NachrufAuf der Spur des Spirituellen

Redaktion und Verlag trauern um CIG-Redakteur Jürgen Springer. Wort des Herausgebers.

CIG-Redakteur Jürgen Springer ist am Pfingstsonntag nach langer schwererKrankheit gestorben. Wir Kolleginnen undKollegen aus Redaktion, Marketing und dem ganzen Verlag Herder werden ihn vermissen  (Foto: Harald Neumann).
CIG-Redakteur Jürgen Springer ist am Pfingstsonntag nach langer schwerer Krankheit gestorben. Wir Kolleginnen und Kollegen aus Redaktion, Marketing und dem ganzen Verlag Herder werden ihn vermissen (Foto: Harald Neumann).

Ein Vierteljahrhundert lang haben wir als Kollegen in der CIG-Redaktion zusammengearbeitet. 1996 kam Jürgen Springer, gebürtig aus dem oberschwäbischen Biberach, von der Mainzer Allgemeinen Zeitung zu uns. Er hatte Theologie studiert, wollte in einem Orden einen geistlichen Beruf ergreifen. Doch zog es ihn mehr ins „Weltliche“, um das Religiöse mit dem Journalistischen zu verbinden. So ergänzte er seine Ausbildung mit Publizistik. Auf diesem Weg suchte er die manchmal im Säkularen recht unscheinbaren und gern übersehenen Spuren des Spirituellen und Religiösen gerade an diesen – wie man heute gern sagt–„Andersorten“ auf, in der Kunst, in der Literatur, wobei er sich besonders gern mit zeitgenössischer Lyrik befasste.

Springer war ein – im wörtlichen Sinn – sozialer Mensch, der sich privat wie betrieblich – unter anderem lange als Betriebsratsvorsitzender – um die Nöte anderer kümmerte. Die soziale Frage trieb ihn auch politisch um, große Themen, die weiterhin aktuell zur Diskussion stehen. Einer seiner ersten CIG-Beiträge handelte von der Sterbehilfe. Was heißt Menschsein, was Humanität aus christlichem Geist gerade auch in extremen existentiellen Situationen wie Krankheit, Armut, Behinderung, Tod? In starker persönlicher Frömmigkeit suchte Jürgen Springer ebenso die weiten, globalen Horizonte des Spirituellen auf, die interkulturellen und interreligiösen Perspektiven, etwa im Gespräch mit dem Islam.

Nach außen tritt das Alltägliche des Redaktionellen kaum spektakulär in Erscheinung, das Redigieren, Planen, die Begleitung des Umbruchs von Woche zu Woche. Jürgen Springer hat das ohne viel Aufhebens gemacht. Dieses schlicht „Selbstverständliche“ kennzeichnete seine spirituelle wie kollegiale berufliche Haltung. Seine letzten „Zeitgänge“ lauteten „Die Nacht des fastenden Menschen“. Springer bezog sich da auf einen Vortrag des peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa, der sich wiederum an die spanische Mystik anlehnte. Springer erinnerte in diesem Kontext an „jene Nacht, in der Jesus von den Toten auferweckt wurde und die Nacht der Sünde und des Todes durch das Licht des ewigen Lebens erhellt hat“. Bis heute gehe es im Christlichen immer wieder um diese „Zeit der Einfachheit“: „Wachsam und ehrlich gegenüber sich selbst sollen die Getauften versuchen, das Leben, das sie bei der eigenen Taufe vom Heiligen Geist empfingen, zu erneuern, solidarisch mit Christus, der durch Leiden und Tod zum neuen Leben bei Gott ging, solidarisch mit den Armen.“ Am Fest des Heiligen Geistes, am Pfingstsonntag, ist Jürgen Springer im 61. Lebensjahr nach langer schwerer Krankheit hinübergegangen in die ewige Heimat.

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