Nr. 1 – 2022Januar

Inhalt
1. Auflage 2021
Bestellnummer: Z330070

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Allem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagt Hermann Hesse. Auch am Jahresanfang spüren wir etwas von diesem Zauber. Wir haben Erwartungen und Hoffnungen. Andererseits haben wir schon so oft erlebt, wie diese sich im Laufe des Jahres dann „entzaubert“ haben. Dennoch sollten wir darüber nachdenken. Im Deutschen kennen wir zwei Worte: anfangen und beginnen. „Anfangen“ kommt von „anfassen, anpacken, in die Hand nehmen“. Wer anfängt, nimmt sein Leben selbst in die Hand und hört auf zu jammern, dass er nichts machen kann. Wir haben es in der Hand, was wir aus dem machen, was wir – auch in unserer Erziehung – mitbekommen haben. Wir erwarten nicht alles nur von anderen. Das Wort „beginnen“ hingegen bedeutet ursprünglich: „urbar machen“. Es gibt dazu eine alte Mönchsgeschichte: Da jammert ein junger Mönch einem Altvater vor, dass er auf dem dornigen Weg der Askese nicht weiterkomme. Die alten Fehler tauchen immer wieder auf. Er bekommt das „Unkraut“ einfach nicht in den Griff. Der Altvater erzählt ihm eine Geschichte: Ein Vater schickt seinen Sohn zum Acker, dass er ihn urbar macht. Als der Sohn sieht, wie groß und verwildert der Acker ist, traut er es sich nicht zu, ihn von den Disteln zu befreien, und legt sich stattdessen hin. Als der Vater nach ein paar Tagen sieht, dass noch nichts geschehen ist, gibt er den Rat: „Bearbeite jeden Tag nur so viel vom Acker, wie dein Körper bedecken kann.“ Der Sohn befolgt das, und nach kurzer Zeit ist der Acker urbar gemacht. Welchen Teil des Ackers Ihrer Seele möchten Sie in diesem Jahr urbar machen? Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Auch wenn Sie jedes Jahr nur einen kleinen Teil urbar machen, wird Ihr Leben Frucht bringen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und fruchtbringendes neues Jahr.

Ihr Pater

Anselm Grün

Über diese Ausgabe

Lebenskunst

  • Plus einfach leben Nr. 1 – 2022 S. 3

    Angst vor der Zukunft

    Ich möchte eigentlich mit Vertrauen in das neue Jahr gehen. Aber die Angst vor der Zukunft steigt immer wieder in mir hoch.
    Je älter ich werde, desto weniger erwarte ich von einem neuen Jahr, desto weniger erwarte ich noch von meinem Leben.

  • Plus einfach leben Nr. 1 – 2022 S. 4-5

    Beziehungen heilenDie Kraft der Verbundenheit

    Beginnend mit dieser Januarausgabe möchte ich künftig ein neues Schwerpunktthema behandeln: Verbundenheit und Beziehung. Wir sehnen uns nach gelingenden Beziehungen. Und wo Menschen sich verbunden fühlen, verliert sich das Gefühl der Einsamkeit. Beziehung kann seelische Wunden heilen. Aber es gibt auch krankmachende Beziehungen, und es gibt viele Gefährdungen der Verbundenheit. Solche Gefährdungen zu erkennen und heilsame Wege zu tieferer Verbundenheit zu finden – wie das möglich ist, darüber wollen wir im Verlauf dieses Jahres nachdenken.

  • Plus einfach leben Nr. 1 – 2022 S. 10

    Fragen unserer ZeitWas wäre, wenn „gefühlige“ Roboter die Pflegekraft ersetzen?

    Zunehmend sind Pflegeeinrichtungen von Personalmangel und Kosteneinsparungen geprägt. Eine Frage, die sich deshalb heute viele stellen: Wird das dazu führen, dass technische Möglichkeiten wie z.B. Roboter die menschliche, persönliche Zuwendung in den Hintergrund drängen? Dahinter steht die grundsätzliche Frage: Wie gehen wir als Gesellschaft mit älteren Menschen um?

Spiritualität

Interview

  • Plus einfach leben Nr. 1 – 2022 S. 8-9

    BegegnungenHauptsache, wir bleiben beieinander

    Er kennt das Leben und die Welt – und gilt als spirituell tiefer und als reformorientierter Bischof. In seinen Antworten auf unsere Fragen gibt Heiner Wilmer Auskunft über das, was ihn selbst trägt und was uns alle in schwierigen Situationen als Gemeinschaft voranbringen kann.

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