7 Momente aus 7 TagenAlte neue Ideen

Wer sein Büro umräumt, kann ins Grübeln kommen. Über sein Leben – und die Welt. Der Wochenrückblick.

In meinem Büro entsteht ein neuer Arbeitsplatz. Das bedeutet, dass Tische ausgetauscht, Schubladen geleert und Regale ausgeräumt werden. Dabei fällt einem einiges in die Hände, das man schon vergessen hatte. Und es stellen sich Fragen, wie: Was habe ich mir bei dem System damals gedacht? Oder: Wieso habe ich geglaubt, ich müsste das hier alles aufheben?

Inzwischen steht auch ein großer siberner Papiermüll-Container in meinem Büro. Und es fühlt sich tatsächlich befreiend an, all die Papierstapel zu entsorgen, die sich im Lauf der Zeit angesammelt haben und seit Monaten in meinen Fächern und auf den Tischen gelagert waren. Vielleicht muss man manchmal das Alte loslassen, um Platz für neue Ideen zu schaffen. Jedenfalls bis man sich ein paar Jahre später wieder fragt: Was hatte ich mir denn dabei gedacht?

1 | Berlin. Eine große Debatte der Woche drehte sich um eine neue Idee, die eigentlich eine alte ist: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat vorgeschlagen, einen allgemeinen Pflichtdienst einzuführen, bei dem junge Menschen soziale Aufgaben und Verantwortung übernehmen sollen. Journalisten, Politiker und Juristen diskutierten die Idee ausgiebig – die Altersgruppe, um die es in dem Vorschlag geht, kam selten zu Wort. In einer aktuellen Umfrage des Hamburger Opaschowski Institut für Zukunftsforschung sprachen sich fast zwei Drittel der Jugendlichen für ein verpflichtendes Dienstjahr aus. Der Wert hatte sich seit Beginn der Corona-Pandemie fast verdreifacht.

2 | Leipzig. Der jüdische Geistliche Zsolt Balla ist seit einem Jahr als Militärbundesrabbiner im Amt – und sehr zufrieden damit, wie sich seine Aufgabe entwickelt hat. „Eines der wichtigsten Ziele war, die jüdische Militärseelsorge sichtbar zu machen und für Soldaten da zu sein. Da haben wir bereits manches erreicht“, sagte er der KNA. Die Einrichtung der jüdischen Militärseelsorge galt im letzten Jahr als historisches Ereignis. Feldrabbiner hatte es zuletzt im Ersten Weltkrieg gegeben. Wieder eine alte Idee, die zu neuem Leben gefunden hat.

3 | Colmar. Die Stadt im Elsass hat hunderte Hühner an die Einwohner verschenkt. Seit mehreren Jahren werden die Vögel als natürliche „Müllschlucker“ verteilt. Die Besitzer füttern sie mit Küchenabfällen und sparen so inzwischen jedes Jahr etwa 90 Tonnen Biomüll ein.

4 | Rabat. Der britische Film The Lady of Heaven („Die Herrin des Himmels“) über die Entstehungszeit des Islam wird aus marokkanischen Kinos verbannt. Der Vorwurf: Der Drehbuchautor würde Parallelen zwischen dem Leben der ersten Muslime und der Terrormiliz Islamischer Staat ziehen.

5 | Jerusalem. Es gibt auch positive Nachrichten aus der islamischen Welt: Nach Jahren der diplomatischen Eiszeit haben die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Geplant sind Lockerungen der aktuellen Handelsbeschränkungen, die die Länder wirtschaftlich näher zusammenbringen sollen.

6 | Vatikanstadt. Vatikanische Ukraine-Sondermünzen stoßen auf so großes Interesse, dass die ersten Prägungen – immerhin 3000 Stück – bereits ausverkauft sind. Jetzt wird eine zweite Prägung angefertigt. Der gesamte Erlös kommt der Ukraine zugute.

7 | Noch einmal Berlin. Die Internetseite www.kirchenaustritt24.de ködert Kunden mit irreführenden Versprechungen. Das kritisieren die Berliner Zivilgerichte. Die Betreiber der Seite werben damit, für knapp 30 € einen digitalen Antrag zum Kirchenaustritt zu erstellen. Nach Ansicht der Berliner Gerichte ist das kein Mehrwert für die Kunden. Wer aus der Kirche austreten will, muss weiterhin selbst beim Standesamt erscheinen oder eine beglaubigte Erklärung einreichen.

Der Wochenrückblick von

Simon Lukas

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