Interkulturelle Erziehung

„Interkulturelle Erziehung wird auch als interkulturelle Bildung bzw. interkulturelles Lernen, in der neueren Literatur auch als transkulturelle Erziehung bezeichnet. Darunter werden pädagogische Ansätze verstanden, mit deren Hilfe das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft gefördert werden soll. Interkulturelle Pädagogik sieht in der Unterschiedlichkeit eine Chance, voneinander zu lernen und einen Weg zu finden, mit Fremdheit und Andersartigkeit umzugehen (interkulturelle Kompetenz). Unterschiede und Gemeinsamkeiten können bewusst gemacht werden und dazu führen, dass eigene, nicht hinterfragte Standpunkte überdacht und vielleicht neue Umgangsmöglichkeiten gefunden werden können. Ausgangspunkt ist, dass es nur eine, ungeteilte menschliche Kultur gibt mit vielen historisch bedingten unterschiedlichen Traditionen, Bräuchen, etc. Die unterschiedlichen Ausformungen von Kultur (auch als Kulturen bezeichnet) stehen gleichberechtigt nebeneinander, ein Lernprozess soll auf allen Seiten stattfinden und betrifft in gleicher Weise pädagogische Fachkräfte, Eltern, Kinder, „Inländer“, „Ausländer“ und ethnische Minderheiten. Insofern stellt interkulturelle Erziehung einen generellen pädagogischen Ansatz dar, bei dem es darum geht, Differenzen (Unterschiede) zwischen Menschen („diversity“) zum Gegenstand produktiver Auseinandersetzung zu machen (siehe Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung). Verhaltensweisen, die offensichtlich von denen der Angehörigen der Mehrheitskultur abweichen (z.B. Tragen eines Kopftuchs, Schächten von Tieren, Ermordung von Frauen wegen angeblicher Ehrverletzung) sorgen immer wieder für öffentliche Diskussionen und Auseinandersetzungen über konsensfähige Formen des Miteinanders. Da Migration auch aufgrund von Armut, Krieg, Naturkatastrophen und politisch oder religiös motivierter Verfolgung ein weltumspannendes Phänomen ist, sind die im Rahmen interkulturellen Lernens verfolgten Ziele von globaler Bedeutung. […] Die Bundesrepublik Deutschland ist de facto eines der größten Einwanderungsländer der Erde mit mehr als sieben Millionen zugewanderten Menschen (Arbeitsmigration, Flucht, Suchen nach Asyl) und ca. vier Millionen Spätausgesiedelten (Zugewanderte aus Ländern der früheren Sowjetunion mit einem Anrecht auf einen deutschen Pass ohne Wartezeit). Mit über zwei Millionen bilden Menschen aus der Türkei – und damit Muslime – die größte Gruppe innerhalb der ausländischen Bevölkerung. Eingewanderte bringen oft andere Sozialisationserfahrungen und andere Herkunfts- und Familiensprachen mit und sprechen diese in Teilbereichen des öffentlichen Raumes – v.a. in Kindergärten und auf Pausenhöfen von Schulen. Interkulturelle Erziehung will zum konfliktarmen Zusammenleben der Zugewanderten und der je ‚einheimischen‘ Mehrheitsbevölkerung beitragen und das Miteinander als Quelle von Anregung und Chance erfahrbar machen. Im Einzelnen will sie:

  • Das Verständnis unterschiedlicher Perspektiven fördern (kommunikative Kompetenz, Empathie, Offenheit und Multiperspektivität)
  • Das Aushalten von Widersprüchen entwickeln helfen (Flexibilität und Ambiguitätstoleranz)
  • Zum Respekt vor anderen Menschen erziehen (Toleranz und Akzeptanz)
  • Dabei helfen, Vorurteile abzubauen (Konfliktfähigkeit, Selbstreflexion, Kreativität)
  • Heterogenität und Pluralität der Gesellschaft anerkennen helfen (lebenslanges Lernen, Auflösen hierarchischen Denkens, Orientierung an der Alltagskultur).“