Eishöhlen und andere TraumhäuserEine kreative Idee aus Styropor und Zahnstochern

Eishöhlen und andere Traumhäuser: Eine kreative Idee aus Styropor und Zahnstochern
© Anja Horn, Freiberg

Die Zahnstocher sind leer. Als Niklas in die Schüssel hineingreifen will, um sich Baumaterial für die nächste Etage seines Iglus zu holen: gähnende Leere. Niklas schaut empört auf. Das kann nicht sein! Er hat sich extra so viel Mühe gegeben und seine Eishöhle von Anfang an mit System gebaut. Jede Schicht hat Niklas im ganz regelmäßigen Kreis festgesteckt und in sich stabilisiert, sodass die nächste Etage wieder sicher aufgesetzt werden konnte. Klar war Christian neben ihm schneller beim Bauen und konnte sich deshalb rechtzeitig Nachschub an Stäben sichern. Der hat ja auch einfach so drauflosgesteckt. Hoch ist er damit auch gekommen. Dafür wanken seine Wände jetzt bedrohlich, und es sieht nicht so aus, als ob sie das Anstecken eines einzigen Verpackungschips noch überleben würden.
Jetzt wandert Hans' Blick auf die andere Seite, zu Rafael. Da entdeckt er ihn: den ganzen Stapel Zahnstocher, der noch vor Rafaels Platz liegt. Mit einer langsamen, zögernden Bewegung versucht Niklas, einige Holzstäbchen von dem Stapel zu stibitzen. Doch ein Ruf und eine drohende Geste erklären ihm schnell und deutlich, dass die Stäbe nicht ihm gehören und noch gebraucht werden. Auf seine klagende Bitte hin erbarmt sich Zoe und gibt drei ihrer Hölzer ab. Das sind so kümmerlich wenige für seine Pläne, dass ihm der Dank im Hals stecken bleibt. Verzweifelt schaut Niklas sich um – und plötzlich entspannt er sich: Die Schüssel in der Mitte ist wieder gefüllt worden. Die Menge der Zahnstocher ist so verheißungsvoll groß, dass er sein Iglu weit in die Höhe bauen kann. So weit, wie er es eben schafft. Er will außerdem versuchen, es oben zu schließen. Das sieht bestimmt klasse aus, wenn man durch die Tür nach innen schaut. Wie eine echte Eishöhle.

Bildungsaspekte

Das Herstellen haltbarer Verbindungen ist ein Grundthema beim Konstruieren. Kinder zwischen 2 und 6 Jahren haben ein großes Interesse an der haltbaren Kombination von Materialien. Ihre technischen Möglichkeiten zum selbstständigen Ausführen solcher Verbindungen sind jedoch begrenzt. Knoten müssen erst erlernt werden, Nägel und Schrauben brauchen stabiles Material wie Holz als Basis und erfordern feinmotorisches Geschick. Heißkleber darf nicht allein benutzt werden. Flüssigkleber braucht Trocknungszeiten, die den kreativen Prozess unterbrechen. Umso wichtiger ist es, Kindern Verbindungstechniken anzubieten, die möglichst ohne Unterstützung umsetzbar sind. So können sie selbstständig und nach eigener Idee bauen.
Eine solche Verbindungstechnik ist das Stecken in eine weiche Grundlage. Steht eine Bodenplatte aus Schaumstoff oder Styropor zur Verfügung, kann mit Verpackungschips konstruiert werden – je geschickter, desto höher. Wichtig ist, dass ausreichend Material vorhanden ist, um bis an die eigenen Grenzen bauen zu können. So lernen Kinder die statischen Möglichkeiten ihrer Konstruktionstechniken kennen. Sie spüren das Wackeln, Überhängen und Kippen und finden Lösungen. Nebenbei vergleichen und diskutieren sie die Vorteile verschiedener konstruktiver Ansätze.

Material:

Styropor ist leicht, weich und deshalb als Konstruktionsmaterial für Kinder hervorragend geeignet. Da es als Verpackungsmaterial ein Wegwerfartikel ist, „kostet“ es nur einen Elternaufruf zum Sammeln. Da die Reinigung einen gewissen Aufwand bedeutet, das Material den Kindern aber tolle Möglichkeiten eröffnet, bieten wir es nur tageweise an, z. B. als Bildungsinsel. Oder wir legen den Schwerpunkt der Arbeiten auf das Stecken von Verbindungen und begrenzen das Zersägen und Zerbröseln durch vorherige Vereinbarungen mit den Kindern. Sinnvolles Zusatzmaterial sind dann große Mengen von Zahnstochern (die sich nach Gebrauch schnell wieder herausziehen und mehrfach nutzen lassen) und gesammelte Verpackungschips. Eventuell auch Farben oder Filzstifte zum Gestalten der Oberfläche.

Styropor ist ein Kunststoff, der aus Polystyrol (bekannt von Kleiderbügeln oder Wäscheklammern) besteht und mit Gas aufgeschäumt wird. Kunststoffe sind leicht, billig und in jeder beliebigen Form herstellbar. Einmal hergestellt lassen sie sich jedoch nur schwer wieder beseitigen. Ihren natürlichen Zerfall schätzt man auf bis zu 450 Jahre. Genau weiß man es nicht, Polystyrol z. B. gibt es seit noch nicht einmal hundert Jahren. Wird Kunststoff verbrannt, verbleiben giftige Schlackenabfälle. In Neues einschmelzen lässt sich nur ein sehr geringer Anteil, bezogen auf alle Kunststoffe ca. 10 Prozent. Milliarden Tonnen Plastikmüll treiben in den Weltmeeren. Deshalb empfehlen wir, im Interesse der Zukunft der Kinder, den Kunststoffeinkauf auch für das Kita-Atelier zu minimieren. Das große Potenzial all des Weggeworfenen kann jedoch genutzt und dabei auch die Entsorgung von Rohstoffen thematisiert werden.

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