12/2019Dezember

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Zu meinen bleibenden Kindheitserinnerungen gehören grüne Kerzen. Es muss Anfang der 50er-Jahre gewesen sein. Ich weiß nicht, von wem die Aktion ausging, ob Kirche oder Bund oder Rotes Kreuz. Ich weiß nur noch, dass auch meine Eltern mitmachten.

In den Häusern unserer Straßen, in allen Häusern unseres Dorfes stand hinter einem Fenster in jeder Wohnung eine grüne Kerze und brannte. Ein stilles Gedenken, ein winzig kleiner Hoffnungsschimmer für die damals noch gefangenen und vermissten Männer. Und später galt dieses Zeichen den Menschen in der DDR, in der damaligen „Ostzone“. In jedem Haus ein Licht. Zeichen für die nach und nach heimkommenden Männer: Wir denken an euch, wir beten für euch, wir warten auf euch. In jedem Haus brennt ein Licht.

Auf mich hat das einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Damals, so schien mir, waren sich alle wenigstens in einer Sache einig. Die Not hatte eine Gemeinschaft geschaffen, die auch ein Kind spürte.

Fällt es schwer, sich in die damalige Zeit zurückzuerinnern? An den Scherbenhaufen damals, an die Ruinenstädte, an die vielen schweigenden Men-schen, denen die großen Worte und die lauten Töne spätestens nach Jahren im Hals stecken blieben, als das Ausmaß der Schuld, das Ausmaß der Zerstörung und das Ausmaß des Leides in allen Völkern erst nach und nach ins Bewusstsein rückte. Aus vielerlei Gründen war das eine viel leisere, zurückhaltendere, schweigsamere Zeit, gerade um Advent, Weihnachten und Jahreswende herum. In jedem Haus ein Licht – nicht ein einziges würde heute auffallen. Die kleinen Hoffnungszeichen haben es schwer.

Es ist eine gute Praxis, zum Gedenken ein Licht anzuzünden. Das mag das Osterlicht sein, das die Auferstehungsbotschaft weitererzählt, die grüne Kerze damals, die über unüberwindbare Grenzen hinweg Hoffnung ausstrahlten, oder die Advents- und Weihnachtslichter, die das Kommen und die Geburt Jesu Christi verkündigen.

Wir sind Jahr auf Jahr betroffen von diesem Geschehen um die Geburt Jesu. Jahr für Jahr leben wir – mehr oder weniger bewusst – auf diesen Abend, auf diese Nacht hin. Und wenn die Familienfeier auch wie oft schon nicht gehal-ten hat, was wir uns davon versprochen haben, trotzdem: Der Heilige Abend ist der eigentliche Zielpunkt unseres Jahreslaufes.

Es ist die Nacht, in der ein kleiner Lichtstrahl auf das große Geheimnis des Lebens, auf das große Geheimnis Gottes fällt. Ein Kind wird geboren, Gott wohnt unter uns. Aufs Neue ist uns gesagt: Unser Leben hat einen Absender und ein Ziel. Ich freue mich über jeden Tag, den ich leben darf aus diesem Licht. Und ich will meine Freude teilen mit anderen. Gott sei Dank für seinen Sohn. Ehre sei Gott in der Höhe – und auf Erden: Frieden.

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