Leserbriefe

Weg der Kontemplation

Danke für den Nachruf auf Pater Franz Jalics (CIG Nr. 8, S. 2). Ich habe ihn nie persönlich kennengelernt, aber sein Buch hat mich vor vielen Jahren tief berührt. Seither mache ich jedes Jahr seine Kontemplativen Exerzitien unter kundiger Begleitung. Ja, es ist ein einfacher Weg von Begegnung und Hingabe. Und doch ist er auch (heraus-)fordernd. Denn er verlangt ein verbindliches und verlässliches Gehen auf diesem Weg, ein Sich-Öffnen und Ja-Sagen … Tag für Tag.

Katrin Graf, Hall/Österreich

Sie schreiben, Jalics’ Weisheit dürfe nicht verlorengehen. Aber mehr noch wäre zu sagen: Möge diese Weisheit in der Mitte der Praxis der Kirche(n) erscheinen! Weil hier ein unmittelbarer und einfacher Weg zu Gott eröffnet ist, gibt die Kontemplation Nahrung für geistigen Hunger. Sie ist zudem ein Heilmittel für die Neuorientierung angesichts des schlimmen Zustands kirchlichen Lebens. In der gegenwärtigen Situation ist sie mein vademecum – erfüllend und belebend.

Paul-Reiner Krieger, Neunkirchen-Seelscheid

Bildung recht verstanden

In CIG Nr. 8 machen gleich zwei Autoren auf den defizitären Zustand unseres Bildungssystems aufmerksam. Dazu möchte ich ergänzen: Die Aufgabe von Bildung besteht darin, jungen Menschen den Aufbau eines mündigen Selbst- und Handlungskonzepts zu ermöglichen, damit ihnen ein selbstbestimmtes Leben in einer komplexer werdenden Welt gelingen kann. Zurzeit sind Jugendliche jedoch einem Schul- und Hochschulbetrieb ausgesetzt, in dem Lerneffekte allzu zweckdienlich unter dem Aspekt ihrer ökonomischen Verwertbarkeit definiert werden. Die Erschließung sinnstiftender Denk- und Sprachhorizonte ist in den Lehrplänen vernachlässigt worden. Auf welches Leben in welcher Welt wollen wir junge Menschen eigentlich vorbereiten?

Dr. Paul Fringes, Bad Sassendorf

Es geht ein Stöhnen durchs Land, denn die gestressten Eltern sollen Homeschooling und Homeoffice zur gleichen Zeit bewältigen. Da, scheint mir, sind einige Regeln in Vergessenheit geraten. Hausaufgaben sind grundsätzlich Aufgabe der Kinder, nicht der Eltern. Auch der Lehrer muss dafür einige Regeln beachten. Er muss sich genau überlegen, ob die Kinder in der Lage sind, eine Aufgabe zu bewältigen. Die Planung bedarf großer Sorgfalt. Dazu wären natürlich einige Kenntnisse der Lernpsychologie recht hilfreich. Sollte ein Kind trotz guter Planung seine Hausaufgabe nicht bewältigen, kann es am nächsten Tag nichts vorlegen. Nun ist es Aufgabe des Lehrers, den entsprechenden Stoff noch einmal zu behandeln. Die Sorge, dass dann kaum einer mehr seine Hausaufgaben erledigt, ist unbegründet. Kinder sind ehrgeizig, sie wollen etwas leisten. Spätestens hier sei an die Überschrift des CIG-Interviews mit Klaus Mertes erinnert: „Bildung geht nur mit Beziehung!“ Eltern wollen ihre Kinder verständlicherweise fördern. Sie sollten aber auch bedenken, dass Hilfe bei Hausaufgaben kein probates Mittel ist, Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen.

Josef Grundner, Stephanskirchen

Berufene Frauen

Danke für den Beitrag „Gott hat mich schon längst geweiht“ (CIG Nr. 6, S. 3). Schon 1938 schrieb die weltweit erste Rabbinerin Regina Jonas, die später in Auschwitz ermordet wurde: „Fähigkeiten und Berufungen hat Gott in unsere Brust gesenkt und nicht nach dem Geschlecht gefragt. So hat jeder die Pflicht, ob Mann oder Frau, nach den Gaben, die Gott ihm schenkte, zu wirken und zu schaffen.“

Dr. Gertrud Rapp, Freiburg

Ich möchte daran erinnern, dass seit zweitausend Jahren übersehen wird, wie Männer in der katholischen Kirche diskriminiert werden. Schließlich betrifft die Menschwerdung Gottes allein Maria. Den Evangelien nach hat Gott bei diesem Schlüsselereignis der Heilgeschichte eine Hälfte der Menschheit – alle Männer – nicht berücksichtigt. Weil er es so wollte?

Eva Pánková, Uherský Brod/ Tschechische Republik

Bei der Überschrift musste ich an ein Lutherzitat denken: „Was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof oder Papst geweiht sei.“ Von daher: Ist es wirklich so abwegig, eine Protestantisierung der kathoischen Kirche als kaum vermeidbare Konsequenz auch des nun eingeschlagenen Synodalen Weges zu sehen? Sollte dies nicht auch offen ausgesprochen und diskutiert werden?

Franz Kosel, Lauffen a.N.

Die Weihe von Frauen zu Priesterinnen mag noch unmöglich scheinen. Aber ich bin sicher, auch das wird kommen. In unserer Diaspora in der Lüneburger Heide war es einst ein Kulturschock für mich, eine Pastorin zu erleben. Heute schlage ich als Katholik als Einziger am Ende eines evangelischen Gottesdienstes mein Kreuz beim Segen. Mein Gefühl tiefer Ehrfurcht und die Empfindung von Gottes Gnade ist unabhängig davon, ob ich dieses Segens durch einen Mann oder eine Frau teilhaftig werde.

Hans-Rüdiger Schlesinger, Bad Bevensen

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