Die Jahreslosung 2024

Die Jahreslosung 2024
© Dorothea Layer-Stahl

Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe

(1. Korinther 16,14)

„Er war sanftmütig und freundlich“, so beginnt die Kurzgeschichte „Der Skorpion“ von Christa Reinig. Seine Gesichtsform, Augen und Brauen, Nase und Ohrläppchen scheinen eine andere Sprache zu sprechen. Sie stehen für Hinterlist, unstillbare Neugier, Hang zum Verbrechertum und ein grausamer Zug spielt um seinen Mund. Ob er sich selbst so negativ sieht oder ob ihn andere so bewerten, bleibt offen. Am liebsten vergräbt er sich hinter den Büchern. Er will nicht unter Menschen und versucht jede Begegnung zu vermeiden. Nur wenn alle Bücher ausgelesen sind, dann ist es unvermeidbar, dass er aus dem Haus geht.
Eine kurzsichtige Frau bittet ihn, Geld zu wechseln und es wäre ein Leichtes, die Scheine zu vertauschen und etwas für sich herauszuholen. Aber er erinnert sich daran, dass seine Augen für Hinterlist stehen und verzichtet darauf.
Auch bei den weiteren Begegnungen nimmt er sich immer mit Hinblick auf seine Natur zurück, beherrscht sich und hört über Beschimpfungen hinweg. Jede Begegnung hätte sonst in eine völlig falsche Richtung laufen können.
In der Buchhandlung findet er ein Buch, das er gerne gehabt hätte, aber es ist zu teuer für ihn und stellt es zurück. Am Ende entscheidet er sich für ein preiswerteres. Beim Bezahlen entdeckt der Kunde in der Schlange hinter ihm, dass er im Begriff ist, das letzte Buch von einer Ausgabe zu kaufen, die er so gerne gehabt hätte. Er verzichtet und reicht ihm das Buch. Der andere Kunde kann sich an dem Buch gar nicht satt sehen und verlässt nach dem Bezahlen begeistert den Laden.
Dem Buchhändler ist die Szene nicht entgangen. Weil das ein guter Kunde war, bietet er dem Skorpion das teure Buch an. Der winkt ab, das kann er sich nicht leisten. „Doch, sie können, sagt der Buchhändler, eine Liebe ist der anderen wert.“ Der Skorpion weint fast. Mit beiden Händen presst er das Buch fest an sein Herz und da er nichts mehr frei hat, reicht er dem Buchhändler zum Abschied seinen Stachel. Der drückt ihn und fällt tot um.

Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Gar nicht so einfach, das wird nicht nur der Skorpion in der Geschichte bestätigen. Oft ist es für uns noch nicht einmal einfach festzustellen, ab wann oder warum es schiefläuft. Ab wann fällt man aus der Liebe heraus? Es ist gerade dann am bittersten, wenn man das Gute will und doch etwas Böses dabei herauskommt.
Also alles vergebene Liebesmüh?
Vergeben ist es, wenn die Liebe zu einem so hohen Anspruch wird, dass man lieber gar nichts mehr tun will. Fatal ist es, wenn die Liebe dafür herhalten muss, selbst die schlimmste Tat noch rechtfertigen zu wollen. Bereichernd ist es, wenn wir uns Gottes Liebe schenken lassen und sie dann aus der Fülle weitergeben können. Befreiend ist es, wenn die Liebe unsere eigenen Grenzen sprengt und wir uns und andere nicht mehr an ihnen messen. Einfach ist es, Fehler machen zu können, wenn wir einander verzeihen können. Stärkend ist es, wenn die Liebe, die Kraft und Kreativität gibt, uns so zu träumen, wie Gott uns gemeint hat. Wunderbar ist es, in diese Liebe hineinzuwachsen. Wir haben ein ganzes weiteres Jahr dazu Zeit!

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