Fachkraft-Kind-BeziehungEin gutes Miteinander im Kita-Alltag

Eine klare Alltagsstruktur und sensitive Fachkräfte sind der Schlüssel zu einer hohen Betreuungsqualität. Diese Qualität ist grundlegend für das Wohlbefinden und die Explorationsfreude der Jüngsten.

Ein gutes miteinander im Kita Alltag
© Michaela Fichtner

Sichere Bindungen, in denen Kleinkinder Vertrauen zu ihren Betreuungspersonen entwickeln, sind die entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Jüngsten in einer Kita oder in der Tagespflege zurechtkommen, sich dort wohlfühlen, explorieren und lernen. Allerdings ist auch bekannt, welchen Stress Kleinkinder erleben können, wenn sie einem Betreuungsumfeld ausgesetzt sind, das sich durch Hektik und ein insgesamt schlechtes Betreuungsklima ausweist (Ahnert 2020). Eine klare Alltagsstruktur, besonnene Abläufe und Personen, die zuwendungsbereit und sensitiv sind, stellen die Grundpfeiler einer guten Betreuung dar.

Bring- & Abholsituationen

Die täglichen Wechsel von zu Hause in die Kita oder Tagespflege können selbst bei erfolgreicher Eingewöhnung über einige Zeit noch problematisch sein. Die Gründe dafür sind vielfältig, jedoch immer ein Zeichen dafür, dass sich das Kind nur ungern von seiner primären Bezugsperson trennt und eine weitere Bindungsperson nur schlecht toleriert, auch wenn diese sensitiv ist. Die morgendlichen Szenarien sind dann für die Eltern häufig schwer auszuhalten, dürfen von ihnen jedoch auf keinen Fall persönlich genommen bzw. interpretiert werden. Die Betreuungspersonen sollten gemeinsam mit den Eltern ein morgendliches Abschiedsritual entwickeln, das die Situation entspannt. Bewährt haben sich dabei Übergangsobjekte, die die Kinder von zu Hause mitbringen, zumeist Kuscheltiere. Sie symbolisieren die Verbindung zur Familie, und die Betreuungsperson tut gut daran, diese Übergangsobjekte in ihre Kommunikation mit dem Kind einzubeziehen. Später können diese Objekte an einem bestimmten Ort abgelegt werden und ganz verschwinden, wenn sich die Bindung stabilisiert hat.

Abholsituationen können ebenfalls zum Problem werden: Während sich die einen Kinder auf ihre Eltern freuen, um nach Hause zu gehen, fangen die anderen an zu weinen und wollen ihre Spieltätigkeit nicht beenden. Auch hier erleichtern Rituale den Mädchen und Jungen den Abschied von der Kita oder Tagespflege. Wichtig bleibt, dass die Zusammenarbeit mit den Eltern durch diese Herausforderung nicht überschattet wird. Eltern und die Betreuungspersonen in Kita und Tagespflege sollten sich eine Grundhaltung erarbeiten, mit der sie sämtliche Bindungen des Kindes anerkennen und wertschätzen – selbst wenn weitere Probleme im Verhalten des Kindes auf Betreuungsmaßnahmen der jeweiligen Gegenseite zurückgeführt und diese als suboptimal wahrgenommen werden (Ahnert/Gappa 2008).

Übergänge vorhersehbar gestalten

Auch gängige Alltagsroutinen in Kita und Tagespflege stellen gewisse Herausforderungen für Kleinkinder dar. Die Übergänge vom Spielen zum Essen, vom Schlafen zum Händewaschen oder vom Anziehen zum Spielplatz können zu schwierigen Anpassungsbelastungen für Kinder werden. Wenn Eile, Hektik und emotionslos-formelles Vorgehen diese Situationen bestimmen, führt das schnell zu Irritationen. Die Kinder verlieren dann die Fassung, schreien und weinen. Durch Gefühlsansteckung können andere Kleinkinder einfallen und ein aufwendiges Stressmanagement nötig machen, das auch die Betreuungspersonen unnötig anstrengt.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, das Sicherheitsempfinden eines jeden Kindes durch vorhersehbare Abläufe zu garantieren (Gutknecht/ Kramer 2018). Die Kinder verstehen mit der Zeit, dass es für bestimmte Situationen typische Handlungsabläufe (sog. Skripts) gibt. Durch tägliche Wiederholungen erlernen sie diese Skripts und sind dann mit den Abläufen vertraut.
Die Mädchen und Jungen darin zu unterstützen, ein Skript aufzubauen, gelingt am erfolgreichsten im Rahmen einer sicheren Bindung. Dabei können Sing- und Reimspiele wie auch andere Erinnerungshilfen in die Kommunikation mit den Kindern eingebaut werden. Im Vertrauen auf die Sicherheitsbasis lernen sie, sich darüber hinaus auch auf Änderungen in den Skripts einzustellen und in den Abläufen flexibel zu sein. Dies fördert ihre emotionale Selbstregulation, die nicht gleich aus dem Ruder läuft, wenn mal etwas anders läuft als gewohnt. Auch erleben die Jüngsten damit Selbstwirksamkeit, die sie anspornt, über die Routinen hinaus Neues zu erkennen und Wissen zu erwerben.

Spielaktivitäten regulieren

Spielen ist die vorherrschende Aktivität von Kindern. Sie scheinen von Geburt an unbedingt spielen zu müssen. Bei nichts anderem sind sie so aktiv und ausdauernd. Da Spielen eng mit der Herausbildung von Sprache und Denken verbunden ist, bietet es gute Möglichkeiten, diese kleinkindlichen Entwicklungsbereiche wirksam zu unterstützen.
Für viele Kinder stellt es jedoch ein Problem dar, ihr Spiel beenden zu müssen. Die mit diesem verbundenen positiven Gefühle werden unterbrochen. Und wieder ist es die emotionale Balance, die dann außer Tritt kommen kann. Manche Kinder beginnen zu weinen oder werden wütend. Ein bindungsorientiertes Eingreifen der Erzieherin, das die Beendigung des Spiels mit langen Vorlaufzeiten mit beruhigenden Worten ankündigt, kann jedoch bereits im Vorfeld die negativen Emotionen abfedern.
Kleinkinder haben zudem die Tendenz, ihr Spiel fortzusetzen, wenn sie aufräumen sollen und ein spannendes Spielzeug wiederentdecken. Eine sensitive Betreuungsperson wird genau hinschauen, bevor sie erneut zum Aufräumen auffordert. Denn manchmal nutzen die Jüngsten das Spielzeug, um es spielend an seinen Platz zu bringen. Kleinkinder brauchen einfach Zeit, um ein Spiel einzustellen. Aus ihrer Perspektive ist es nicht zu verstehen, warum sie nun nicht mehr spielen dürfen. Deshalb sollten sie nach und nach persönlich angesprochen und individuell auf den Wechsel vorbereitet werden. Dabei kann die Neugier auf andere Aktivitäten geweckt und Lernfreude stimuliert werden. Allem voran aber muss die nachfolgende Aktivität angekündigt und der Wechsel erklärt werden.
Die Beispiele zeigen: Eine sensitive Gestaltung des Kita-Alltags hilft den Jüngsten entscheidend dabei, emotional in Balance zu bleiben.

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