unser Außenminister war“. Und ebenso die Bemerkung, man sehe ihm an, dass er „sich in dieser Situation nicht besonders wohl“ fühlt (wer täte das?) und dass es „nicht seine Welt“ sei (auch meine ist es nicht, glücklicherweise) – hätten Sie sich zu einer vergleichbaren „Entlarvung“ herausgefordert gesehen und verwiesen auf Thomas Morus, Gandhi, Martin Luther King, Romero … und Paulus und Jesus und andere tough men der Bibel?

Klemens Gehlmann, Münster

Wer einwendet, dieser Artikel sei ja nur ein „politischer“ Beitrag, dem ist wohl dessen geistliche Dimension entgangen.

Matthias Mau, Rinteln

„Ja“ zum Leben

Ich danke Ihnen für den hilfreichen Artikel „Das ‚Nein‘ kultivieren“ (CIG Nr. 8, S. 3) von Kerstin Schlögl-Flierl und Alexander Merkl, der hinsichtlich der im Februar 2020 vom Bundesverfassungsgericht verfügten Neuregelung der sog. Suizidbeihilfe eine fundierte Perspektive aufzeigt. Eine Gesellschaft, die achselzuckend auf das Selbstbestimmungsrecht verweist, wenn sich jemand umbringt, ist nicht frei. Sie ist zynisch. Zudem kränkt es die Menschenwürde, wenn auf eine tödliche Verzweiflung mit der Tötung des Verzweifelten reagiert wird. Das gilt auch für die Selbsttötung, ob assistiert oder ohne fremde Hilfe vollzogen.

Bischof em. Heinz Josef Algermissen, Fulda

Berührend

Der Beitrag „Fest der heilsamen Begegnung“ (CIG Nr. 7, S. 6) hat mir sehr gefallen, weil darin eine ganz tiefe Wahrheit zum Ausdruck kommt. Das, was darin angesprochen wird, ist für mich in den letzten Jahren so etwas wie ein Lebensthema geworden. Pfarrer Felix Evers formuliert es zu Beginn so: „Erlösung durch Umarmung. Das Christentum lebt davon, Gott gegenwärtig zu halten, indem es seine liebende ‚hautnahe‘ Zuwendung zu allen Geschöpfen erfahrbar macht.“ Angemessene Körperkontakte sind für Menschen nicht nur wichtig, sondern tatsächlich lebensnotwendig! Für mich sind sie so etwas wie ein Menschenrecht. Dies sage ich als Hautärztin, als Christin und als Ansprechperson für Missbrauchsopfer im Bistum Aachen. Menschen, die unter schweren Hautkrankheiten leiden, sind auch in der heutigen Zeit häufig stigmatisiert. Von ihren Mitmenschen werden sie nach wie vor oft wie „Aussätzige“ behandelt, auch wenn sie unter einer nicht ansteckenden Krankheit wie etwa Psoriasis (Schuppenflechte) oder Neurodermitis leiden. Unser Berufsverband der Dermatologen kämpft gegen solche Ausgrenzung. Jesus hat es uns vorgemacht. Er hat die Kranken berührt und dadurch geheilt. Für mich ergibt sich in diesem Zusammenhang eine andere wichtige Frage: Wie können Priester in der heutigen Zeit die notwendigen menschlichen Berührungen erhalten, die auch sie brauchen? Gerade durch das Zusammenfallen von Pandemie, Missbrauchs- und Me too-Debatte wird die Lösung dieser Frage nun besonders drängend. Wir alle brauchen menschliche Berührungen.

Dr. Christina Engels, Aachen

Das Gleichgewicht kippt

Es stimmt: Normalerweise sind in Indien die Alltagsbeziehungen der Anhänger verschiedener Religionen außerordentlich gut. Es ist tatsächlich ein „Gelebter Dialog“, wie es ihn kaum anderswo gibt (vgl. CIG Nr. 8, S. 4).Martin Kämpchen schildert außerdem zutreffend, wie sich Religionen gegenseitig bereichern können. Doch hat sich unter der Regierung des Hindu-Fundamentalisten Narendra Modi das Blatt gewendet. Muslime, Christen und andere Minderheiten erleiden derzeit schwere Benachteiligungen und Bedrohungen.

Klaus Beurle, Würzburg


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