Marte MeoEine videogestützte Beratungsmethode

Die Marte Meo-Methode will Entwicklungsprozesse von Kindern anstoßen und unterstützen. Mithilfe von Videoaufnahmen wird ein neuer Blick auf bekannte Situationen ermöglicht und es werden entwicklungsunterstützende Verhaltensweisen der Erwachsenen gefördert.

Der Beitrag in 150 Wörtern

Marte Meo ist eine videobasierte Beratungsmethode, die vor mehr als 30 Jahren von der Niederländerin Maria Aarts für die Arbeit mit Eltern entwickelt wurde. Heute wird sie in nahezu allen sozialpädagogischen Tätigkeitsfeldern eingesetzt. Marte Meo will Entwicklungsprozesse von Kindern und Erwachsenen unterstützen. Dazu wird zunächst der Blick darauf gerichtet, welche Fähigkeiten beim Kind bereits vorhanden, welche noch nicht entwickelt sind und wie diese unterstützt werden können. Bei den pädagogischen Fachkräften geht es darum, die natürlichen entwicklungsunterstützenden Verhaltensweisen zu erkennen und zu fördern. Die Videoaufnahmen ermöglichen dabei eine neue Sichtweise auf alltägliche, bekannte Situationen.

Marte Meo bedeutet sinngemäß „aus eigener Kraft“. Auf allen Ebenen sollen Menschen ermutigt werden, ihre eigene Kraft zu nutzen, um Entwicklungsprozesse von Kindern, Eltern und professionellen Kräften anzuregen.1

Vor mehr als 30 Jahren entwickelte die Niederländerin Maria Aarts die videobasierte Beratungsmethode. Ausgangspunkt war ihre Tätigkeit in einer heilpädagogischen Einrichtung für Kinder mit erhöhtem Erziehungsbedarf. Ihr Anliegen war es, die Eltern aktiver in den Erziehungsprozess einzubinden. Sie baute auf der emotionalen Verbundenheit zwischen Eltern und Kindern auf und unterstützte gezielt vorhandene elterliche Fähigkeiten, die für eine positive Entwicklung von Kindern förderlich sind. Jahrelang beobachtete und analysierte sie, was zu einer guten Eltern-Kind-Beziehung beiträgt und was gegenseitiges Verstanden- Werden fördert. Zwei Grundsätze prägen ihre Arbeit bis heute: „Nicht über Probleme sprechen, sondern Möglichkeiten suchen“ und „In den Bildern zeigen, nicht erklären“. Anstatt Ratschläge zu geben, galt es, in kurzen Videoaufnahmen alltäglicher Situationen detailliert zu erkennen, was positiv vorhanden ist und vor allem, was konkret getan werden kann. Mit ausgewählten Videoausschnitten wurde den Eltern bildhaft vor Augen geführt, wie gut sie in diesen Situationen ihr Kind unterstützen. Sie wurden ermutigt, diese Ansätze im Alltag verstärkt zu nutzen und Schritt für Schritt zu üben. So konnten sie ihre vorhandenen erzieherischen Fähigkeiten stärken und weiterentwickeln.

Maria Aarts gründete die erste Form einer Tagesbetreuung für Kinder, die andernfalls stationär im Heim untergebracht worden wären. 1985 wurde die Methode – damals als „Orion Video Home Training“ bezeichnet – vom niederländischen Ministerium anerkannt.2 Die erfolgreiche Arbeit dieser Einrichtung überzeugte auch die deutsche Jugendhilfe: 1992 wurden die ersten Teilnehmer aus Deutschland in der Methode ausgebildet.3

Um ihre Ideen und Ansätze weiterentwickeln zu können, gründete Aarts mit „Marte Meo International“ ein eigenes unabhängiges Netzwerk. Über die ursprüngliche Arbeit mit Familien hinaus wird Marte Meo inzwischen in nahezu allen sozialpädagogischen Tätigkeitsfeldern erfolgreich eingesetzt: bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen in Familien und pädagogischen Einrichtungen bis hin zur Arbeit mit kranken und hilfebedürftigen alten Menschen.

Grundannahmen

Maria Aarts entwickelte Marte Meo bewusst für den Alltag von Eltern. Auch in ihren Veröffentlichungen ist die „Alltagssprache“ ein wichtiges Prinzip4. Daher hat sie keine Darstellung der theoretischen Grundlagen verfasst. Sie arbeitet allerdings an vielen universitären Programmen mit und auch in Deutschland entwickeln sich Initiativen, um die Methode wissenschaftlich zu fundieren. Im Lehrbuch der Marte Meo-Methode heißt es zu den wissenschaftlichen Grundlagen für die Praxis: „Es handelt sich dabei um die Entwicklungspsychologie und hier speziell um die Bindungstheorie und Säuglingsforschung, die sozial-kognitive Lerntheorie, die Neurowissenschaften, die Kommunikationstheorie, die Theorie der symbolvermittelten Interaktion und die Systemtheorie. Diese Bestandteile bilden – in der Praxis eklektisch kombiniert – das theoretische Konzept der Methode.“ 5

Für den Einsatz von Marte Meo in Kindertageseinrichtungen sind folgende Grundsätze der Methode wesentlich:

  • Die Basis für eine förderliche Entwicklung von Kindern ist die natürliche Interaktion von Eltern/ Erziehern mit den Kindern.
    Ein Säugling ist vom ersten Tag seines Lebens auf Interaktion angewiesen, um sich zu entwickeln und zu lernen. Erwachsene reagieren darauf völlig „normal und natürlich“ mit einer Reihe von Grundmustern. Auf Äußerungen des Säuglings reagiert der einfühlsame Erwachsene intuitiv: Er wendet sich dem Kind zu, verfällt in eine höhere Stimmlage und ahmt die Laute des Kindes nach oder benennt z. B. Tätigkeiten. Dem Kind gibt das die Sicherheit, dass sein Verhalten gut ist, gesehen und anerkannt wird. Dies trägt zur Entwicklung seines Selbstbildes bei. Im gemeinsamen Genießen dieser Momente baut sich emotionale Bindung auf. Die Sprache wird angeregt und entwickelt, und zwar nicht nur konkrete Worte, sondern gleichzeitig Töne, Rhythmus, Sprachmelodie und Atmosphäre sowie die damit zusammenhängenden Gefühle.
  • Marte Meo ist Entwicklungsunterstützung, keine Therapie.
    Gerade Kinder mit besonderen Bedürfnissen können von Marte Meo profitieren. Die Methode ersetzt aber keine notwendige Therapie. Zahlreiche Fallbeispiele zeigen, dass problematisches Verhalten oft wesentliche Ursachen in nicht gelungener Kommunikation hat bzw. durch eine bewusste Interaktion verbessert werden kann. Kinder mit besonderen Bedürfnissen erfordern von den Erwachsenen erhöhte Erziehungsfähigkeiten, die durch die Videoanalyse sichtbar und erlernbar werden können. Entwicklungsunterstützung beginnt immer mit den Fragen: Was kann das Kind bereits? Was hat es noch nicht entwickelt und wie kann dies gezielt unterstützt werden?
  • Erzieherinnen und Erzieher bringen in der Regel eine hohe natürliche Interaktionskompetenz mit. Mithilfe von Marte Meo werden sie ermutigt, ihre eigenen Fähigkeiten bewusst zu sehen, zu nutzen und gezielt weiterzuentwickeln.
    Positive Kommunikationselemente sind z. B. Kontakt mit Kindern aufnehmen, sie freundlich anschauen, mit klarer Stimme in angepasster Tonlage und Tempo sprechen, auf Augenhöhe den Kindern zugewandt sein. Ziel der Arbeit mit Marte Meo ist, dass Erzieherinnen diese Fähigkeiten bewusst erkennen und gezielt einsetzen.
    Die eigene Erziehungstätigkeit zu reflektieren und weiterzuentwickeln kann durch eine kollegiale Beratung mithilfe einer ausgebildeten Marte Meo-Fachkraft erfolgen oder im Rahmen einer eigenen Ausbildung in der Methode. In jedem Fall bedeutet es, sich darauf einzulassen, einen Teilbereich der eigenen Tätigkeit im wörtlichen Sinne sichtbar zu machen. Etwa fünf Minuten aus dem alltäglichen Umgang mit einzelnen Kindern oder einer Gruppe, z. B. bei der Pflege, bei Mahlzeiten, im Freispiel oder im Morgenkreis, werden gefilmt und später analysiert. Die Marte Meo-Blickrichtung befähigt Erzieherinnen zu sehen, in welchen Momenten sie auf natürliche Art und Weise die Entwicklung der Kinder unterstützen. Geschieht dies wiederholt, kann das Gelernte für die Kinder zum festen Bestandteil ihres Verhaltens werden.
  • Bilder sagen mehr als 1000 Worte.
    Marte Meo lebt von Bildern und Videoaufnahmen. Eindrucksvolle Bilder von positiv erlebten Situationen bleiben haften und können immer wieder abgerufen werden. Das lebendige, unmittelbare und direkte Miteinander von Kindern und Erwachsenen ist so intensiv nur im Bild spürbar.
    Die für Videoaufnahmen notwendigen rechtlichen Voraussetzungen müssen unbedingt vorher geklärt werden:
    • Die Aufnahmen sind freiwillig.
    • Kinder dürfen nur gefilmt werden, wenn die Eltern ihr Einverständnis erklären.
    • Schweigepflicht und Vertraulichkeit müssen gewährleistet sein.
    • Die Filmsequenzen werden nur im vorher abgesprochenen Rahmen gezeigt. Eine weitere Nutzung oder Veröffentlichung ist nur bei individuell erteilter Erlaubnis möglich. Die Analyse der Videosequenzen bringt eine Fülle von Einsichten und Anregungen. Das eigene Auftreten und Verhalten zu sehen, zusammen mit der nachfolgenden Reaktion des Kindes oder einer Gruppe, ist sehr einprägsam und motivierend. Die Analyse der Aufnahmen bietet Möglichkeiten, die weit über eine normale Beobachtung hinausgehen. Man kann:
    • einzelne Szenen wiederholt anschauen und immer wieder Neues entdecken,
    • winzige Gesten und Bewegungen in Zeitlupe genauer betrachten,
    • eindrucksvolle Szenen im Standbild gemeinsam genießen,
    • mit Nahaufnahmen besondere Eindrücke vergrößern und hervorheben.

Möglichkeiten zum Einsatz von Marte Meo in Schulen und Kindertageseinrichtungen wurden von Marias Aarts Schwester Josje erarbeitet.6 Zwei Hauptaufgabenfelder in Kindertagesstätten erfordern für sie unterschiedliches Erzieherverhalten, um die Kinder in ihrer Entwicklung fördern zu können: das freie Spiel und strukturierte Situationen wie Regelspiele oder Gruppenaktivitäten.

1. Entwicklungsförderung im freien Spiel

In der Regel erleben Kinder in Tagesstätten lange Phasen, in denen sie im freien Spiel allein oder mit anderen Kindern Materialien erkunden, ihre Fantasie ausleben, mit Begeisterung und Freude ihre Welt entdecken und ihre Potenziale entfalten können. Dies sollen Fachkräfte erkennen und sie darin unterstützen. Wesentliche Marte Meo-Elemente hierfür sind „warten – folgen – benennen“.

Warten

Zu dieser ersten Aufgabe ist ein von Maria und Josje Aarts häufig genutztes Bild anregend: Jedes Kind wird mit einer Goldmine geboren, die vielfältige Wachstums- und Entwicklungschancen enthält.7 Sie ergreifen die Initiative, nutzen ihre Energie und werden aktiv. Normal entwickelte Kinder sprühen oft vor Energie und Initiativen. Andere benötigen Unterstützung durch Erwachsene. Videoaufnahmen solcher Situationen können zeigen, dass das gar nicht so selbstverständlich ist. In bester Absicht beteiligen sich die Erwachsenen sehr aktiv, machen Vorschläge, bringen neue Ideen ein und gestalten das Spiel. Das Kind kann manchmal nur noch reagieren, und nutzt damit nicht seine eigene „Goldmine“. Besonders in Phasen, in denen das Kind nichts tut oder sagt, ist man geneigt, diese Lücke zu füllen. Für manches Kind wäre es in dieser Situation förderlicher, wenn der Erwachsene „nur“ neben ihm sitzt und ihm Zeit gibt für seine eigenen Initiativen, und seien sie noch so klein.

Folgen

Den Initiativen des Kindes aufmerksam mit Blicken, Gedanken und Gefühlen folgen heißt, es näher kennenzulernen, aber auch, sich seinem Tempo anzupassen. Folgt man dem Kind, fühlt es sich wahrgenommen und bestätigt. In der freien Spielsituation entscheidet das Kind über sein Tun. Nur so kann es selbst – und der ihm folgende Erwachsene – herausfinden, was es wirklich interessiert, und man kann da ansetzen, wo das Kind steht. Einige Kinder wechseln häufig ihre Tätigkeit und können sich nicht intensiv oder über längere Zeit selbst beschäftigen. Folgt man ihnen bewusst in ihrer Tätigkeit, können sie diese Anteilnahme als Unterstützung erfahren.

Benennen

Wenn Erzieherinnen mit ermunternder Stimme und freundlichem Blick die Handlungen des Kindes benennen, aktivieren sie seine „Goldmine“ und bestärken es in seinem Tun. Für das Kind kann dies auch bedeuten, dass es selbst bewusster wahrnimmt, was es gerade tut. Gleichzeitig erfährt es die passenden Worte – eine wesentliche Grundlage der Sprachförderung. Benennen ist oft besser als fragen. Eine häufige Situation: Ein Kind malt ein Bild, der Erwachsene möchte Anteil nehmen und zeigt Interesse: „Was malst du da?“ Auf Fragen wird eine Antwort erwartet, und gerade unsichere Kinder kann dies noch mehr verunsichern, abgesehen davon, dass zu Beginn des Malprozesses nicht jedem Kind bewusst ist, was es malen möchte, sondern sich das Bild entwickelt. „Benennen“ wäre hier eine Alternative. In Videobildern ist gut zu sehen, wie sich das in Körperhaltung und Mimik von Kindern zeigt. Für unsichere Kinder sind Fragen dann sinnvoll, wenn man weiß, dass sie sie beantworten können, um dies dann deutlich positiv zu bestätigen. Bei anderen Kindern helfen Fragen dabei, wirklich etwas von ihnen zu erfahren oder sich mit ihnen auf tiefer gehende Gespräche einzulassen. Natürlich zeigen Kinder auch Initiativen, die man nicht gutheißen kann oder aus Sicherheitsgründen verbieten muss. Hier wäre Benennen zur Unterstützung des Verhaltens nicht angebracht: „Ich sehe, dass du gerade das Bilderbuch zerschneidest ...“ Ein nachvollziehbar ärgerliches „lass das“ wird das Verhalten in der Regel stoppen. Wichtig wäre dann, dies kindgerecht zu begründen. Benannt werden könnte aber das Bestreben des Kindes, selbstständig mit der Schere umgehen zu lernen. Als alternatives Angebot kann man etwas anderes anbieten, was es stattdessen zerschneiden darf.

Viele Kinder benennen spontan ihre Handlungen – ein wesentliches Element ihrer Spiel- und Kooperationsfähigkeit im Umgang mit anderen. Das macht sie für ihre Spielpartner vorhersehbar, Ideen werden ausgetauscht, ein gemeinsames Spiel kann sich entwickeln. Mithilfe einer gezielten Förderung nach dem Prinzip „warten-folgenbenennen“ konnten schon viele isolierte Kinder lernen, Beziehungen aufzunehmen und wirklich Spielpartner zu sein. Eine für solche Prozesse notwendige regelmäßige und intensive 1:1-Begleitung ist im Kita-Alltag nicht mit jedem Kind möglich und auch nicht notwendig. Wenn keine zehn Minuten möglich sind, dann vielleicht fünf oder zwei. In vielen Alltagssituationen bieten sich Gelegenheiten dazu an. Jedes Kind möchte wahrgenommen und beachtet werden. Dies gilt sowohl für die „normalen“ Kinder als auch für die stillen, unauffälligen, bei denen manchmal die Gefahr besteht, dass sie übersehen werden.

2. Entwicklungsförderung in strukturierten Situationen

Im freien Spiel sollen die Initiativen des Kindes Vorrang haben. Andere Situationen sind deutlich strukturiert und auf ein Ziel ausgerichtet. Hier ist von den pädagogischen Fachkräften Leitung gefordert. Entwicklungsunterstützend wirkt hierbei, wenn Fachkräfte ihre eigenen Initiativen benennen. Begleitet der Erwachsene z. B. beim Wickeln seine Handlungen mit Worten, empfängt das Kind damit mehrere Botschaften. Es wird vorbereitet auf das, was kommt. Das macht den Erwachsenen vorhersehbar und gibt dem Kind Sicherheit. Die parallel zur Handlung genannten Worte verbindet es z. B. mit den Körperteilen und lernt sie immer besser kennen, bis es die Worte auch selbst benutzt. Die Betreuungsperson folgt z. B. auch den Bewegungen und Blicken des Kindes und benennt seine Gefühle. Damit bekommt es Einsichten in seine eigene Gefühlswelt und lernt sich wieder besser kennen. Benennen fördert darüber hinaus auch die Aufmerksamkeit des Kindes. Im Video ist oft gut zu sehen, wie ein Kind jede Bewegung, jedes Wort des Erwachsenen mit weit geöffneten Augen verfolgt.

Leitung in strukturierten Situationen bedeutet Schritt für Schritt anzugeben, was getan wird, und gleich zu bestätigen, wenn das Verhalten des Kindes in die richtige Richtung geht. Es ist verblüffend, wie schon wenige Wochen alte Säuglinge hierbei „mitmachen“ und kooperieren können.

Eine Hauptaufgabe von Erzieherinnen ist es, Kinder allein oder in unterschiedlich großen Gruppen zu lenken und zu leiten. Das ist oftmals äußerst schwierig und anstrengend. Aber es ist notwendig, um Situationen zu strukturieren und Kindern dabei zu helfen, ihr Verhalten zu steuern und zu regulieren. Deshalb lohnt es sich, zu analysieren, was zu einem positiven Gruppenprozess beitragen kann. In der Entwicklung von Marte Meo wurden als förderlich empfundene und erlebte Situationen in Kindertagesstätten, Schulen und Gruppen Bild für Bild betrachtet. Was genau trägt dazu bei, dass die Atmosphäre bei gemeinsamen Aktivitäten positiv ist, welches Verhalten zeigte die Erzieherin und wie reagierten die Kinder darauf? Was half ihnen, aufmerksam zu bleiben? Aus diesen Analysen ergaben sich folgende Elemente, die zu einer positiven Leitung beitragen:

  • Einen klaren Anfang machen
    Bei strukturierten Aktivitäten in Gruppen ist es wichtig, dass alle wissen und bemerken, wann die Aktivität anfängt. Kurze Laute oder Äußerungen wie „jetzt“, „also“, „hmm“ helfen Kindern dabei, sich bewusst zuzuwenden und ihre Aufmerksamkeit zu steuern. Die Bereitschaft der Kinder dazu ist umso größer, wenn durch freundliche, ermunternde Blicke und Gesten spürbar Kontakt zu ihnen geschaffen wird. Eine variabel eingesetzte Stimme in kindgemäßem Tempo und unterschiedlichen Höhen sowie attraktive Töne laden die Kinder zusätzlich zum Mitmachen ein und machen das Ganze spannender als ein rein sachliches „heute machen wir …“
  • Sozial aufmerksam sein
    Positiv leiten heißt auch, seinen Blick immer wieder durch die Gruppe gehen zu lassen. Wie reagieren die Kinder? Die gleiche Situation kann völlig unterschiedliche Reaktionen auslösen. Werden diese benannt, fühlt sich jedes Kind verstanden und gleichzeitig wird das Einfühlen in andere gefördert. Kann ich Raum geben für Beiträge der Kinder? Brauchen sie Zeit, um Neues zu verarbeiten? Erfahrene Erzieherinnen und Erzieher „kennen“ ihre Kinder und können positive Leitung im Voraus geben: z. B. genau sagen, was ein Kind jetzt tun kann, anstatt zu formulieren, was es nicht tun soll.
  • Erwünschtes Verhalten bestätigen
    Erwünschtes Verhalten zu bestätigen wirkt äußerst positiv und motivierend. Die gemeinsame Freude darüber gibt sowohl den Kindern als auch den Erzieherinnen „emotionales Futter“. Besonders Kinder, bei denen erwünschtes Verhalten nicht selbstverständlich ist, hungern geradezu nach Zustimmung und Bestätigung.
  • Einen zentralen Fokus schaffen
    Bei Gruppenaktivitäten ist sehr schnell zu sehen, ob alle Kinder „dabei“ sind. Um dies zu erreichen, hilft es, einen gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus zu schaffen. Den erreicht man vor allem, wenn man sein eigenes Handeln benennt, z. B. „Ich hole jetzt ...“. Das hilft den Kindern, zu folgen. Bei Videoaufnahmen ist oft schön zu sehen, wie alle Augenpaare interessiert in die gleiche Richtung schauen. Leicht ablenkbare Kinder brauchen vielleicht deutlichere Signale, um sich zu konzentrieren. Marte Meo-Elemente wären hier: Informationen durch besondere Betonung mit Stimme und Gestik „hochheben, größer machen“. Andere Kinder brauchen Unterstützung, um ihr Verhalten zu steuern: „Siehst du, Ellen, jetzt ist Sophie an der Reihe, ich bin gespannt, was sie dazu sagt.“ Das gelingt Ellen vielleicht nicht sehr lange, aber damit übt sie einen Moment lang, dem gemeinsamen Fokus zu folgen – was ihr dann positiv bestätigt werden kann.
  • Chancen entdecken
    Marte Meo kann auf vielfältige Art und Weise in Kindertageseinrichtungen unterstützend eingesetzt werden. Es gibt kein festes Schema, das abgearbeitet werden müsste. Welche Elemente wann, für wen und für welche Situation am sinnvollsten sind, hängt von der jeweiligen Fragestellung ab. Dies wird in der Auswertung der Videoaufnahmen erarbeitet, dem wichtigsten Element des Marte Meo-Prozesses. Aus der Fülle der möglichen Informationen werden mithilfe von erfahrenen Marte Meo-Fachkräften die entscheidenden Bilder ausgewählt. Dabei wird immer von den vorhandenen Ressourcen ausgegangen. Daraus wird in der Regel ein Arbeitspunkt (z. B. länger warten, Gefühle benennen, Initiativen bestätigen) ausgewählt, an dem für einige Zeit gezielt gearbeitet wird. Dies geschieht nach dem „3-W-Konzept“ – Wann, Was, Wozu: Das heißt, in welchem geeigneten Moment kann was getan werden und wozu ist das für die Entwicklung der Kinder förderlich?

Der „Marte Meo-Blick“ bei einem Memoryspiel könnte neben der Freude am Spiel und der Suche nach Bild-Pärchen bedeuten: In welchen Momenten kann ich bei Kind A den Wortschatz erweitern, indem ich selbst viel benenne und ihm „Worte gebe“, Kind B helfen, die Reihenfolge im Spiel zu beachten und zu behalten, für Kind C Informationen „hochheben“, damit es „dabei bleibt“, wenn es selbst nicht mehr an der Reihe ist und mit Kind D Spielfreude und Spannung teilen und dazu beitragen, dass alle das gemeinsame Tun genießen? Dies kann den Unterschied machen zwischen einem Mitspieler und einem professionellen Begleiter. Insgesamt geht es nicht um richtiges oder falsches Verhalten. Im Vordergrund steht die Suche nach Chancen zur individuellen Entwicklungsförderung.

Informationen über Veranstaltungen, Aus- und Fortbildungen in Marte Meo und lokale Ansprechpartner finden Sie unter www.martemeo.com

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