Wie attraktiv ist der Arbeitgeber Kita für Männer im Vergleich zu Frauen?Ergebnisse der Lüneburger Studie

In Studien wurden männliche und weibliche Fachkräfte zu ihrer Arbeitszufriedenheit, emotionalen Bindung an die Einrichtung und zu ihren Karriereabsichten befragt. Übereinstimmend zeigen die Ergebnisse, dass männlichen Fachkräften Karriereoptionen wichtiger sind als vielen ihrer weiblichen Kolleginnen.

Zu nennen sind die Lüneburger Studie (2012), die HoF-Studie „Frauen und Männer in der Frühpädagogik“ (2012), die bundesweite Studie „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten“ (2008-2010) sowie die österreichische Studie „Elementar - Männer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern“ (2008-2010). Exemplarisch werden in diesem Beitrag1 die Ergebnisse der empirischen Studie dargestellt, die 2012 von der Leuphana Universität Lüneburg in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland durchgeführt wurde. Es beteiligten sich 471 Mitarbeiter/innen aus 79 Kitas (12 Träger). Berichtet werden Ergebnisse für 427 Befragte, die im pädagogischen Bereich tätig waren (Gruppendienst und/ oder Leitung).

Emotionale Bindung an den Arbeitgeber

Angesichts des Wettbewerbs um Fachkräfte müssen Kitas attraktive Arbeitgeber sein oder werden. Doch welche Arbeits- und Organisationsbedingungen entscheiden darüber? Ausschlaggebender Indikator für die Arbeitgeberattraktivität ist die emotionale Bindung der Mitarbeitenden an ihren Arbeitgeber, die in der Weiterempfehlung als Arbeitgeber oder aber in Kündigungsabsichten zum Ausdruck kommt. Sind Mitarbeiter/ innen stolz, in ihrer Kita zu arbeiten, dann besteht eine emotionale Bindung mit vielerlei positiven Effekten: Die Mitarbeiter/ innen wollen auch in Zukunft dort arbeiten und zeigen hohes Engagement - ihnen liegt am Erfolg ihrer Kita. Sie sind ihre Fürsprecher und wollen, dass andere eine gute Meinung von ihr haben. Wenn die Mitarbeiter/innen ihre Kita als Arbeitgeberin empfehlen, trägt dies wesentlich zur Reputation als attraktiver Arbeitgeber bei - das gilt ebenso für den Träger.

Die Lüneburger Studie befasst sich zunächst mit den Faktoren, die emotionale Bindung von Fachkräften an Träger bzw. Einrichtung bedingen. 65,9% der in Gruppendienst oder Leitung tätigen Fachkräfte weisen eine sehr hohe emotionale Bindung an ihre Kita auf, weitere 19,1% eine hohe emotionale Bindung. Die emotionale Bindung an den Träger fällt etwas geringer aus: 37,7% der Befragten weisen eine sehr hohe, 39,1% eine hohe emotionale Bindung auf. Die Frage, ob sie ihren Träger als Arbeitgeber empfehlen würden, beantworten 80,5% mit „trifft überwiegend zu“ oder „trifft völlig zu“. Die Ergebnisse sprechen für eine insgesamt hohe emotionale Bindung an die eigene Kita und den Träger. Dies spiegelt auch die Kündigungsabsicht wider: Nur 7,7% der Befragten geben an, häufig über einen Arbeitgeberwechsel nachzudenken. Allerdings zeigen Kitas und Träger deutliche Unterschiede im Ausmaß der emotionalen Bindung der Mitarbeiter/innen. Dies verdeutlicht, dass Arbeitgeberattraktivität von den jeweiligen Arbeits- und Organisationsbedingungen abhängt. Differenzierte Analysen belegen, dass folgende Faktoren für die emotionale Bindung an den Träger von zentraler Bedeutung sind:

  1. Vertrauen in sein Management,
  2. seine Reputation und wahrgenommene Leistungsstärke,
  3. Unternehmenskultur (Ausmaß an Beteiligung, Information, Würdigung von Engagement, Wertschätzung),
  4. Qualität der Führung durch direkte Vorgesetzte,
  5. Familienfreundlichkeit.

Für die emotionale Bindung an die eigene Kita sind folgende Faktoren entscheidend:

  1. Qualität der Führung durch direkte Vorgesetzte,
  2. Teamklima (offene, angstfreie Kommunikation, Unterstützung bei der Arbeit und Feedback, Wertschätzung, Zusammenhalt),
  3. Qualität der Arbeit: Handlungsspielraum, Arbeitsbelastung,
  4. Familienfreundlichkeit.

Als bindungsförderlich erweist sich eine Führung durch direkte Vorgesetzte, die Neuerungen gegenüber offen ist, inspirierende Ziele entwickelt, hohe Leistungserwartungen mit individueller Unterstützung der Mitarbeiter/innen kombiniert sowie das Team motiviert, gemeinsame Ziele zu erreichen. Träger und Kitas, die ihre Arbeitgeberattraktivität steigern wollen, sollten zunächst eine anonyme Mitarbeiterbefragung durchführen, die Verbesserungspotenziale aufzeigt. Die Befragung sollte Aufschluss über die Ausprägung der emotionalen Bindung geben, aber auch zeigen, welche Arbeits- und Organisationsbedingungen verändert werden müssen. Mit Hilfe des in der Lüneburger Studie verwendeten Fragebogens können Stärken und Schwächen des Trägers und der Kita bestimmt und wirksame Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität entwickelt werden.

Ergebnisse bei den Männern im Vergleich zu den Frauen

Der Männeranteil in der Lüneburger Erhebung lag bei 3,7%. Das entspricht ungefähr dem Anteil männlicher Erzieher in Deutschland. Folgende Aussagen zu Geschlechterunterschieden geben erste Hinweise auf relevante Aspekte, müssen aber aufgrund der geringen Stichprobengröße mit Vorsicht betrachtet werden. Der Vergleich Männer - Frauen zeigt, dass es mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede bei der Bewertung der Arbeitsbedingungen und der Beurteilung der eigenen Kita und des Trägers gibt. Allerdings finden sich auch interessante Differenzen: Männer weisen im Schnitt eine geringere emotionale Bindung an ihre Kita und gleichzeitig eine höhere Kündigungsabsicht auf. Die Frage, ob sie ihren Beruf wieder ergreifen würden, beantworten 50% der Männer mit eher ja oder ja, während es bei den Frauen 72,6% sind. 18,7% der Männer würden den Beruf nicht noch einmal wählen, bei den Frauen nur 8,0%. Die restlichen Befragten sind unentschieden. Diese Ergebnisse zeigen, dass männliche Erzieher eher mit ihrer Berufswahl hadern und sich mit ihrer Kita weniger emotional verbunden fühlen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass Männer andere Wünsche und Erwartungen haben als Frauen und diese u.U. in der beruflichen Tätigkeit in geringerem Maße erfüllt werden.

Bei der Frage nach beruflichen Zielen zeigt sich ein wesentlicher Unterschied zwischen den Männern und Frauen: Rund zwei Drittel der Männer (68,8%) haben in starkem oder sehr starkem Maße das Ziel, eine leitende Funktion zu übernehmen; bei den Frauen nur ein gutes Drittel (35,6%). Hiermit korrespondierend zeigen weitere statistische Analysen, dass die emotionale Bindung an den Träger bei den Männern stärker davon beeinflusst wird, welche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten ihnen geboten werden, ob eine systematische Führungskräfteentwicklung existiert und eine Beförderung von Mitarbeiter/ innen auf einer transparenten Leistungsbeurteilung basiert. Auch die Weiterempfehlung des Arbeitgebers hängt bei den Männern stark davon ab, ob ein professionelles Personalmanagement existiert, das auf Förderung der Mitarbeiter und Führungsnachwuchskräfte abzielt. Ähnlich verhält es sich mit der emotionalen Bindung an die eigene Kita: Auch sie hängt bei Männern stark davon ab, ob der Träger Entwicklungs- und Karriereperspektiven eröffnet. Bei den Frauen führen die Qualität von Führung und sozialem Miteinander die Rangliste an. Ein von Wertschätzung, Offenheit und gegenseitiger Unterstützung geprägtes Miteinander erweist sich bei den Frauen als wichtigster Bindungsfaktor.

Fazit

Die Lüneburger Studie weist auf Karriere- und Entwicklungsaussichten als wichtige Bindungsfaktoren für Männer hin. Kitas und Träger, die Männer gewinnen und binden wollen, müssen diese Wünsche berücksichtigen. Hierbei ist allerdings zu prüfen, ob gleichzeitig Frauen benachteiligt werden. Befürchtungen sind nicht von der Hand zu weisen, dass eine Förderung von Männern Geschlechterhierarchien verstärken könnte. Wesentlich ist, dass Frauen wie Männern Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet werden, die ihnen eine langfristige Tätigkeit im Arbeitsfeld attraktiv erscheinen lassen.

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