Katechumenat als Chance für die FirmkatecheseFirmvorbereitung heute – auf der Suche nach einem neuen Konzept

Die Bücherregale in den Buchhandlungen sind übersättigt von unterschiedlichsten Erstkommunionkonzepten, aber aktuelle, in der Praxis erprobte und handhabbare Firmkonzepte wurden in den vergangenen Jahren nur wenig publiziert. Könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass kaum jemand ein Rezept hat, wie heutzutage junge Christen adäquat auf das Sakrament der Firmung vorbereitet werden können? Dabei bietet diese Begegnung, die nicht selten als Zweitkontakt nach der Erstkommunionvorbereitung erlebt wird, große Chancen, Kirche und Glaube für Jugendliche positiv erfahrbar werden zu lassen und ihnen vor allem mit ihren Fragen und Sorgen einen Raum und Ansprechpartner zu bieten.

Es gibt Momente im Leben, die einem länger in Erinnerung bleiben. Als ein solcher ist mir noch gut die letzte Firmvorbereitung im Gedächtnis. 93 Jugendliche aus drei Gemeinden, die sich an drei Nachmittagen im Gemeindehaus treffen, wollen – oder vielmehr sollen – in kleinen Gruppen über ihre Fragen, ihren Glauben und den Glauben der Kirche ins Gespräch kommen. Die Treffen enden jeweils mit dem Vorabendgottesdienst. Am Ende des zweiten Nachmittages gibt es allerdings viel Frust: Katecheten beklagen sich, Firmlinge sind unzufrieden, Gottesdienstbesucher suchen das Gespräch mit Firmlingen, da sie sich in ihrem Gebet und in der Mitfeier gestört fühlen. Eine Jugendliche, die seit ihrer Erstkommunion Messdienerin ist, möchte gerne diesen Dienst aufgeben, da die Gruppenerfahrung sie sehr frustriert habe. Auf der anderen Seite eine Katechetin, die mir nach über 15 Jahren katechetischer Tätigkeit mitteilt, dass sie zukünftig keine Firmgruppe mehr begleiten möchte. Zu anstrengend sei ihr die Arbeit in der Gruppe, zu wenig bereit die Jugendlichen, sich auf die Inhalte einzulassen.
Dieser Nachmittag hat mich und unser Pastoralteam veranlasst, über die Firmvorbereitung insgesamt nachzudenken. Infolgedessen wurden die Gremien und aktuellen Firmkatecheten eingeladen, gemeinsam mit uns in einem Katecheseausschuss ein neues Konzept zu erarbeiten. Wie genau muss solch ein Konzept aussehen? Ist eine „verordnete“ Kleingruppe nicht die richtige Antwort auf alle Individualisierungs- und Enttraditionalisierungstendenzen? Drei folgende Eindrücke können mutmaßlich zur Analyse beitragen:

Firmvorbereitung an drei Samstagen – eine Situationsanalyse

  • Am ersten Nachmittag sollten die Jugendlichen am Ende der Einheit einen Brief an Jesus schreiben. Was haben sie ihm zu sagen? Welche Fragen bewegen sie? Da die Briefe anonym waren, kamen viele Sorgen und Nöte der Jugendlichen zur Sprache: Leistungsdruck, Versagensängste, Tod der Großeltern und ihre Trauer darüber, aber auch Dankbarkeit für ein glückliches und zufriedenes Leben. Diese Texte haben mich sehr bewegt.
  • Im zweiten Treffen ging es um eschatologische Fragestellungen. Nach einem Gespräch mit einer Bestatterin waren die Jugendlichen eingeladen, ein Bild über ihre Jenseitsvorstellungen zu malen. Ein nicht geringer Teil malte einen Lebenskreislauf im Sinne der buddhistischen Tradition. Wer gut lebt, wird als guter, reicher Mensch wiedergeboren, wer sündigt als Pflanze oder Tier. Fünf, sechs andere malten ein komplett schwarzes Bild. Christlicher Auferstehungsglaube wird augenfällig mehrheitlich nicht geteilt (vgl. dazu auch die einschlägigen Jugendstudien).
  • In einem dritten Treffen sollten Jugendliche den Firmgottesdienst vorbereiten. Dafür zählten sie zunächst auf, wann sie im Gottesdienst waren: bei der Taufe einer Cousine und bei der Erstkommunion und jetzt natürlich bei den letzten Firmtreffen. Auf Nachfrage „Und doch wahrscheinlich Weihnachten?“ kam die Antwort: „Nein, da gehen wir nicht mehr.“
    Diese drei kurzen Situationsbeschreibungen zeigen vieles von dem, was sich immer wieder in vielen Gemeinden beobachten lässt: Die Jugendlichen haben eine geringe liturgische Praxis, verfügen über immer weniger (Glaubens-)wissen, sind aber insgesamt dem Glauben gegenüber aufgeschlossen und haben durchaus eine Gottesbeziehung.
    Wo und wie machen Kinder und Jugendliche denn heute religiöse Erfahrungen? Zumindest im Elternhaus wird der Glaube immer weniger praktiziert. All diese Punkte, Beobachtungen und Wahrnehmungen führten uns zu dem Gedanken, die Firmkatechese als Stufenmodell (vgl. Katechumenat) anzubieten. Bereits das Zweite Vatikanische Konzil propagiert solch eine gestufte Einführung in den Glauben (vgl. SC 64), wenn auch eigentlich gedacht für die Erwachsenentaufe. Wenn die Firmkatechese allerdings immer mehr dem Charakter einer Erstverkündigung entspricht, liegt eine Adaption nahe.

Was soll ich dir tun? (Lk 18, 41) – Bedürfnisorientierte Firmvorbereitung

Immer wieder hören wir in den Evangelien davon, dass Jesus zunächst die Menschen fragt, was sie eigentlich wünschen. Müsste der Ansatz der Katechese also nicht auch sein, zunächst auf die Fragen und Anliegen der Jugendlichen zu hören? Natürlich ist die Peer-Group die Gruppe, mit denen Jugendliche die meiste Zeit verbringen, doch oft ist es gerade in der Gruppe Gleichaltriger besonders schwierig, über den persönlichen Glauben zu sprechen. Daher müsste es m. E. ein Setting geben, bei dem die Jugendlichen sich nach Themen (was auch deren unterschiedliche Vorerfahrungen berücksichtigen würde) zusammenfinden. Natürlich dürfen dabei die Inhalte des katholischen Glaubens nicht vernachlässigt werden, aber ein zentrales Anliegen sollte es sein, diese mit dem konkreten Leben der Jugendlichen zu verbinden. Denn wenn der Glaube nur als Abstraktes, Außerweltliches bzw. Welt-Fremdes verstanden wird, hat die Katechese in ihrer eigentlichen Funktion versagt. „Die Katechese hat somit die Aufgabe, sowohl auf kognitive Weise Glaubenswissen zu vermitteln, als auch zur Umsetzung dieses Wissens in das alltägliche Leben der Gläubigen beizutragen.“ (Volker Malburg)
Inhalte solch eines „Workshopangebotes“ könnten zum Beispiel sein: „Was hat die Bibel eigentlich mit meinem Leben zu tun? – Bibelteilen ganz praktisch“ oder „Wer bin ich? – Einen Blick hinter die eigenen Masken wagen“ oder auch „Teamwork – Haben in unserer Gruppe wirklich alle Platz?“ Nach zwei solcher Treffen und damit einer ersten Auseinandersetzung mit den eigenen Fragen und Wünschen, folgt eine Segensfeier. Damit wird in besonderer Weise deutlich, dass die Jugendlichen sich mit ihrem Leben vor Gott stellen, um seinen Segen und Zuspruch zu erfahren und zugesagt zu bekommen. Zudem erleben sie eine liturgische Feier, denn nicht zuletzt sollten Jugendliche durch eine Firmkatechese befähigt werden, Liturgie mitfeiern zu können, sowie aus ihr heraus eine Verknüpfung von Glauben und Leben herzustellen.

Gemeindebeteiligung – Gemeinde als Missionare

Will Firmkatechese „erfolgreich“ sein, muss sie mit dem Leben der Pfarrei zu tun haben, also gewissermaßen einen „Erdungspunkt“ haben. Zudem müssen sich alle Gemeindemitglieder als Träger der Katechese ansehen. So sind in der Vergangenheit bereits viele Pfarreien dazu übergegangen, „Gemeindepraktika“ anzubieten oder den Jugendlichen „Gemeindepaten“ an die Seite zu stellen. Unser Modell sieht vor, dass die Jugendlichen nach dem Segnungsgottesdienst in einem Zeitraum von etwa einem halben Jahr eine gewisse Anzahl von Punkten sammeln, indem sie aus jedem Bereich der kirchlichen Grundvollzüge (diakonia, koinonia, martyria, liturgia) entsprechende Angebote auswählen. Dafür nehmen die Jugendlichen mit den jeweiligen Ansprechpersonen Kontakt auf und begleiten diese bei ihrem „Einsatz“. Das kann sein, dass die Jugendlichen z. B. beim Vorbereiten eines Seniorennachmittages helfen, mit dem Priester bei einer kirchlichen Beerdigung mitgehen oder einen Bastelnachmittag für Grundschüler vorbereiten. In diesen Begegnungen lernen die Jugendlichen nicht nur engagierte Christen kennen, die sich aus dem Glauben heraus für andere einsetzen, sondern erfahren überdies etwas über die verschiedenen Gruppen und Angebote der Pfarrei. Gleichzeitig kommen die Gruppen und Verbände mit jungen Menschen in Kontakt, die vielleicht Traditionen oder bestimmte Haltungen anfragen oder hinterfragen, so dass beide Seiten sich als Lernende verstehen könnten. Ergänzend wirkt sich diese Art der Firmkatechese möglicherweise auch auf das Gemeindeleben aus, wodurch Katechese im besten Sinn „betrieben“ würde. Denn das Ziel einer katechetischen Arbeit müsste es sein, alle Getauften für die Glaubensweitergabe zu motivieren, wozu durch Taufe und Firmung jeder beauftragt und berechtigt ist. Dieses hat nicht zuletzt das Zweite Vatikanische Konzil immer wieder betont und in den Mittelpunkt gestellt (vgl. AA). Einen identischen Gedanken greift auch Papst Franziskus in seinem apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ auf: „Jeder Getaufte ist, unabhängig von seiner Funktion in der Kirche und dem Bildungsniveau seines Glaubens, aktiver Träger der Evangelisierung, und es wäre unangemessen, an einen Evangelisierungsplan zu denken, der von qualifizierten Mitarbeitern umgesetzt würde, wobei der Rest des gläubigen Volkes nur Empfänger ihres Handelns wäre. (…) Jeder Christ ist in dem Maß Missionar, in dem er der Liebe Gottes in Jesus Christus begegnet ist“ (120).

Gespräche zur Entscheidungsfindung

Ziel der zweiten Phase müsste es sein, durch persönliche Begegnung und Gespräch mit aktiven (Gemeinde-) Christen das eigene Leben vor dem Hintergrund des Glaubens zu betrachten und nach dem „Mehrwert“ zu suchen. „Als hilfreich werden sich (…) persönliche Begegnungen, ja gar längerfristige Prozesse gemeinsamen Suchens erweisen. Schon heute gehören an vielen Orten persönliche Gespräche mit den Firmbegleiter/ innen oder den hauptamtlichen Seelsorger/innen zu Beginn, im Verlauf oder zum Abschluss der Vorbereitung zum festen Programm. Hier liegen Chancen, mit den Kandidaten die verborgenen Sehnsüchte freizulegen, um zu prüfen, ob es die Sehnsucht nach dem „‚Mehr‘ (…) des Glaubens ist“ (Patrik C. Höring). So schließt solch ein Gespräch auch in unserem Konzept diese Phase ab. Erst jetzt folgt eine dritte Stufe, welche die konkrete Vorbereitung (Zeichen der Firmung, Sakramentenverständnis, etc.) auf den Empfang des Firmsakramentes beinhaltet.

Was bleibt zu tun? – Offene Fragen

Die hier dargestellten Ausführungen können nur erste Ansätze bieten auf dem Weg zu einer zeitgemäßen und adäquaten Firmkatechese. Natürlich bleiben offene Fragen: Wie kann es gelingen, Kindern und Jugendlichen erfahrbar zu machen, dass Transzendenz nicht etwas Abstraktes ist, sondern durch die Menschwerdung Gottes sich im Hier und Jetzt ereignet? Wie und wo können Orte geschaffen werden, in denen Kinder und Jugendliche (und vielleicht auch Erwachsene) den Glauben erfahren/leben können? Wie kann es gelingen, den Glauben mit dem eigenen Leben zu verknüpfen? Sicherlich reicht dafür eine sehr begrenzte Vorbereitungszeit, dazu noch auf dem Weg zum Sakramentenempfang, nicht aus. Aber den Glauben nicht als etwas rein Kognitives zu verstehen, der sich allein auf den Kirchenraum beschränkt, kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

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