Erfahrungen beim Heilfasten

Ich saß im Kreis einiger Mitarbeiter beim Mittagessen. Beiläufig sprach ich von meinem bevorstehenden Urlaubsaufenthalt in der Schweiz. Zunächst herrschte etwas Neugier vor und die Frage: „Wohin fahren Sie? Werden Sie Skilaufen?“ Es war deutliche Verwunderung zu spüren, als ich verneinte und zu erläutern versuchte, weshalb ich zwei Wochen lang fasten, meditieren und schweigen wollte. Die Fragen häuften sich: Und das soll Urlaub sein! … Wollen Sie abnehmen? … Ist Fasten wieder eine neue Mode? So wie exklusive Zirkel, Golfspiel oder Tennissport? … Fasten mag gut sein für „Fromme“ und Kleriker … In der Bibel ist häufiger die Rede vom Fasten … In jüngerer Zeit war da noch Gandhi, er hat mit Fasten sehr viel erreicht. Das war aber auch ein Inder, uns bringt das nichts … „Wirklich nicht? Sind Sie da so sicher?“ So frage ich zurück und merke, ich bin mir selber nicht mehr so sicher. Aber ich bin offen und auch etwas gespannt.

Nüchtern und offen

Die ersten Tage sind schwierig, Ängste machen sich breit – werde ich es schaffen? Ich bin müde, ohne Konzentration, hilflos. Etwa ab dem dritten Tag klären sich die Gedanken, ich spüre plötzlich neue Kraft. Alles, was bisher so wichtig war, z. B. übertriebener Ehrgeiz, das starke Interesse an Zerstreuung, langweilige Geselligkeit, die körperliche und geistige Betriebsamkeit oder gar das Gefühl, ohne mich läuft sowieso nichts, lässt plötzlich nach. Die Dinge bekommen ihren richtigen Stellenwert. Ich bin wieder fähig zu sortieren: Was ist wichtig? Was hat Priorität vor der Gschaftlhuberei? Gedanken und Fragen steigen auf: Ich habe diesem oder jenem Mitarbeiter oder Problem nicht genügend Zeit gewidmet. Ich habe nicht genügend zugehört oder zu lange gewartet, bis ich ein Gespräch unterbrochen habe. Es gibt immerhin Menschen, die reden stundenlang am liebsten über sich selbst. Ich werde sie bremsen, damit ich mehr Zeit habe für die Stillen, die ohne Murren ihre Arbeit gut machen. Wann habe ich zum letzten Mal ein gutes Gespräch mit meinem Sohn, meiner Tochter geführt oder mit meiner Frau? Wahrhaftig – die Liste ließe sich noch beliebig ergänzen. Die Erkenntnisse werden Gestalt, wenn man fastet. Man sieht die Versäumnisse nüchtern und offen. So etwas wie Reue meldet sich …

Leben wird anders

Vier Wochen später. Es ist nicht zu verbergen, dass eine Veränderung mit mir vorgegangen ist. Die Arbeit empfinde ich nicht mehr als schwere Last, aber auch nicht mehr als das absolute Ziel meines Seins. Mehr Geduld mit anderen und mit mir selbst, auch in heiklen Fragen und Situationen, sind deutlich feststellbar. Meine Gedanken sind klarer. Der Schlaf ist tief und fest. Das Gewicht hat sich nicht wieder erhöht, ich esse bewusster, meide „alte Sünden“. Oft habe ich interessante Gespräche mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern, wenn ihnen an meinem Verhalten etwas auffällt und sie mich danach fragen.  

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