7 Momente aus 7 TagenPinselstriche

Der Wochenrückblick

Dieser Tage ging die Meldung durch die Presse, dass der Papst im portugiesischen Cascais ein drei Kilometer langes Wandbild vollendet hat, an dem hunderte Schülerinnen und Schüler über Wochen gearbeitet haben. „Mit einem fast kreisrunden grünen Pinselstrich“, so berichten es die Medien, habe Franziskus das Bild fertiggestellt. Das ist eine schöne Geste. Und doch ist es schade, dass dieser letzte Pinselstrich jetzt um die Welt geht, während sich an den ersten, den irgendein anonymes Schulkind auf die damals noch leere Wand gesetzt hat, keiner mehr erinnert. Dabei weiß jeder, der schon einmal ein längeres Projekt angegangen ist, dass der erste Strich oft der schwerste ist. Hier folgt wieder ein Blick auf Meldungen, die vielleicht nicht in den großen Zeitungen erscheinen und trotzdem einen Blick wert sind.

1 | Bayern. Im bayerischen Cham wird noch gepinselt: Die muslimische Künstlerin Mahbuba Maqsoodi wurde beauftragt, neue Kirchenfenster für die Pfarrkirche Sankt Josef zu gestalten. Die Afghanin arbeitet an Fenstern, die auch Szenen aus dem Alten Testament aufnehmen, der gemeinsamen Wurzel von Christentum und Islam.

2 | Manipur. Ein solches Miteinander der Religionen ist in anderen Weltregionen noch ein ferner Traum. Im indischen Bundesstaat Manipur wird gerade gerichtlich gestritten, wo 35 getötete Christinnen und Christen bestattet werden dürfen. Seit Monaten kommt es immer wieder zu Gewalt zwischen der hinduistischen Bevölkerungsmehrheit und dem christlichen Stamm der Kuki. Dabei wurden tausende Gebäude verwüstet oder niedergebrannt, darunter auch mehrere hundert Kirchen.

3 | Rheinland-Pfalz. Doch auch in Europa brennen Kirchen. Sechs Monate nach einem Brandanschlag auf ein Gotteshaus in Rheinland-Pfalz hat das Landgericht Koblenz einen Mann zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Durch das Feuer wurde ein Altar aus dem 18. Jahrhundert zerstört. Seit einem halben Jahr können keine Gottesdienste mehr in dem Gebäude gefeiert werden.

4 | Washington. Während in Deutschland Brandstifter verurteilt werden, könnte in Amerika eine katholische Hilfsorganisation auf der Anklagebank landen. Republikaner versuchen Catholic Charities vor den Kongress-Justizausschuss zu bringen. Die Organisation ist in der Flüchtlingsarbeit tätig und wird jetzt verdächtigt, vorsätzlich illegale Einwanderer ins Land zu holen. Catholic Charities wies die Vorwürfe zurück. „Unsere Arbeit ist vom Evangelium geleitet“, hieß es. „Sie ist nicht politisch und sollte nicht umstritten sein.“

5 | El Salvador. In Nordamerika wird diskutiert, wie das Evangelium heute auszulegen ist, Mittelamerika könnte derweil weitere Heilige gewinnen. Wie jetzt bekannt wurde, hat die Kirche ein Heiligsprechungsverfahren für eine „bedeutende Gruppe von Märtyrern“ des bis 1992 andauernden Bürgerkriegs in El Salvador eingeleitet.

6 | Deutschland. Ein stiller Abschied: Nach fast 50 Jahren stellt die Unternehmensberatung der katholischen Kirche in Deutschland ihren Betrieb ein. Die Medien-Dienstleistung Gesellschaft war seit 1975 vor allem für kirchliche und kirchennahe Kunden in den Bereichen Medien und Kommunikation tätig.

7 | Almada. Medienberatung hätte wohl auch der Autohersteller Porsche gebrauchen können. Ein in Portugal gedrehter Werbespot des Unternehmens wurde online stark kritisiert. Der Grund: Die berühmte Christus-Statue Christo Rei war in einer Einstellung aus dem Hintergrund herausretuschiert worden. Inzwischen hat Porsche die Bearbeitung rückgängig gemacht, Jesus ist wieder zu sehen. Manchmal ist es wichtig, einen ersten Strich zu setzen – und manchmal sollte man den (digitalen) Pinsel auch ruhen lassen.

Der Wochenrückblick von

Simon Lukas

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